Blogfamilia – oder über die Unfähigkeit zu netzwerken

IMG_3680 Kopie.jpgAnfang des Jahres bekam ich einen Aufruf bei Facebook, man könne sich ab jetzt Tickets für die Blogfamilia sichern. Da muss man schnell sein, denke ich, sonst sind alle Tickets weg. Ich klicke also auf „kaufen“. Fünf Minuten später frage ich mich was ich da eigentlich getan habe?

Ich bin nicht nur die schlechteste Geschäftsfrau der Welt (nein, das sage nicht ich selbst, sondern andere über mich. Ich gehe immer schon mit dem Preis runter, bevor die anderen überhaupt die Chance hatten zu antworten…) und ich kann mich absolut gar nicht selbst verkaufen. Obwohl, ich kann ganz gut schreiben. Alles was ich so an Kommunikation mit Fremden zu erledigen habe, mache ich schreibend. Irgendwann habe ich dann so viel hin- und hergeschrieben, dass ich es gar nicht mehr so gruselig finde mit den Menschen dann auch in echt zu sprechen.

Ich bin aber gar kein sozialer Außenseiter (das könne man ja jetzt erst mal vermuten). Ich habe viele Freunde die ich sehr liebe, ich habe sogar noch meine Kindergartenfreundinnen! Ich habe noch Freunde aus der Schulzeit, aus meinen Studentenjobs, aus der Uni, jetzt unter den anderen Müttern, aus Pauls Klinik usw. Ich bin eine eins zu eins Freundin. Ich kann sehr gut mit fremden Menschen kommunizieren wenn sie mir allein gegenüberstehen. So bald es mehrere sind komme ich nicht weiter.

Aber jetzt war ich angemeldet und da ich schon im Vorfeld darüber nachdachte, wie ich das hinbekomme nicht nur einsam in der Ecke zu stehen hab ich fix meine Lieblingsblogger Kollegin Ute von Ahoikinder gefragt, ob sie auch da sein würde. „Nein, kein Ticket mehr bekommen.“ Mist.

Aber jetzt war ich in Berlin, die Sonne schien und Ute hatte doch noch eines der Resttickets ergattern können. Emil und Ida freuten sich. Ich freute mich auch. Das Leben ist doch eigentlich dafür da Dinge auszuprobieren, an ihnen zu wachsen und vor allem mit anderen Menschen in Kontakt zu treten die ein ähnliches Ziel verfolgen, ähnliche Gedanken haben, die ähnliche Gefühle teilen. Menschen, die alle ihre Kinder lieben, die sich mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen auseinandersetzen.

Aber all diese Dinge, die ich wusste, erschreckten mich dann doch irgendwie als ich da war. Das übliche Gefühl beschlich mich: Findet ihr es nicht auch irgendwie gruselig, dass wir alle gegenseitig unsere Leben kennen ohne uns jemals begegnet zu sein? Ich sah Gesichter, die ich kannte, Menschen, über die ich gelesen hatte. Menschen, von denen ich ganz intime und persönliche Gedanken kenne. Deren Wohnungen ich genauso kenne wie ihre Kinder, ihre Kleidung, ihr Faible für bestimmte Konsumgüter. Ich gab den Kindern ein paar Kekse und fühlte mich unwohl. So viel Privates auf einem öffentlichen Raum. Und ich mitten drin.

IMG_3802.jpgAber gut, erst mal dieKeynote von Nora Imlau hören. Emil und Ida packten derweil mit einer weihnachtlichen Begeisterung die Goodie Bag aus. Ich hörte zu. Und ganz viel negatives, Angst machendes, ganz viele Zweifel wurden zerstreut. Ja, es geht um persönliches. Ja, ich finde manches zu viel. Ich habe Angst davor zu öffentlich zu werden. Zu viel privates Preis zu geben. Ich fühle mich manchmal beobachtet – nicht im paranoiden Sinne sondern wie ein freundlich lächelndes Fernsehpublikum. Das mir hin und wieder zunickt und zu verstehen gibt, ist ganz gut was du da gerade sagt. Mach ruhig weiter.

Aber Nora sagt etwas ganz anderes, etwas viel durchdachteres als ich. Sie spricht nicht von der gläsernen Mutter, wie ich es oft empfinde, sondern von Bewegung, von Wellen und Öffentlichkeit. Von der Chance für Vielfalt zu sorgen, Aufmerksamkeiten zu schaffen, gemeinsam Themen nach vorne zu bringen, die sonst in all unseren kleinen Familien bleiben würden. Von einer gesellschaftlichen Veränderung, die durch Blogs entstanden ist. Auch von Hilfe, von Ermutigung, vom Gefühl mit Sorgen nicht mehr allein sein zu müssen.

