Du musst nichts Besonderes sein um jemand Besonderes zu sein

IMG_0075Wenn unsere Kinder auf die Welt kommen, wenn wir sie zum ersten Mal in unseren Armen halten, ihren Herzschlag spüren, dann wissen wir, dass sie etwas ganz Besonderes sind.
Wenn sie das erste Mal lächeln und uns in den Arm nehmen, wenn sie die ersten Worte sagen, das erste Mal „Ich liebe Dich, Mama“, dann wissen wir, dass sie etwas ganz Besonderes sind.
Wenn unsere Kinder ihr ersten Bilder malen, dann sehen wir es, sie sind etwas ganz Besonderes.
Wenn sie laufen, springen, klettern, lachen, weinen, schlafen, kuscheln, essen, interagieren – wir sehen es immer und überall und jeden Tag, dass sie etwas Besonderes sind.

Mein Kind ist schon ein bisschen besonderer als deins, und wer uns diesen Gedanken absprechen will, der ist noch nie selbst Mutter gewesen. Das wir in unseren Kindern das Wertvollste, Einzigartigste, Tollste, Beste und Liebenswerteste sehen, das ist von der Natur geschickt so gemacht und wir wären dumm uns dagegen zu wehren. Wir wollen es glauben, wir sollen es glauben und wir glauben es – mit ganz viel Liebe und Hingabe und Überzeugung. Und weil gerade unser Kind etwas so Besonderes ist sollten wir es auch in dem Glauben lassen.

Aber was ist wenn sie älter werden und irgendwann das Haus verlassen. Wenn wir sie entlassen in diese Welt in der es nur so wimmelt von all den besonderen Kindern, die alle ihre Elternhäuser verlassen und alsbald merken, dass sie vielleicht doch nicht so besonders sind, wie wir sie irgendwann haben glauben lassen.

Vor ein paar Wochen waren Paul und ich auf einer Party, eine illustre Hamburger Gesellschaft, wer hier herum stand, Sekt trank und Pasta aß, der war irgendwer. Intendant oder Filmproduzent, war in der Kulturbehörde oder in der Flüchtlingspolitik jemand Bewegendes, war Schriftststeller oder Sänger oder, ja, oder Erzieherin. Und eben diese Erzieherin war meine Tischnachbarin und nach dem ersten oder zweiten Teller voller hervorragender Pasta hat sie einen so unglaublich wertvollen Satz zu mir gesagt, den ich mir für das Leben meiner Kinder zu Herzen genommen habe: „Hier ist jeder irgendetwas. Und ich bin immer nur die Erzieherin. Aber ich habe meinen Kindern immer gesagt: Du musst nichts Besonderes sein, um jemand besonderes zu sein.“

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Und sie hat Recht. Sicher, auch unsere Kinder werden sich einen Platz suchen müssen in dieser Gesellschaft, auf dieser Welt, irgendwo. Sie müssen über kurz oder lang feststellen, dass sie vielleicht in den Augen ihrer Eltern immer das Wertvollste, Einzigartigste und Liebenswerteste auf der Welt waren, aber in den Augen anderer Menschen vielleicht nicht.

Sie werden in Löcher fallen und in der Liebe leiden müssen. Sie werden mit Erfolg und Misserfolg umgehen lernen. Sie werden sich Ziele suchen und diese verteidigen. Wir, die wir sie immer und ewig lieben werden, wir müssen sie immer mehr ziehen lassen. Und können wir uns dann nichts Besseres wünschen, als das sie für immer das Gefühl in sich bewahren, in unseren Augen etwas Besonderes zu sein? Kann eben dieses Gefühl ihnen nicht auf Dauer das Selbstbewusstsein und die Stärke vermitteln um nicht ETWAS, sondern JEMAND Besonderes zu werden.

Können wir unseren Kindern mit dem Gefühl nicht die Stärke vermitteln sich für Etwas einzusetzen? Mutig zu sein und seinen eigenen Weg zu gehen. In dem wir sie zu jemand Besonderem machen, nein, sie für immer jemand Besonderes bleiben zu lassen?

Wir sehen die Stärken in unseren Kindern, wir haben jeden Tag die Chance sie darin zu bestärken, das zu finden wofür sie sich begeistern.
Ist nicht der passionierte Tischler genauso besonders wie der Theaterintendant? Ist nicht der Versicherungskaufmann, der sich in seiner Freizeit um ausgestossene Hunde kümmert mehr Wert als der nächste Kultursenator? Kann ein Mensch überhaupt eine Wertigkeit haben?

Ja, du musst nichts Besonderes sein um jemand Besonderes zu sein. Denn unsere Kinder sind so vielseitig und wunderbar, dass wir sie nur einfach machen lassen müssen. Sie nicht bremsen, sondern ermutigen, ihnen nicht zu schnell das Gefühl vermitteln immer nur nach Sicherheiten zu streben, sondern ein bisschen in sein Innerstes zu hören, was wir uns wirklich vom Leben wünschen.

Und am Ende zählt, das sie, wann immer sie zu uns zurück kehren, werden die Gewissheit haben, egal was sie tun, ob Gutes oder Schlechtes – in unseren Augen werden sie immer etwas Besonderes sein und bleiben. So Besonders, wie wir sie am ersten Tag schon wahrgenommen haben.

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