Vor sechs Jahren

img_3299Vor sechs Jahren, war ich noch keine Mama. Oder ich war es doch, nur nicht so real. Ich wusste nicht, wie du aussehen würdest. Wie es sich anfühlen würde dich zu berühren. Ich wusste nicht wie du riechst, wie ich dich halte, ich wusste nicht, wie sich mein Leben durch dich verändern würde.

Vor sechs Jahren wusste ich nicht, was sechs Jahre später sein würde. Das wir in einer anderen Wohnung leben, schon so viel von der Welt gesehen habe. Das wir uns so Nahe und verbunden sein würden, das ich manchmal heulen könnte vor Glück, dass es dich gibt.

Vor sechs Jahren wusste ich nicht, dass dir eine Schwester folgen würde, die du abgöttisch liebst. Ein kleines Wesen, dass du von Anfang beschützt, geliebt, berührt hast. Ich erinnere mich nicht, dass du jemals ungeduldig mit ihr warst, dich wirklich mit ihr gestritten hast oder du neidisch warst. Ida war für dich wie ein Geschenk. Sowie für uns auch.

Vor sechs Jahren war ich gerade eineinhalb Jahre mit deinem Vater zusammen. Ich hatte zuvor noch nie mit einem Mann zusammen gelebt (gut, außer in WGs) und ich dachte, der größte Schritt wäre die gemeinsame Katze. Aber dann kamst du. Du warst der allergrößte Wunsch für uns. Du hast etwas besiegelt, du hast unser Glück bestärkt, du hast all unsere Liebe sichtbar gemacht.

Vor sechs Jahren habe ich dich im Wasser geboren. Alle Kreißsäle waren voll. Wie schön das war – ich habe Kreißsäle nie gemocht und mich auch bei Ida ganz bewusst dagegen entschieden. Dieser kleine Raum mit Fenster zum Hof, eine Badewanne, Paul und ich. So aufgeregt. So sprach- und fassungslos, dass jetzt, in den nächsten Stunden und Minuten etwas passieren würde, was so niemals mehr passieren wird. Die Geburt des ersten Kindes. Die Geburt eines Menschen, der uns zu einer Familie macht.

Da lagst du, kleiner, properer Emil, im Wasser und Blut in der Wanne. Bis heute liebst du es im Wasser zu sein. Paul, so dankbar und gerührt, ich, so erschöpft und stolz. Auf dich und auf mich.

Sechs Jahre trägst du uns und unsere Gefühle. Du verzauberst uns, lehrst uns Geduld und Liebe, Zuversicht, Lebensfreude und Optimismus. Machst uns oft sprachlos und bringst uns zum lachen.

Wenn ich Bilder von dir sehe, dann wünschte ich, ich hätte dich noch öfter hoch gehoben, ich hätte es noch mehr genossen, wenn du auf meinem Bauch eingeschlafen bist. „Aber er hat wirklich sehr viel Liebe bekommen,“ hat Paul mir dann gesagt. „Ja, aber nicht für ihn. Sondern für mich,“ habe ich geantwortet. „Hab ich es wirklich in allen Zügen genossen? Jetzt ist es sechs. Ich trage ihn nicht mehr. Und er schläft nicht mehr auf meinem Bauch ein.“

Emil hat mich zur Mama gemacht. Hat mir gezeigt, wie es sich anfühlt für jemanden wirklich verantwortlich zu sein und jemanden mehr zu lieben als das eigene Leben.

Happy Birthday, kleiner Emil!

 

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