About me

Das ist meine Mama. Sie lebt in dem roten Haus mit den grünen Fenstern mitten in Hamburg Eimsbüttel, dass ein bisschen wie in New York aussieht. Meine Mama mag das sehr, weil sie New York mag und dorthin ihre erste Reise mit meinem Papa gemacht hat. Damals kannten sie sich gerade mal fünf Wochen.

Vor dem roten Haus mit den grünen Fenstern ist ein Vorgarten, den meine Mama sehr gerne mal sehr schön machen würde, aber statt dessen wächst dort alles durcheinander. Ein bisschen auch, weil sie Unkraut nicht von regulären Pflanzen unterscheiden kann. Sie lässt einfach alles wachsen und hofft darauf, dass es irgendwann einmal Blüten bekommt.

img_3192-kopieHinter dem Haus ist ein weiterer Garten. Darin steht ein alter Bunker. Meine Mama findet nicht, dass der eine negative Energie verbreitet, sondern eher, dass er uns eine Geschichte aus der Vergangenheit erzählt. Auf dem Bunker ist unsere Terrasse, und drum herum wächst dasselbe wie im Vorgarten. Nur mehr Beeren und Apfelbäume und Kräuter. Dazwischen sitzt sie gerne und liest. Meine Mama liest sehr viel. Als wir hierhergezogen sind hat der Mann vom Umzugsunternehmen gesagt, sie brauche definitiv mehr Bücherkartons als für alles andere.

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Meine Mama ist Fotografin. Manchmal zumindest. Manchmal sagt sie auch sie ist es nicht. Aber sie fotografiert sehr viel. Früher hat sie in Afrika fotografiert und in Südamerika. Da hat sie ganz viele wilde Tiere gesehen und bei Indianern geschlafen und für die Entwicklungshilfe Projekte dokumentiert. Ich glaube, manchmal fehlt ihr das ein bisschen – sie kann nie so wirklich lange an einem Ort sein. Dann sucht sie sich ein neues Ziel. Deshalb haben wir den Bus gekauft, den „flotten Bert“. Mit dem reisen wir ganz viel herum. Er ist wie unser zweites Zuhause. Mama sagt, weil unser Garten mitten in Hamburg so klein sei, müssen wir eben die Welt zu unserem Garten machen.

Eigentlich hat sie aber mal Geschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaften studiert. In Hamburg und in Venedig. Deshalb wollte sie uns unbedingt mal Venedig zeigen. Und ich mochte es da sehr. Man kann überall hinlaufen, weil es gar keine Autos gibt!

Mit dem Studium hat sie aber nie etwas gemacht als sie fertig war. Ich glaube, deshalb ist sie auch so glücklich mit ihrem Blog. Sie kann wieder schreiben und schreiben macht sie sehr glücklich. ich glaube, sie schreibt ganz schöne Sachen, denn Abends erzählt sie uns oft Geschichten und die sind auch sehr schön. Ausserdem liebt sie Theater. Manchmal geht sie mit mir zum Thalia Theater nur um davor zu stehen und mir zu sagen, es sei das schönste Theater, dass sie kenne. Mit mir geht sie auch oft ins Theater. Ich mag das auch sehr. In der Pause teilen wir uns eine Brezel. Ich mag lieber Theater mit echten Menschen als mit Puppen.

Meine Mama holt uns immer ab, oft ist sie die erste. Sie sagt, sie hat Sehnsucht nach uns. Das mag ich. Dann lässt sie uns mit den Gummistiefeln im Weiher herum stapfen und auf Bäume klettern. Ich glaube, sie wünscht sich, dass wir es so gut haben wie sie als Kind. Da war sie immer draussen, hinter dem Reetdachhaus von Oma und Opa und im Wald. Sie hatte sogar ein Pony. Das war ein bisschen dick und faul, aber sie hat das sehr geliebt.

Manchmal träumt sie davon, dass wir nach Kanada ziehen. Ich träume auch davon. Ich mag Kanada sehr. Wenn ich groß bin werde ich dort wohnen. Bei Tante Ann, direkt am See, und am Abend die Bären beobachten. Wir werden aber nicht nach Kanada ziehen, weil Papa hier gar nicht weg kann. Der ist Arzt und arbeitet sehr viel. Ausserdem mag Mama auch gar nicht so weit weg von Oma und Opa und ihren ganzen Freunden. „Schade,“ sagt sie dann. „Aber das Leben ist keine Generalprobe.“ Ich weiß nicht, was sie damit meint, aber ich glaube das heißt, dass wir erst mal nicht nach Kanada ziehen und weiterhin hier auf Bäume klettern.

