Schatzsuche

Wir haben heute Post bekommen. Aus Italien. Genau genommen aus Sanremo. Ja, es ist eine elektronische Post. Und sie beinhaltet Bilder von Emils bestem Freund L. Man sieht L. strahlend mit kleinen, säuberlich verpackten Tütchen und Briefen in der Hand. Warum L. sich so freut? Das kam so:

Vor zwei Jahren, Ida war noch nicht mal ein Jahr alt,überrannte uns regelrecht das Gefühl, wir müssen raus. Bis auf einen wirklich schönen Urlaub auf Bornholm, nahezu direkt nach Idas Geburt (man sollte nicht so optimistisch buchen, nur weil einem ein vager Geburtstermin an den Kopf geworfen wird. Wenn man dann zwei Wochen überträgt rückt der Urlaub gefährlich nahe), waren wir nicht weggewesen. Und wir wollten weg. Alle. Also buchten wir eine Reise nach Rom. Paul und ich waren noch nie in Rom – und das galt es zu ändern.

Eine Woche bevor wir losflogen verweilte Emils beste Freundin Greta mit ihren Eltern in Rom. Und als sie zurückkehrte überreichte Greta uns, oder eher Emil, eine mehrseitige Schatzkarte. In ganz Rom hatte sie für Emil Schätze versteckt. In Kirchen und Katakomben, ja, sogar im Vatikan.

Besser kann man eine Stadt mit Kindern gar nicht erkunden. Emil, Ida im Buggy und wir tigerten durch Gassen und Straßen Roms, suchten unter Kirchenbänken und Statuen und fanden bezaubernde Briefe von Greta, und immer wieder Gummibärchen. Selbst Paul kämpfte sich mit klaustrophobischen Anfällen durch die Katakomben der San Clemensa Kirche auf der Suche nach einem dunklen Loch in den Kellergewölben, an denen Greta ihre kleinen Überraschungen sicher aufbewahrt hatte.

Als wir in New York waren wussten wir, dass ein Freund von Emil eine Woche nach uns landen würde. Aber wie etwas verstecken in New York? Dieser riesigen Stadt? Wie kleine Briefe unter Bänke kleben, in einer Stadt, in der alles verdächtig gilt, was von der Norm abweicht? Gummibärchen auf dem Empire State Building würden niemals eine Woche überdauern. Und diese Stadt ist so riesig. Wo würden sie hingehen? Welche Strassen würden sie nutzen? Welche Gebäude, welche Parks, welche Viertel? Eine Schatzsuche in New York – unmöglich. Emil war zutiefst enttäuscht. Er wollte auch eine Schatzsuche machen.

Und jetzt in Sanremo endlich die Gelegenheit. Eine Woche nach uns würde sein Freund L. anreisen. Und wir machten uns ans Werk. Eine Karte zeichnen, Schätze besorgen, Gummibärchen, schöne Scherben, glatte Steine, Briefe schreiben. Schätze zu verstecken ist mindestens genauso aufregend wie sie nachher zu finden. Und sie wurden gefunden. Heute, in Sanremo.

Also erkundigt euch immer, ob nicht irgendjemand vor oder nach euch am selben Urlaubsziel ist. Es macht tatsächlich alle glücklich. Und mir hat es auch Spaß gemacht 🙂

 

 

Advertisements

One thought

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s