Ein Liebesbrief

img_09313000 Follower. Und ich weiß so gar nichts über euch. Vielleicht über den ein oder anderen. Aber der Rest? Wer seid ihr?

Ich teile mein Leiben mit euch und ich weiß, das ihr da seid. Ihr lest manchmal still mit, manchmal schreibt ihr, teilt, kommentiert. Manche Gesichter sehe ich öfter und fühle mich so verbunden, obwohl ihr Menschen seid, deren Wege ich wahrscheinlich noch nie gekreuzt habe.

Ich würde so gerne jeden von euch treffen. Ich möchte gar nicht hören, warum ihr da seid, sondern noch viel lieber eure eigenen Geschichten. Die Welt ist voller Geschichten und toller Menschen. Ich wünschte, ich könnte sie alle hören.

Ihr seid so ein unsichtbarer Teil von mir. Und stimmt mich froh. Das ist tatsächlich so. Kann einen denn jemand glücklich machen, den man gar nicht kennt? Kein Gesicht vor Augen, die Stimme noch nie gehört. Jemand der meinen Monolog liest, nie antwortet, im Grunde nicht mal nonverbal kommuniziert?

Ja, ihr seid viel mehr als eine Zahl. Ihr seid eine Stütze. Ihr treibt mich voran. Zusammen und jeder einzelne von euch.

Ich hatte keine Ahnung was ich da tue, als ich den Blog vor zwei Jahren ins Leben gerufen habe. Als einmal 600 Menschen an einem Tag einen Beitrag gelesen habe, habe ich nahezu hyperventilierend vor Aufregung meine Mama angerufen. Ich war fassungslos. 600 Freunde habe ich nicht.  Später waren es mal 60 000 an einem Tag. Eine Menge, die ich mir gar nicht vor Augen führen kann. Wer liest das also??

Beim bloggen – das habe ich langsam gelernt – geht es ganz viel um Vernetzung. Das liegt mir nicht. Ich brauche kein Geheimnis daraus machen. Ich versuche es auch manchmal. Aber ich bin keine Smalltalk Königin. Ich bin niemand, der seinen Blog anpreist. Der schreit: Hey, kennt ihr mich schon? Lest das mal!

Aber dann haben mir Leser geschrieben, allen voran Marion R., die gesagt hat: Ich bin in Hamburg. Ich lese deinen Blog. Wollen wir uns treffen? Und ich habe nicht eine Sekunde gezögert. Es war klar, wir verstehen uns. Wir kennen uns im Grunde ja. Sie kennt meine Gedanken, und sie würde mir ein Treffen nur anbieten, wenn sie ähnlich denkt.

Und ich rede gerne. Sehr gerne. Mit euch. Ich versuche immer alle Mails zu beantworten. Und die Kommentare. Manchmal schaffe ich das nicht und träume davon. Ihr seid meine Vernetzung. Ihr seid so etwas wie weit entfernt lebende Freunde. Denen man Rundmails seiner reise durchs Leben schreibt. Sie antworten nicht immer. Aber ich weiß, sie nehmen daran teil.

Ich fühle mich verbunden, gerade weil ich nicht alle Nase lang etwas verlose (auch wenn das schön wäre). Ich merke, ihr seid aus einem anderen Grund hier. Und das rührt mich. Ich glaube, je mehr man schreibt, desto öfter eckt man an. Erst dachte man noch: Hey, die schreibt schön, die denkt ja wie ich! Und dann, nach zu vielen Infos denkt man auch mal: Nö, das find ich gar nicht überzeugend, was sie jetzt auf einmal sagt.

Aber ihr bleibt. Denn niemand denkt genauso wie der andere. Das wäre absurd und langweilig. Eine Basis bleibt aber.

Dies wird ein Liebesbrief weil ich tatsächlich so etwas wie Liebe empfinde. Ich habe mir etwas erträumt, daß durch euch wahr geworden ist. Ihr gebt mir die Kraft und den Antrieb um daraus noch mehr entstehen zu lassen. Und die Stärke zu sagen: Ich suche mir einen eigenen Weg. Ich gucke weniger links und rechts. Ich will nur noch dahin gehen, wo ich es möchte. Ich darf so mutig sein, weil ihr hinter mir steht. Weil ihr gar nicht erwartet, das ich etwas verändere.

