Bezaubernde Ida

IMG_8610Eigentlich müsste der BLOG voll sein mit Liebesbekundungen an Ida. Eigentlich müsste es hier ständig und immerzu um Ida gehen, weil sie so einzigartig ist. So voller Liebe, so ausgeglichen und lebensfroh. Weil Ida zart und mitfühlend ist, sich immer um Alles und Jeden kümmert. Weil Ida jede Schnecke vom Gehweg nimmt, jedes Kuscheltier einzeln ins Bett bringt und sehr viel von ihrem Baby im Bauch berichtet. Das lebt nämlich da, manchmal kommt es auch raus, sagt sie, meistens ist es aber in ihrem Bauch und schläft. Es hat dort eine Decke und einen Schnuller. Im Winter hat es im Bauch auch einen Schneeanzug an. Versteht sich von selbst.

Ida ist die ewige Zweite. Die beste, tollste und bezauberndste Zweite. Sie ist das Kind nach Emil. Sie kam hier an und wir wussten irgendwie wie der Hase läuft. Emil hat alles auf den Kopf gestellt. Vom Paar zur Familie. Ida kam einfach noch dazu.

Ida kam in einer wirklich heißen Juli Nacht. Wir waren mit Freunden zum picknicken abends im Park verabredet. Ich wollte nur ganz schnell einmal zum CTG in die Klinik, weil Wochenende war und ich bereits über dem Termin. Eineinhalb Stunden später war Ida da.

Klein mit schwarzen Haaren. Und Paul und ich saßen im Schneidersitz auf dem Bett und aßen eine Tüte Chips. Das Picknick hatte derweil ohne uns statt gefunden. Wir saßen nicht da so entspannt essend herum, weil wir sie so wenig faszinierend fanden. Sondern weil wir uns so sicher waren in allem. Auch darin, dass sie das bezauberndste kleine Mädchen der Welt war und wir es direkt mit nach Hause nahmen. Nach den Chips.

Sechs Wochen später fuhren wir nach Bornholm – vielleicht die gute Seeluft, vielleicht auch einfach Idas Natur – Ida beschloss von nun an durchzuschlafen.

Ida ist das, was man vielleicht pflegeleicht nennt. Wir nennen es anders. Oder gar nicht. Aber wir sprechen viel darüber, wir reden darüber Ida nicht zu vergessen. Ida nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Unsere Aufmerksamkeit immer gerecht zu verteilen – auch in Momenten in denen Ida sie nicht fordert.

Drei Monate später sind wir umgezogen. Ich habe drei Wochen gepackt, geräumt, sortiert. Ida lag zwischen Kartons und hat gelächelt.

IMG_8582Ida hat nie in unserem Bett geschlafen. Und nie auf meinem Bauch. Ida mochte in der Manduca nur auf dem Rücken getragen werden, aber niemals vorne, und im Tuch hat sie sich ständig mürrisch hin und her gewühlt. Sie wollte immer gerne irgendwo liegen, beobachten, lächeln. Sie hat das Leben in sich aufgesogen. Und ist allem und jedem mit Freundlichkeit begegnet. Als sie sich der Gestik bewusst wurde, hat sie lange vor dem Sprechen auf ihre Wiege gezeigt, wenn sie fertig war mit stillen.

Ida ist ein Kuschelkind. Es ist der einzige Streitpunkt zwischen ihr und Emil. Aber sie macht immer deutlich ab wann sie alleine sein möchte.