Und am Ende schaffe ich das alles ein bisschen. Ich finde Gemeinsamkeiten, ich finde Inspiration, ich treffe Menschen, die mich sehr glücklich aus diesem Event heraus gehen lassen – allen voran Nora Imlau. Aber ich führe auch ein sehr aufbauendes Gespräch mit Vanessa von die Kleinschmeckerin, die im nächsten Frühling ein wunderbares Buch mit gesunden Rezepten herausgeben wird. Ich hänge mich bei jeder Gelegenheit immer noch an Ute und ihre bezaubernde kleine Tochter und sie zieht mich ganz gut mit in die Gesellschaft von Isa, über deren Blog LariLara ich sogar vor ein paar Wochen geschrieben habe und Christiane von Style Mom, die beide auch aus Hamburg kommen.

IMG_3809Nur weil der eine Workshop zu voll war komme ich ins Gespräch mit Melanie von Kopfkusshöhe, die in Berlin Trageberatung anbietet und ich nur allen erlinerinnen ans Herz legen kann und ich rede sogar mit Alu von Grosseköpfe, der Initiatorin der Blogfamilia, die nicht nur ein wahnsinnig schönes Kleid trägt sondern vor allem wahnsinnig viel bewegt, mit ganz viel Stärke jeden Raum erfüllt und mich sehr beeindruckt hat.

Ach ja, und Emil und Ida? Die haben mit viel Hingabe die Asche einer Feuerschale durch ihre Finger rinnen lassen und Ida fand sogar im Gebüsch noch alte Teebeutel um mir einen Tee zu kochen. Sie sind gerannt und gehopst, waren zwischendurch begeistert in der Kinderbetreuung, haben sich mit jedem unterhalten der ihnen über den Weg lief, haben eine ganz tolle Froschwärmflasche geschenkt bekommen, die nicht nur niedlich aussieht, sondern aus über 80% nachwachsenden Rohstoffen hergestellt ist und deshalb sehr gerne in unseren Haushalt einzieht.

IMG_1078.jpgEmil hat uns direkt ein neues Wohnmobil ausgesucht (und geht fest davon aus, das wir es in den nächsten Wochen abholen werden….), den guten Thomas von Ich bin dein Vater dauerbeschallt, hundert mal die Goodie Bag ein und ausgepackt und am Ende glücklich Würstchen vom Grill gegessen, während ich mich sehr gut mit Alina von Liebling, ich blogge jetzt  unterhalten habe.

Alles in allem war es ein wirklich schöner Tag. Vielleicht, weil auch noch die Sonne schien, weil Berlin so eine schöne Stadt ist, weil die Vorträge und Workshiops bereichernd waren und die Menschen unglaublich nett, aber vor allem, weil ich etwas dazugelernt habe. Über mich. Und das war ja auch ein bisschen das Ziel des Ganzen.

Nächstes Jahr komme ich wieder.

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3 thoughts

  1. Ich habe deine Kinder gesehen und dachte: „Ooooh, da ist auch irgendwo die Mama, die immer diese unfassbar schönen Kinderfotos macht!“ Aber immer nur im Vorbeigehen sah ich deine Kinder, aber dich dazu nicht. 😀 Es waren zu viele Leute da. Ich war auch ein wenig Reizüberflutet. Ich kann mich übrigens auch nicht verkaufen. Da bin ich so eine Null. Ich komme mir schon immer blöd vor, wenn ich eine Visitenkarte verteile. Als stünde es mir nicht zu. Welche in Empfang nehme ich deutlich lieber. 😀
    Vielleicht nächstes Jahr nochmal? Mit neuem Mut?

    Liebe Grüße

    Beatrice

    Gefällt mir

    1. Oh ja, sehr gerne, mit viel mehr Mut! Das war mein zweites Blogger Event ever und ich fand mich schon besser als beim ersten 🙂 Die Tendenz ist also steigend und ich wage mich noch mal irgendwo ins Getümmel. Das mit den Visitenkarten kenne ich im übrigen nur zu gut. Ich hab einfach keine, das hilft enorm 🙂
      Ganz liebe Grüße! Miriam

      Gefällt 1 Person

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