Ich habe einen Kopf voller Projekte, über die ich vor einem Jahr nicht ansatzweise nachgedacht habe. Ich habe Entscheidungen getroffen, die mir vor ein paar Monaten noch wie ein Traum vorkamen. Und manchmal knalle ich die innere Tür zu und schreie: Was tust du denn? Warum gibst du dein Leben und das deiner Kinder so preis? Dann schreibe ich nicht, und niemand drängt mich. Aber wenn ich schreibe, dann fangt ihr mich wie auf Watte auf. Ihr urteilt nie hart, ihr beschimpft nicht, ihr macht keine Vorwürfe. Statt dessen bestärkt ihr mich, und zeigt mir einen Weg, der richtig ist. Ich teile nicht mein Privatleben, sondern ich teile Gedanken, die wir alle gemeinsam haben.

Und ich habe mir tatsächlich im ganzen Streß mit dem Backbuch, den kleinen Landstreichern und den vielen Reisen dann doch überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, was ich denn großartiges tun werde, wenn wir 3000 sind. Und deshalb tue ich nur eines:

Gerade wahnsinnig glücklich und dankbar sein!

Vielen Dank an jeden Einzelnen von euch. Fühlt euch umarmt.

Miri

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9 thoughts

  1. Liebe Miri,
    Als erstes Herzlichen Glückwunsch zu deinen 3000 Lesern! 🎉 Ich bin dabei, seit es 300 sind… 🙃
    Ich liebe deine Schreibweise, deine Gedanken und deine Ehrlichkeit! Es ist schön zu wissen, das man nicht allein ist als Mama und auch andere Mamas genauso denken und fühlen wie ich. Du zauberst einem immer ein Lächeln ins Gesicht und ich bin so gespannt auf dein Backbuch. 😍 Ich bin schon ganz verrückt nach eure tollen Erlebnisse mit eurem flotten Bert und wäre manchmal gern auf euren Reisen dabei… es klingt immer alles so harmonisch… so befreiend… liebe und neugierige Kinder mitten in der Natur… einfach ein Traum! Genießt eure tolle Zeit und macht weiter so!!
    Solltet ihr wieder einmal in den Harz reisen, wir begleiten euch gern oder geben euch noch ein paar Tipps. 😉
    Seit alle ganz lieb gegrüßt und hör bitte nicht auf zu schreiben… ich liebe es!!
    Ciao Katrin

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  2. Hallo Miriam,
    mich würde ja einmal interessieren, ob außer mir hier noch weitere Männer mitlesen! Ich denke ja, dass die weibliche Leserschaft deutlich in der Überzahl ist, oder?

    Liebe Grüße

    Thomas

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  3. Ein sehr schöner Text und ich finde, du bringst es sehr gut auf den Punkt, was bloggen bedeutet. Mir geht es jedenfalls sehr ähnlich wie dir.
    Und übrigens: 60000 würde ich auch gerne mal haben, davon bin ich leider noch entfernt.
    Viele Grüße, Becky

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  4. Das ist ein wahrlich schöner Liebesbrief und ich wiederhole mich gerne, für mich ist dein Blog immer noch eine Rarität, eine wahre Perle in Bloggerhausen und ich lese hier wirklich ausnehmend gerne. Auch die Kleinen Landstreicher sind ein tolles Projekt, das ich gerne verfolge. Mache so weiter, so lange es dich glücklich macht!

    Liebe Grüße aus Barmbek/Winterhude
    Eva

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  5. Danke.
    Für diesen Text und die zahlreichen anderen.
    Für Dein laut denken.
    Ähnliche Gedanken hatte ich vor einiger Zeit als ich in der Community von Weight Watchers, mit der ich erfolgreich mein Gewicht reduziere, auf einmal festgestellt habe, dass meine Berichte dort regelmäßig von über 3000 Menschen, die mich abonniert haben, gelesen werden. Mehr Menschen als in unserem Dorf leben… Und als ich dann einmal auf der Straße angesprochen wurde, war mir das tatsächlich einen Moment lang unheimlich. Aber es hat mich auch glücklich gemacht. Denn ich liebe es mit Menschen in Kontakt zu kommen. Sich gegenseitig zu bereichern ist wundervoll.
    Und das Lesen Deiner Texte bereichert mich.
    Deshalb:
    Danke!
    Viele liebe Grüße!
    Heike

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  6. Ich erschrecke mich auch manchmal davor wie nah man sich einem Menschen fühlen kann, den man eigentlich gar nicht kennt. Ich träume sogar in regelmäßigen Abständen von einigen Bloggerinnen, deren Gedanken mich besonders ansprechen. Letzte Nacht warst du das Erste mal an der Reihe 😉

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  7. Danke, dass du dein Leben mit uns teilst! Danke, dass man sich bei dir eine Sicht aufs Leben abschauen kann, wie ich es bei mir in der Umgebung nirgendwo könnte und danke, dass du mir zeigst, dass Mutter sein mehr sein kann, als das, was uns manche immer glauben lassen wollen!
    Liebe Grüße
    Carmen

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