Jetzt war ich fünf Tage mit Ida alleine. Ich bin gerne mit Ida alleine. Sie fordert mich nicht, schon gar nicht heraus, und ich versuche ihr gerecht zu werden. Ida kocht für mich in ihrer Kinderküche. Und serviert mir jedes Gericht egal wohin. In den Garten, an den Schreibtisch, oder an den winzigen kleinen Tisch in ihrem Zimmer. Ich esse nie alleine. Diverse Puppen werden mit versorgt. Und Ida bringt jeden Abend jede einzelne Puppe ins Bett. Einmal ist sie wieder aufgestanden, ich dachte sie würde schon längst schlafen. Durch das dunkle Zimmer tapste sie zu ihrem alten Korbpuppenwagen und schob ihn stillschweigend ein paar mal hin und her. Dann flüsterte sie: „Ah, jetzt schläft sie.“

In einer Familie mit zwei Kindern ist man zwar immer die zweite, aber auch immer die Kleine. Man muss nie so viel Verständnis zeigen wie der ältere Bruder. Man wird getragen, wenn man müde ist, man darf sich drei Sorten Käse aufhäufen, weil man nicht weiß, welche einem am Besten schmeckt. Und man ist niedlich.

Einmal hat Emil im Streit zu mir gesagt: Ja, ihr findet die Ida ja sowieso viel niedlicher als mich! Und ich weiß, dass er nicht Recht hat, aber ich weiß auch, dass wir das unbewusst suggerieren.

Man kann nie immer zwei Kindern gerecht werden. Aber wenn man eine Ida hat, die so sanft mitläuft, die so sehr liebt und geliebt wird, dann bringt man eine Ruhe in die Familie, von der alle profitieren. Das was uns manchmal aufregt, dass beruhigt sie wieder. Das Ungestüme, manchmal launische von Emil, seine stets speziellen Wünsche, seine klaren Vorstellungen, die niemals durchbrochen werden dürfen, die fängt Ida mit ihrer Sanftheit und ihrer Freude wieder auf. Idas Leben besteht aus Glück. Und das trägt sie mit sich. Und für alle nach außen.

Man kann zwei Kinder gleich doll lieben. Und mit denselben Augen bewundernd betrachten. Man kann von zwei Kindern lernen. Und an ihnen wachsen. Wenn die zwei Kinder dann auch noch voller Liebe füreinander sind. Dann ist das Leben einfach schön.

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6 thoughts

  1. Was für eine schöne Ode an die Zweitgeborenen. ❤
    Fühlte mich in vielen Punkten an meinen Zweiten erinnert, während mich euer Emil stets an den Großen erinnert, mit dem es mir manchmal wie in einer Achterbahn vorkommt.

    Der erste Satz meiner Hebamme zum Kleinen war: Der wird ganz entspannt. Ich dachte damals, die spinnt doch,so schnell ein Urteil zu fällen. Aber Recht hatte sie….

    Nichtsdestotrotz fliegen hier oft die Fetzen zwischen den beiden. Aber das muss wohl so. 😀
    Und ich oft dazwischen mit dem Gefühl, keinem gerecht zu werden und in dem Versuch, beide genau gleich zu behandeln…bis mir meine Mama mal einen Rat gab, der mir sehr half: Du musst und kannst nicht beide genau gleich behandeln, denn jedes Kind hat ja andere Bedürfnisse. Nun versuche ich mich einfach mit den unterschiedlichen Ausgangslagen anzufreunden. Während der Große noch viel Begleitung beim Einschlafen braucht, legt sich der Kleine hin und pennt und will gar nicht stundenlang kuscheln. Und das ist okay und heißt nicht, dass er immer zu kurz kommt. (Manchmal muss ich mir das selbst noch mal in Erinnerung rufen. )

    Liebe Grüße, Annika mit Großem (fast 4) und Kleinem (fast 2)!

    P.S. vielen Dank für deinen tollen, ehrlichen Blog!

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  2. Ach, liebe Miriam, ich habe so oft den Eindruck, Du beschreibst meine beiden. Der Große ist launisch, hat immer klare Ideen, Vorstellungen und Rituale. Die Kleine ist viel anpassungsfähiger, sanfter, weniger herausfordernd. So selbständig. Und liebt ihren großen Bruder abgöttisch.
    Liebe Grüße, Julia

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