Still und leise: Happy Birthday, Emil & Ida

IMG_9249Mein Blog wird zwei.So richtig vergessen habe ich es nicht, so richtig dran gedacht aber auch nicht. Vor allem nicht so richtig darüber nachgedacht. Dabei liebe ich ihn ja, meinen Blog. Wirklich. Aber zwei Jahre waren nun auch Zeit um sich Gedanken zu machen was das Bloggen bewirkt. Wie es mich und mein Umfeld verändert. Denn das tut es. Ich trage Dinge nach außen, die im Grunde privat sind. Gedanken, die meine sind, Gedanken, die meinen Kindern gehören. Alltägliches, was Teil meiner Familie ist aber nicht unbedingt Teil einer Öffentlichkeit.

„Emil und Ida“ ist kein Tagebuchblog. Er soll es auch nicht werden. Ich will ihn nicht missen, nicht aufgeben. Dafür schreibe ich viel zu gerne. Aber er muss auch meine Familie schützen. Er darf Dinge zeigen, aber noch mehr darf er verstecken. Ich kann meine Gedanken rechtfertigen. Meine Kinder können das nicht.

Manchmal werden sie auf der Straße angesprochen: „Hey, ihr seid doch Emil und Ida!“ Nein. Das sind sie nicht. Meine Kinder heißen nicht Emil und Ida. Emil und Ida ist ein Blog. Die Namen meiner Kinder lauten anders. Sie wissen nicht, dass man sie unter Emil und Ida kennt.

Warum bloggen wir? Ist es wirklich eine Form der Selbstdarstellung? Oder die Freude am teilen? Möchte ich Anerkennung, Feedback, Vernetzung?

Ich möchte Aufmerksamkeiten schaffen. Ich möchte einen Raum geben, in dem man sich wieder erkennt. Ich möchte festhalten, was es bedeutet eine Mutter zu sein. Eine Familie zu haben. Ich möchte auch gerne manchmal verbal umarmen und sagen: scheiß drauf, das Leben mit Kindern macht nicht immer Spaß. Du darfst müde, genervt, verheult sein. Ich möchte gerne zeigen, wie wunderschön alles ist. Vielleicht auch manchmal wach rütteln und flüstern: Vergiss nicht, wie wunderbar dein Leben gerade ist. Aber ich möchte keine Perfektion vortäuschen. Fühlen wir uns denn ernst genommen, wenn wir all diese weißen Kinderzimmerchen mit den arrangierten Holztieren, den pastellfarbenen Nachtlichtern und den Pferdeschwanzmüttern sehen, die lachend Babybrei vom 100 Euro Pullover wischen? Der Blog ist keine Hochglanz-Zeitschrift. Dann könnte ich mir ja eine kaufen. Und in meiner nicht perfekten Wohnung sitzen und darin herumblättern, überlegen, welche Kinderzimmerdeko angesagt ist. Ich bin ein bisschen müde davon. Der kleine Tim trägt jetzt den ganz neuen 200 Euro Schneeanzug, Lotta H. testet den Familien Van, Meike S. den wirklich arbeitserleichternden Rasenmäher der Firma X, alle rezensieren das gleiche Buch.

Manchmal tauchen sie dazwischen auf, die kleinen, feinen, sanften Geschichten. Die einen manchmal aufrütteln, manchmal nachdenklich machen, manchmal wütend. Aber die ehrlich sind. Die gar nicht mein Leben widerspiegeln aber noch weniger das weiße, perfekte, Hochglanz-Leben.

Ich habe einmal gelesen, dass man Instagram Accounts mit perfekten Bildern lieber mag, als die mit den ehrlichen Bildern. Und ehrlich gesagt, ich als Fotografin finde das überhaupt nicht verwunderlich. Vielleicht geht es nicht um ästhetische Schönheit im Bild, sondern um die Art des Bildes. Ich sehe mir gerne Bilder an, wenn sie gut gemacht sind. Auch Unordnung kann schön sein. Das leben ist schön. Das Chaos ist schön. Sogar dreckige Küchen können schön sein. Man muss es nur einfangen können. Das Nichtperfekte ist immer schöner als das perfekte. Wir sehen zwei mal hin, wenn etwas uns verunsichert. Das Schöne plätschert immer einfach nur vorbei.

Zwei Jahre „Emil und Ida“ hat Spuren hinterlassen und mich vieles gelehrt. Das ich etwas Schützenswertes Zuhause habe. Etwas wertvolles. Etwas, das ich teile, aber nicht zu viel. Etwas, das mich bereichert, inspiriert, mich zu wahnsinnig tollen Ideen beflügelt. Aber auch etwas, das sich nicht selbst äußern kann. Zwei kleine Menschen die noch nicht einmal wissen, dass ich über sie schreibe. Die nicht wissen, dass sie in diesem Blogger Leben Emil und Ida sind.

Bloggen ist schön. Es ist eine so wunderbare Chance Dinge nach außen zu tragen, Gedanken zu teilen, auch Wut, Freude, Frustration. Bloggen ist Austausch, Wiedererkennung, Mitleid, Mitfreude. Aber es wird immer ein schmaler Grad bleiben. Für mich. Es gibt so vieles zu sagen. Und noch viel mehr, was in unserer Familie bleiben wird.

In zwei Jahren ist „Emil und Ida“ über eine Million mal aufgerufen worden. Am Anfang war mir das wichtig. Ich hatte das Gefühl, ich müsse schreiben, um diese Zahlen aufrecht zu erhalten. Aber schreiben wir nicht für uns? Schreiben wir für eine Statistik? Für Werbepartner und Kooperationen? Schreiben wir SEO optimiert um bei Google besser gefunden zu werden?

Nein. Wir schreiben für uns und für die, die es lesen. Die sich angesprochen fühlen. Die manchmal still nicken, vielleicht lächeln, weinen, sich wieder erkennen.

Ja, vielleicht ist das das Wichtigste was ich in zwei Jahren gelernt habe. Ich murmele aber trotzdem ganz glücklich aber leise: Happy Birthday, Emil und Ida. Es macht Spaß mit Dir 🙂

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5 thoughts

  1. Super, einfach und gradlinig, offen und mir aus der Seele „gesprochen“. Natürlich wünscht man sich eine Leserschaft, grad am Anfang, aber letztendlich schreiben wir für uns. Machen uns teilweise sogar nackig, für sich selbst und für die immer wiederkehrenden Leser.
    Meinen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und ich hoffe dein Blog, bleibt uns noch einige Zeit erhalten – ich liebe das nicht perfekt sein – denn wir sind es nicht (Niemand ist es – und das ist gut so!).
    Herzlichen Gruß von einem Leser, der immer mal wieder vorbeischaut.
    Ede

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  2. Danke für diese kleine wundervolle Perle die mir irgendwann mal vor die Füße gespült wurde in den unendlichen Weiten der Bloggerwelt und die ich sehr schätze. Nicht zuletzt auch deshalb, weil du und deine Familie in meiner Heimatstadt lebt und ich deine Texte, deine Sicht aufs Leben mit deinen Kindern liebe.

    Herzlichen Glückwunsch und ein großes Danke!

    Grüße aus Winterhude

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  3. Danke! Genau deswegen lese ich Deine Texte so gern. Weil sie so ehrlich sind und nicht die perfekte heile Welt vorgaukeln, die es doch fast nirgendwo gibt. Mach weiter so! Ich begleite Euch so gern! ❤

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