Fliegen mit Kindern

Manchmal lese ich noch die ganzen BLOG Beiträge zum Thema „Fliegen mit Kindern“. Und lese so süße Sachen wie Ipad Spiele, Aufkleberbücher, genügend zu Trinken, etc. Aber mal ganz ehrlich? Fliegen mit Kindern macht keinen Spaß. Da kann man mir noch so viele Blogbeiträge schmackhaft machen.

IMG_6309Der einzige Grund warum man mit Kindern fliegt ist „Strecke machen“. Sonst gibt es wirklich GAR keinen. Vielleicht liegt es daran, dass ich selber nicht gerne fliege. Noch nie gerne geflogen bin. Ich fliege aber trotzdem ständig. Mehrmals im Jahr. Lang- und Kurzstrecken. Seitdem ich 17 bin. Weil die Freude auf das Ziel überwiegt. Weil ich in meiner Studentenzeit Afrika, Europa und Südamerika bereisen wollte. Weil ich mit Paul nach New York wollte. Weil ich Städtetrips mag. Weil ich in Venedig gelebt habe und dennoch hin und wieder meine Eltern besuchen wollte.

Und seitdem die Kinder da sind hat sich daran kaum etwas geändert. Ich liebe die Welt, ich liebe es zu reisen. Wir leben tatsächlich gerne über unsere Verhältnisse wenn es ums Reisen geht. Es hat einen höheren Stellenwert als Besitz. Es ist eine ganz besondere Zeit für uns. Für uns als Familie. Wenn wir sagen, dass wir verreisen, dann werden die Kinder aufgeregt. Sie packen ihre Koffer. Sie erzählen von fremden Ländern. Von all dem was sie sehen, erfahren, erleben möchten. Reisen bedeutet Zeit zusammen. Aufregende Zeit zusammen. Eine ganz besondere Atmosphäre. Wir sind dann alle fremd in einem anderen „Leben“. Nicht nur sie entdecken ständig etwas Neues, sondern auch wir. Reisen ist Quality Time. Zeit mit Papa, der sonst so wenig da ist. Zeit, in der alle in einem Bett schlafen. In der man sich körperlich sehr viel sehr nahe ist. Und gemeinsam staunt. Gemeinsam Gerüche wahrnimmt, gemeinsam nach Wegen sucht, gemeinsam ein anderes Land, eine andere Stadt spürt, erkundet, entdeckt.

Jetzt haben wir den Bus – und ja, den haben wir auch ein bisschen weil ich fliegen so hasse. Aber kaum waren wir mit dem Bus mehrere Wochen unterwegs steigen wir in den Flieger und fliegen zu einer Tauffeier nach Griechenland. Wir fliegen zu Verwandten nach Kanada, zu Familienfesten in den Oman, zu Freunden nach Griechenland. Wir fliegen nach New York, weil uns die Sehnsucht dahin treibt, wir fliegen nach Venedig und Rom, nach Innsbruck und München. Im nächsten Jahr sind wir wieder in Kanada. Ich will mich auch gar nicht beschweren. Denn ich weiß, was ich dafür bekomme. Aber nach all den Flügen weiß ich auch: Fliegen mit Kindern macht keinen Spaß. Da helfen auch die Ipad und Aufkleberbuch Tipps nicht. Denn wer ehrlich ist weiß das doch, oder bin nur ich so wenig belastbar?

Wenn wir fliegen fahren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen. Von uns aus dauert das ungefähr 40 Minuten. Wir müssen also unser Gepäck und den Buggy irgendwie dahin transportieren. Man muss zwei Mal umsteigen. Einmal vom Bus in die Bahn (Oh, kein Fahrstuhl! Na dann eben alles tragen….) und dann in die nächste Bahn (Oh, alle wollen fliegen? Passen wir da noch mit rein?). Dann muss man warten um seinen Koffer aufzugeben. Dann muss man warten um durch die Sicherheitskontrolle zu kommen. Dann hat man gefühlt 1 Minute Zeit seine ganzen raus geräumten Sachen (Laptop, Kamera, Gürtel, Kleingeld, diverse Handgepäck Taschen, Jacken, Teddys, und die berühmt berüchtigten Aufkleberbücher) wieder an sich zu raffen. Am Hamburger Flughafen bekommt man einen Buggy, wenn man den eigenen bereits aufgegeben hat. Ich kann nur vorwarnen: an den wenigsten Flughäfen ist das so. Und wenn man im Transferbereich ungefähr eine Stunde von Gate x zu Gate y laufen muss und eines der Kinder im Flieger eingeschlafen war, dann gerät man ganz schön ins Schwitzen. Mit Handgepäck, Teddys, Kuscheldecken und schlafendem Kind herum rennen macht wenig Spaß. (Das zweite Kind ruft dann meistens auf der Strecke einhundert Mal: Ich hab aber Durst!)

