Levanto, Cinque Terre

IMG_3336Levanto, du bist wunderschön. Du liegst am Fuß der Berge, so heiß und still in der Mittagshitze. Ich fahre mit dem Fahrrad ins Dorf. Ich fahre im Bikini. Anscheinend ist das hier nicht nur geduldet, sondern unter den Einheimischen durchaus üblich. Die Sonne sicht. Unter den Olivenbäumen sitzen zwei alte Männer auf einer Bank.

Am Nachmittag mache ich mich auf den Weg zum Laden mit der frischen Pasta. Er hat gerade wieder geöffnet. Ich bestelle Ravioli mit Spinat und Pecroino. Meine Pasta wir abgewogen. Vor dem Laden zieht eine weiße Katze vorbei. Ich könnte hier bleiben.

Ich stecke die Pasta in die Korbtasche. Emil dreht seine Runden mit dem Rad auf dem Platz gegenüber. Er fährt barfuß.

Am Strand spielen die Kinder Stundenlang im flachen Wasser. Die ersten Tage der Hitze haben wir hinter uns. Heiß ist jetzt nicht mehr heiß, wie man es empfunden hat, als man aus dem regnerischen Deutschland kam. Der Körper gewöhnt sich schnell an neue Umstände, auch klimatische. Die Hitze wird zu wärme. Nur unter den nackten Füßen brennt der Asphalt, wenn wir zurück zu den Fahrrädern gehen.

Neben dem Bus schläft Ida in der Hängematte. Lange haben wir überlegt, Hängematte mit oder nicht (so wie wir überlegt haben: Kaffeemaschien mit oder nicht und Sandwichtoaster mit oder nicht?). Der Bus ist ein Stauwunder, aber es ist und bleibt ein Bus, kein Wohnmobil mit diversen Schränken und Stauräumen. Wir reisen mit wenig Gepäck. Aber mit der Hängematte.

Auf einem Stuhl vor dem Bus schläft eine graue Katze. Die Kinder haben sie Peppi getauft. Wenn man ihr im Vorbeigehen über den Kopf streicht beginnt sie genüsslich zu schnurren.

Paul und ich beginnen uns bereits um die Bücher zu streiten. Sechs Bücher für zwei Personen, wir dachten das müsste reichen. Paul liest aber viel schneller als ich. Ständig beginnt er in dem zu lesen, was ich eigentlich gerne haben möchte. Das sind die einzigen Kämpfe die wir ausfechten. Die Kinder streiten nicht.

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Levanto verkörpert eine Ruhe, und das Gefühl eines anderen Lebensstils, der sich auf uns alle überträgt. Fahrrad fahren, Hängematte, Strand. Lesen, Burgen bauen, ein bisschen durch den ort streifen.

Bisher sind wir noch die Meister des Kochens. Trotz der winzigen Küche und der doppelten Hitze die im Bus entsteht, wenn auch nur das Nudelwasser kocht, wir kochen. Täglich. Wir schlendern herum und besorgen uns all die Köstlichkeiten, die Italien so bietet. Der ganze Bus duftet nach Rosmarin und Basilikum.

Ja, wir sind noch nie so lange mit dem Bus gereist. Wir haben ihn ja vor ein paar Wochen erst gekauft. Ja, wir waren auch noch nie vorher campen, Paul und ich. Wir haben noch nie auf so engem Raum zusammen gelebt, geschlafen, gegessen. Wir merken, wir bewegen uns langsamer. Wir machen alles langsamer, weil es schnell gar nicht geht. Für jeden Schrank der geöffnet wird muss vorher gedanklich geplant werden, wohin man den Fuß setzt, um nicht die Tür an den Kopf zu bekommen. Betten beziehen dauert eine halbe Ewigkeit,. Städnig sortieren wir Lebensmittel in Korbtaschen, Speilzeuge in kleine Kisten, dreckige Wäsche in Stoffbeutel. Wir brauchen System, und das haben wir. Obwohl wir noch nie so gereist sind. Und das System funktioniert nur mit Ruhe. Aber dann funktioniert es. Und am Ende sind alle glücklich.

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Abends liegen wir auf dem Bett von Paul und mir und sehen alle in den Himmel hinaus. Die ventilatoren wehen uns die Haare noch durcheinander, die nackten Füße hinterlassen Abdrücke auf der Fensterscheibe, an die sie sich lehnen. Es duftet nach Sonnencreme. Und Glück. Wir schaffen Kindheitserinnerungen. Und wir befinden einstimmig, dass wir das gut machen.

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2 thoughts

  1. Oh, wie wunderwunderschön! Ich lese so gern von euch und eurem Glück. Und den Schwierigkeiten, aber noch lieber von dem großen Glück, das ihr überall findet.

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