It was a hard way, but we got there

 

Am Gardasee ist es schrecklich heiß. Unter dem Dach des Busses, dort wo die Kinder schlafen, fühlt es sich an wie in einem Backofen. Wer zur Hölle hat uns einen Bus ohne Klimaanlage verkauft?

 

Wir sind schon im Besitz von drei Ventilatoren. Sie laufen den ganzen Tag, aber sie wälzen die heiße Luft nur um. Die Kinder sind erstaunlich anpassungsfähig. Sie laufen den ganzen Tag draussen herum, sammeln Steine und fangen winzige kleine Fische mit dem Kescher. Mich wundert es wie geschickt Emil sich auf die Lauer legt. Am Anfang hatte ich nicht viel Hoffnung dass er überhaupt irgendetwas fängt. Ida bewacht die Fische im Eimer. Sie kümmert sich. Immer. Um alles. Sie baut aus Steinen eine Hölle. Sie fragt, was die Fische essen mögen. Manchmal sieht sie hinein und sagt:“Dieser ist traurig.“ Dann lässt sie ihn wieder frei.

Wir fahren mit dem Fahrrad nach Sirmione, eine alte Burg am Wasser. Ich war als Kind schon oft hier. Aber es ist schrecklich voll, überall drängen sich die Menschen. Es ist siebzehn Uhr und stechend heiß. Ida ist auf dem Fahrradsitz eingeschlafen. Wir versuchen sie mit einem Tuch zu schützen aber es ist wirklich unerträglch. Emil schlägt sich wacker und radelt so schnell dass ihn wenigstens der Fahrtwind etwas abkühlt.

Ich verbringe ganze Tage nur im Bikini. Ich wasche im Bikini ab, ich koche im Bikini, ich hatte vergessen, wie frei sich das anfühlt. Aber auch, wie unerträglich es einem erscheint schon ein T-Shirt überzuziehen. Es sind 36 Grad im Schatten. Die Ventilatoren laufen auf Hochtouren. Wir duschen mehrmals am Tag und die Kinder sind trotz des steinigen, unebenen Bodens viel im See.

Trotzdem zieht es uns ans Meer. Velleicht, weil wir auf ein bisschen Wind hoffen. Wenn wirans Meer wollen gucken wir auf die Karte, suchen das Meer und entscheiden uns für die kürzeste Strecke. La Spezia. Klingt schön. Wir haben keine Ahnung was uns erwartet. Aber sind Städte am Wasser nicht immer schön? Vor allem italienische? Einen Reiseführer besitzen wir nicht. Hatten wir in Kanada auch nicht. Nur bei unserem Trip durch Polen hatten wir einen, und haben uns ständig darüber geärgert, dass er nie das gehalten hat, was versprochen wurde. Ohne reist es sich besser. Intuitiver. Dachten wir.

La Spezia ist in zwei Stunden zu erreichen. Auch bei der Hitze durchaus machbar. Die Ventilatoren laufen auch über die Autobatterie. Im Bus weht es aber besser als Hitze. Gegen Mittag erreichen wir die Stadt. Die Kinder kreischen begeistert als sie das Meer sehen. Erleichterung. Meer, schwimmen, der Hitze entkommen. Jetzt nur noch einen Platz suchen. Allen klebt die Kleidung bereits am Körper.

La Spezia entpuppt sich als Hafenstadt. Wir finden keinen Strand. Aber immerhin sind wir an der Küste. Eigentlich muss man ja nur am Wasser entlang fahren. Irgendwo wird es einen Strand geben. La Spezia liegt aber auch an den Bergen. Es gibt viel Steilküste. Und die Cinque terre. Das ist vermutlich die schönste Straße der Welt. Sie schlängelt sich die Felsen hinauf und eröffnet einem traumhafte Blicke über die Küste, über idyllische Dörfer am Hang der Berge. Verwunschene Villen, alte Kirchen, Haarnadelkurven. Die Straße wird immer schmaler. Gut, wir sind einmal falsch abgebogen und schon waren wir auf dieser Straße. Und erst dachten wir“Oh!“ und „ah“ und dann dachten wir noch völlig optimistisch: wo es rauf geht, da geht es auch irgendwann wieder runter! Naivität hat einen Namen: Miri und Paul!

Nach einer Stunde kein Ende in Sicht. Immer wenn die Strasse sich wieder gen Küste schlängelte schrien die Kinder: Da! Da! Das Meer! Und wenn sie sich erfolglos wieder hinauf schlängelte begann Ida in Tränen auszubrechen. Cinque Terre – du bist wunderschön! Aber nicht im Vampingbus mit Kleinkindern und ohne Klimaanlage!

Nach eineinhalb Stunden dann das: Strassensperrung! Wie jetzt? Alles wieder zurück? Nein, Umleitung. Wir schlängeln uns die Küstenstrasse Richtung Corniglia hinab. Ida ost vor Hitze und Erschöpfung eingeschlafen. Dafür, dass Emil vor ein paar Monaten beim Auto fahren noch schlecht wurde, schlägt er sich wacker. Uns darf nur kein Fahrzeug entgegen kommen. Die Strasse reicht definitiv nur für einen. Und das ist sicher nicht der dicke Frord Transit von uns. Aber natürlich kommen uns Fahrzeuge entgegen. Und wir fahren rückwärts ganze Strassenzüge wieder hinauf. Pauls Laune lässt trotz des sagenhaften Ausblicks auch langsam zu wünschen übrig.

Und dann das: wir wollten 2 Stunden fahren. Gefahren sind wir sechs. Eine Tankstelle haben wir nicht gefunden, aber durchaus gebraucht, wir schwitzen, Paul kann keine Haarnadelkurven, keine Steigungen und keine Spitzkehren mehr sehen. Der Bus rollt in ein Tal hinein. Und wir sehen Strand! Das erste Mal wieder seit Stunden. Und ein Campingplatz Schild. Egal was es kostet, egal wie es aussieht, alles was wir wollen ist irgendwo ankommen. Und dasn tun wie. In Levanto.

Und jetzt, im Nachhinein, wo wir schon lange wieder woandes sind wissen wir: Nirgenwo auf dieser Reise wird es so schön sein wie in Levanto!

(In Levanto kaufen wir Postkarten auf denen hinten steht: It was a hard way but we got there! Das können wir nur bestätigen!)

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One thought

  1. Abenteuerlich und sicher alles andere als langweilig! Solltest Du bei Euren Weiterfahrten mal Lesestoff im heissen Bus brauchen, hier ein Beitrag von mir über die Cinque Terre und Genova: https://mammamiamitzweimaeusen.wordpress.com/2015/12/31/happyholidays-urlaubsempfehlung-mit-kids-1/ Viel Spass auf Eurer weiteren Tour und etwas erträglichere Temperaturen! Viele Grüsse! Claudia P.S. Da Ihr gerade in die Richtung zu fahren scheint: Auch in der Toskana (Cecina etc.) gibt es schöne und vor allem sandige Strände☀️

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