Von Vorurteilen, wunderbaren Bildern, Mut und Freundschaft

„Wo ist denn Idas Buch vom Flunkerfisch?“ frage ich.

Oh, auf meinem Hochbett,“ antwortet Emil. „Ich musste heute Nacht kurz auf Toilette und da hab ich mir noch mal schnell bei Ida was zu lesen mitgenommen.“

Endlich komme ich dazu wieder Bücherempfehlungen zu schreiben. Ich mache das so gerne und kaum etwas macht mir in der Konsumwelt so viel Freude wie durch gute Kinderbauchläden zu stöbern. In Hamburg gibt es davon einige – weit ab von den typischen, großen Buchhandlungen findet man hier die wahren Schätze. Und wird beim zweiten oder dritten Besuch gleich so persönlich und passend beraten, als wäre es kein Buchhändler sondern der jeden Abend selbst vorlesende Großvater.

Natürlich lesen wir uns durch die gesammelten „Drache Kokosnuss“ Werke, sammeln jetzt schon „Das magische Baumhaus“ und können nicht ohne Axel Scheffler. Aber wie bei aller Werbung auf diesem BLOG habe ich keine Lust das vorzustellen, was wir schon hundert und aberhundert Mal gesehen und gelesen haben. Deshalb jetzt hoffentlich etwas regelmässiger: Unsere Buchvorstellungen der letzten Wochen.


Warum Konrads ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging

Mäuse sind zum fressen da und Hunde sind gefährlich – das weiß doch jede Katze! Konrad weiß das selbstverständlich auch. Gut, Konrad ist jetzt wirklich nicht der coolste in der Schule. Das liegt aber auch ein bisschen daran, dass Mama ihn noch jeden morgen bringt. Und das ist der Hauptgrund dafür, dass Konrad ständig von den fiesen Klassenkameraden Kurt und Kasper gehänselt wird.

Aber das ist nicht Konrads größtes Problem – denn dieses befindet sich auf seinem Pausenbrot, ist weiß, weiblich und ziemlich nervig. Die kleine Maus Marie Antoinette.

Die ist nämlich quick lebendig und das hindert Konrad daran sein Pausenbrot genüsslich zu vertilgen. Mäuse, dass weiß Konrad genau, müssen tot sein, bevor man sie isst. Und sprechende Mäuse Namens Marie Antoinette lassen sich nicht so einfach fressen. So beginnt Konrads Feldzug gegen Marie Antoinettes Anwesenheit. Er will sie auf jeden Fall los werden, koste es was es wolle, ja, er versucht sie sogar Kurt und Kasper unterzujubeln, damit die sich des Problems annehmen, aber Marie Antoinette lässt sich nicht so einfach aus dem Weg räumen. Zu Mal sie mehr und mehr Gefallen an der Gesellschaft von Konrad empfindet und das beruht, auch wenn Konrad sich das nicht eingestehen mag, langsam auch auf Gegenseitigkeit.

Konrad ist allerdings nicht nur als Muttersöhnchen in der Schule verschrien, er hat auch gewaltige Angst vor Hunden. Nicht ganz zu Unrecht, denn in der Schule wird kaum etwas so sehr gepredigt, wie die Gefährlichkeit der Hunde, die auf dem anderen Flussufer leben. Natürlich käme Konrad niemals auf die Idee sich auch nur annähernd dem anderen Flussufer zu nähern, wäre Marie Antoinette nicht mit einem Ballon losgeflogen und ausgerechnet auf dem Fluss notgelandet. Eigentlich wäre das jetzt die ideale Gelegenheit die Maus endlich los zu werden, aber das bringt Konrad auch nicht übers Herz. Und startet mit seiner Rettungsaktion ins größte Abenteuer, dass er je für möglich gehalten hat.

Auf der Hunde-Seite des Flusses lernt Konrad nicht nur den kleinen Hund Hubsi kennen sondern auch  den Biber Balduin, und kann gehörig mit Vorurteilen aufräumen.  Die gegenseitige Angst voreinander wird auf beiden Seiten des Flusses geschürt.

Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging ist eine schöne, amüsante Geschichte die viele Gesprächs-Möglichkeiten aufwirft. Es geht um Freundschaften von Lebewesen, die im allgemeinen als zu unterschiedlich gelten, als dass sie eine Freundschaft führen könnten. Und zeigt auf, dass Unterschiede vielleicht eine Hürde darstellen können, am Ende aber zu einer großen Bereicherung führen. Sich auf andere einzulassen, aber auch mit Vorurteilen aufzuräumen ist ein großer Schwerpunkt dieser Geschichte. Aber auch das Thema „mobbing“ und den Umgang miteinander  finde ich einen guten Gesprächsanlass. Ganz ohne zu urteilen kann darüber gesprochen werden, wieso wir manchmal glauben über andere lachen zu müssen und uns darüber klar werden., dass diese Gründe alles andere als triftig sind.

Warum bringen unsere Mütter uns so gerne in den Kindergarten und in die Schule?

Kochen für uns und kümmern sich um uns? Wieso verbinden wir damit eines Tages eine Art von Scham?

Und wieso lassen wir uns von anderen erzählen, wer unsere Freunde und wer unsere Feinde sind?

Für ältere Kinder ein guter Einstieg in die Thematik der Fremdenfeindlichkeit aktuell auch bezogen auf die Flüchtlingsdebatte.


Lindbergh

Eigentlich braucht es für  Lindbergh: Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus kaum einen überzeugenden, einführenden Text. Denn wer dieses Buch ein Mal in der Hand hatte wird einfach von den Bildern begeistert sein. Ich liebe es. Die Farben, die Umsetzung, das historische in den einzelnen Werken. Kein Wunder, dass dieses Buch der mehr als gelungene Studien Abschluss eines Illustration und Kommunikationsstudenten ist. Torben Kouhlmann hat mit der Geschichte der kleinen Maus Lindbergh die Geschichte der Luftfahrt und der ersten Überquerung des Atlantik kinngerecht umgesetzt.

Für uns als Hamburger hat es noch einen weiteren Wiedererkennungswert, die kleine Maus Lindbergh startet (nicht wie ihr Namensgeber in New York und landet in Paris) in Hamburg und landet in New York. Die Bilder vom Hafen und vom Michel haben für Hamburger Kinder noch eine ganz besondere Note.


Lindbergh: Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus war nominiert für den Deutschen Jugendliteratur Preis – und das ganz gewiss zu Recht!


Noch mehr schöne Bilder finden sich in der bezaubernden Geschichte von Osman. In Osman, der Angler erzählt Anne Hoffmann die Geschichte von Osman, einem freundlichen, älteren Fischer, der von zwei Möwen begleitet wird. Osman angelt den ganzen Tag, bloß niemals nach Fischen, sehr zum Unmut der Möwen. Egal wo sie Osman sehen, er angelt von Brücken, Kaimauern und sogar von Hausdächern, aber niemals antwortet er auf ihre gierigen Fragen, wann es denn endlich wieder Fisch geben würde!

Osman angelt nicht nur in einer Traumwelt aus wunderschönen Farben, er angelt sich auch eine Traumwelt – denn Osman angelt Müll. Zumindest in den Augen der hungrigen Möwen.Aber mehr und mehr wird deutlich, dass Osman nach etwas ganz Anderem sucht. Nach Erinnerungen. All die Dinge die er findet, vom alten Fahrrad bis zu kaputten Lampenschirmen – für jeden Menschen kann etwas was für andere wie Müll wirkt, eine ganz besondere Erinnerung in sich tragen. Und so kommt es zu einer warmen Sommernacht in der Osman seine gesammelten Schätze auf einer Brücke präsentiert und jeder Passant sich etwas davon nimmt was ihm eine ganz eigene, persönliche Geschichte erzählt.

Auch Osman, der Angler ist ein ausgezeichnetes Buch, es entstand im Rahmen des Troisdorf Bilder Buch Stipendiums.

 


 

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