Am Gate muss man auch warten und guckt a) zu wie die Kinder anderen Leuten andauernd vor die Füße rennen oder b) wie sie wirklich ALLES anfassen was eklig aussieht und gerne bäuchlings unter den Sitzen herumkriechen. Das machen nicht alle Kinder? Stimmt. Unsere machen das auch nicht immer. Manchmal stehen sie auch ganz brav an der Scheibe und sehen den landenden und startenden Flugzeugen zu. Manchmal malen sie oder sehen sich Bücher an. Manchmal eben aber auch nicht. Und manchmal verspäten sich Flugzeuge auch. Oder fallen ganz aus wie auf unserer Reise nach Innsbruck. Aus zwei Stunden Flug wurden da ganz schnell mal 12 Stunden Reisezeit.

Im Flugzeug schnallt man sie an, aber es geht natürlich noch nicht los. Als Ida klein war, also eins, da fand sie das unheimlich langweilig angeschnallt zu sein. Hatte man doch gerade laufen gelernt! Nach fünf Minuten quakt sie, weil sie jetzt laufen möchte. Ganz ehrlich? Hundert Aufkleberbücher können nicht die Freude aufs Laufen abmildern. Wer sich bewegen will, der will nicht kleben. Manchmal sind wir Kurzstreckenflüge einfach mit Ida an der Hand den schmalen Gang auf und ab gelaufen. Das geht aber nur wenn es keine Turbulenzen gibt. Anschnallen unter Geschrei. Die tollen Säfte trinken, die man alle dabei hat, retten einem übrigens fünf Minuten. Flüge dauern bekanntlich länger als fünf Minuten.

Emil hasst Turbulenzen (Ida hingegen schreit jedes Mal begeistert: Noch mal!!). Als wir mit einer Propeller Maschine über die Alpen geflogen sind war er den Tränen Nahe vor Angst (ich auch). „Was ist, wenn wir abstürzen und in einen See fallen? Ich kann doch gar nicht schwimmen?“ Das ist glaube ich unser geringstes Problem, dachte ich.

Meine Kinder müssen sich beim Fliegen nicht übergeben. Beim Autofahren auch nicht. Dachte ich. Aber wer viel fliegt und viel Auto fährt weiß, dass es dafür gar keine Regel oder Garantie gibt. Natürlich haben meine Kinder mal im Flugzeug gekotzt. Und auch ganz viele Flüge nicht. Sie haben mal im Flugzeug gequakt, geheult, genervt. Aber auch ganz viele Flüge nicht. Manchmal sitzen sie selig da, dürfen DUMBO gucken und knabbern Salzstangen wie im Kino. Manchmal nicht. Ich sage nur, es gibt gar keine Garantie wie fliegen läuft. Aber man ist gefangen. Viel gefangener als im Auto. Man kann nicht unterbrechen. Einfach mal aussteigen und frische Luft schnappen. Sie einfach mal zehn Minuten rennen lassen. Oder im Zug gemütlich bis ins Bordrestaurant spazieren. Man ist gefangen, im schlimmsten Fall angeschnallt auf seinem Sitz. Und dann müssen sie aufs Klo. Wenn alle Anschnallzeichen schon so grell blenden, dass selbst die Flugbegleiter sich an ihre Sitze krallen. Dann haben sie Ohrenschmerzen beim Landen und man sitzt hilflos daneben. Versucht es mit Kaugummi, Saft, Gummibärchen. „Ich will jetzt unten sein!“ hat Emil beim Landeanflug auf New York geweint. Ich habe mir gewünscht diese Reise nie gemacht zu haben. Was tue ich meinen Kindern denn an?

Dann landet man und alle strahlen vor Glück (ich am meisten). Dann können sie es kaum abwarten auszusteigen. Sie starren aus dem Fenster und zeigen atemlos auf alles was ihnen fremd erscheint. Sie genießen die unerwartete Wärme, ihre kleinen Beine rennen durch Flughafenhallen. Sie sprudeln über vor Aufregung, was ihnen jetzt alles bevorsteht. Abenteuer!

Aber erst Mal auf die Koffer warten. Alle sind müde, die Euphorie lässt nach. Der Buggy kommt natürlich als letztes. Ida schläft auf dem Boden. Reisen in Europa? Ein Traum. Koffer nehmen, raus. Gut, dann ist man ja auch noch nicht da. Bus suchen, Mietwagen holen? Taxi rufen? Koffer schleppen, müde Kinder, Teddys, essen verteilen, im sclimmsten Fall vollgekotzte T-Shirts wechseln (okay, das ist nur ein Mal passiert. Aber es passiert eben….).

Reisen in nicht europäischen Ländern bedeutet wieder warten. Visa zeigen? Immigration in die USA (zwei Stunden Wartezeit Nachts um drei, wir werden nur irgendwann vorgelassen, weil Emil noch zwei mal in die Flughafenhalle kotzt). Im Oman haben wir glaube ich in drei verschiedenen Schlangen gefühlt jeweils eine Stunde angestanden. Dann sind alle müde, erschöpft, verschwitzt, hungrig. Auch glücklich und erleichtert – weil der eigentliche Urlaub jetzt erst los geht. Und nach einer Nacht alles vergessen ist.

Aber Artikel über Aufkleberbücher und Ipad Spiele mag ich nicht mehr lesen. Das kann klappen. Oder auch nicht. Und meine Koffer trägt das Aufkleberbuch auch nicht.

 

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