Und was kam dann…

…dann war auf einmal das zweite Schuljahr um. Nicht mit einem Knall, nicht mit großen, aber vielen kleinen Überraschungen. Dann, sage ich, warst du auf einmal Drittklässler. Herr Tudorowitz hat schon das Schild an eurem Klassenraum abgemacht und eine neues aufgehängt. Hier oben, im zweiten Stock der Ziegenschule – die seit diesem Jahr gar keine Ziegen mehr hat – lacht und kichert und lernt jetzt die 3b. Und woanders – nur das sieht noch keiner – wurde ein Schild aufgehängt, dass dort in ein paar Wochen die 1b lachen, kichern, lernen und am Anfang schüchtern um die Ecke spähen wird. Und da wird deine kleine Schwester sein.
Die letzten Schulwochen beginnen nur noch zu plätschern. Hausaufgaben vergessen? Egal. Nie vor halb zehn ins Bett? Auch egal. Jeden zweiten Abend essen wir mit Freunden, sind lange draußen, schwimmen bis Abends im überfüllten Kaifu Bad unter alten Bäumen. Radeln durch Eimsbüttel, an Cafés und kleinen Läden vorbei. Essen Eis und noch mehr Eis. Einen Tag wagt ihr euch auf die Isebek – du mit Freunden im Schlauchboot, Papa auf dem Stand-up-Board. Die Sonne ist schrecklich heiß. Ihr lasst euch absichtlich ins Wasser fallen, planscht und schwimmt unter den herabhängenden Ästen der Bäume. Fahrt von Eimsbüttel nach Eppendorf und weiter nach Winterhude, mit Wasserperlen auf den nackten Schultern.
Am letzten Wochenende vor den Ferien feiern wir endlich Deinen achten Geburtstag. Siebzehn Freunde kommen. In Deinem Zeugnis wird stehen, wie beliebt du in der Klasse bist. Da steht auch noch viel anderes, aber darüber freue ich mich am meisten. Weil ich weiß, dass kaum etwas im Leben so wichtig ist wie Freundschaften.
Und ein bisschen freue ich mich auch über Hamburg, über jedes vorbeiziehende Containerschiff das neue Wellen an den Strand am Rissener Leuchtturm wirft. Über das Kreischen der Möwen, das deinen Geburtstag begleitet. Vielleicht geht es dir irgendwann wir mir, dass du denkst, niemals irgendwo leben zu können, wo keine Möwen kreischen.
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Am letzten Schultag trappeln 400 Kinderfüße die alten Treppen der Schule herunter. Auf der Isebek ziehen die ersten Ruderer vorbei. Eimsbüttel quillt über vor plappernden Kindern, die Eltern voller Zeugnis-Stolz, die Eisläden tunken eine und noch eine Kugel in bunte Streusel, die Restaurants zum Mittagstisch alle voll. Unter den alten Kastanien treffen sich alle an langen Tischen, sehen zu wie Pasta und Pommes in Ketchup verschmierten Mündern landen.
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Um 18:00 Uhr bginnt das Treiben in der Ziegenschule erneut. Die Kinder können es gar nicht abwarten in die Schule zuürckzukehren. Auf dem großen Grill brutzeln Würstchen, überall stehen bunte Salate und Fingerfood, und all die alten Treppen werden wieder genutzt um Schlafsäcke, zerkuschelte Teddys und Zahnbürsten in den Klassenräumen zu platzieren. Am letzten Tag wird in der Schule geschlafen. Mit Grillfest auf dem Hof bis die Sonne untergeht. Mit Erziehern, die mit brennenden Fackeln jonglieren, Kinderdisko in der Aula, ewigem flüstern in schummerigen Klassenräumen.
Und dann? fragst du vielleicht irgendwann. Was haben wir dann gemacht? Wie haben Sommerferien sich angefühlt? Haben wir geschlafen, gespielt, getobt? Schien die Sonne oder war es regnerisch und kalt?
Das, sage ich, erzähl ich dir morgen.
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