Bei uns wohnt sonst noch meine kleine Schwester Ida. Ich glaube, ich hab noch nie jemanden so sehr geliebt wie die Ida. Sie ist immer lustig und macht Quatsch. Und ich finde sie schon ganz schön mutig dafür dass sie erst drei ist. Sie kann gut klettern und richtige schwere Äste tragen.

Ausserdem wohnen hier noch unsere Katze Carla und unser Hund Pius. Die streiten sich manchmal. Mehr als Ida und ich. Ich glaube, weil Pius immer das Futter von Carla auffrisst. Ich mag es auch nicht, wenn Ida meine Süßigkeiten isst. 

Manchmal ist meine Mama genervt. Immer dann, wenn sie auch viel Abends noch arbeiten muss. Dann findet sie es doof wenn wir nicht schnell genug ins Bett gehen. Das tut ihr nachher leid, aber mich nervt es auch, wenn sie uns so drängelt. Aber vielleicht, weil Papa so wenig da ist und uns nicht so oft ins Bett bringen kann. Ich mag meine Mama aber lieber, wenn sie nicht schimpft.

Im Moment macht sie zusammen mit ihrer Freundin Yasmin ein Backbuch. Eigentlich nur für uns. Weil wir so viel draussen sind und sie keine Lust mehr hat, immer nur Äpfel mitzunehmen. Sie will ganz viele Ideen sammeln, was man alles backen und mit in den Wald und an den Strand nehmen kann. Aber da sie GAR nicht backen kann, braucht sie Yasmin. Die ist nämlich die beste Bäckerin aus Hamburg! 

Mama macht die Fotos und schreibt die Texte und Yasmin backt mit uns!

Ausserdem schreibt sie ein Buch über unsere Reise durch Polen. Sie nennt es die Reise in die Vergangenheit. Wir sind damals ganz bis an die russische Grenze gefahren, da, wo meine Uroma gewohnt hat. Die musste fliehen, weil der Krieg kam. Und meiner Mama war es wichtig, dass wir einmal dahin zurückkehren. Ich glaube, das Thema Flucht beschäftigt sie. Bei uns kommen auch Flüchtlinge zum Essen, die sind von wirklich ganz weit weg hierher gelaufen und einmal hat sie einen Text über eine Flucht in einem Buch veröffentlicht. Ich möchte niemals auf der Flucht sein.

Wann meine Mama das immer alles macht weiß ich nicht. Ich glaube Nachts. Sie hat ein ganz kleines Arbeitszimmer, so gross wie ein Schrank. Da sitzt sie Abends zusammen mit der Katze und wir hören sie tippen. Ich mag das Arbeitszimmer. Es gibt ausser dem Schreibtisch und einem Regal nur noch einen Sessel. Da darf ich manchmal sitzen. Und ihr was erzählen.

Ja, das ist meine Mama.

 

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11 thoughts

  1. Soooo so schön geschrieben. Einfach klasse. Ich mag deinen Blog und deine Familie sehr. Ich sehe nämlich uns darin. Und ich liebe den Namen Ida. Hätten wir noch ein 3. Mädchen , würde Sie auch den Namen tragen. Aber wir sind glücklich mit unseren 2.
    Weiter so…

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  2. wunderschöne seiten, auch deine andere blogseite. mein jüngster ist kürzlich mit 17 ausgezogen, ein supertyp, der nach dem abi sofort wusste was er will. endlich kann ich wieder blogs lesen. nun ja, nur weil ich momentan verschnupft im bett liege. mich beschäftigt auch die flucht, möchte demnächst auch durch polen fahren. meine mutter ist bald 90 und kann nicht mehr so wirklich genau alles von damals erzählen, aber ich möchte die orte mal sehen, in der polnischen lausitz, fast an der grenze zu deutschland. ansonsten schreibe ich auch bücher, blogs und facebook-seiten (unter anderem ‚aromaMAMA‘ über gesundbleiben mit ätherischen ölen) und lebe seit 17 jahren am meer in südwest-irland. danke, dass ich hier lesen darf, thank you for sharing. (diese seite hat – genau wie meine störrische wordpress-seite – behauptet, dass sie nicht aufginge „no data sent“, beim zweiten mal geht es dann immer, ist aber trotzdem geschäftsschädigend von wp)

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