Erste Anzeichen einer aufkommenden Panik

Wir fangen an ganz viel zu pflanzen, die Bäume an den Kanälen werden grün, die Zweige hängen fast bis ins Wasser. Der Frühling kommt mit Macht und mit ihm der Sommer. Der Sommer 2016, auf den noch einer folgen wird und dann, ja dann, ist mein Kind ein Schulkind.

Ich kann mich gegen die Schulpflicht nicht wehren und ich will das auch gar nicht. Ich habe sehr viele Aspekte an der Schule geliebt. Aber ich habe dieses Gefühl im Nacken, diese Beklemmung die ich spüre, wenn ich mir bewusst mache: In einem Jahr ist Emil nicht mehr so frei wie jetzt. Ich muss mich an Uhrzeiten halten und bin an Ferien gebunden. Und mir graust davor.

Ich hatte Emil dann sechs Jahre für mich. Ich konnte entscheiden, ob er in den Kindergarten geht oder nicht. Ich konnte ihn um acht abgeben aber wenn er selig schlief, dann erst um neun. Und wenn Emil und Ida morgen so ins Spielen vertieft waren, dann gingen sie eben erst um zehn. Oder gar nicht.

Ich bin über die Wochenenden weggefahren und zurück gekommen, wann ich das wollte. Nicht, weil die Schule das wollte.

Habe ich die fünf Jahre bisher genug genossen? Habe ich ihm genug gezeigt, habe ich so viel Zeit mit ihm verbracht wie ich konnte? Habe ich ihn oft genug Zuhause behalten nur um mit ihm durch den Wald zu streifen? Durch Museen oder morgens mit ihm im Café zu sitzen?

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Wir waren spontan in Rom und in Venedig. Wir haben jedes Mal wenn es finanziell möglich war einfach unsere Koffer gepackt und sind weggefahren oder geflogen. Wir waren am Meer und am Elbstrand, ständig bei Oma und Opa. Wir haben alle Freunde gesehen, wann immer sie mal Zeit hatten, egal, um welchen Wochentag es sich handelte.

Wir waren morgens im Kindertheater, Abends lange unterwegs, haben ausgeschlafen oder nicht.

Ich merke eine aufsteigende Panik. Ich gebe ihn in eine feste Struktur. Schon in einem Jahr. Ich bekomme ihn als Kind nicht zurück. Von da an wird er Teil dieser Struktur sein. Wird jeden morgen zur gleichen Zeit aufstehen. Und jede Ferien an Daten und Termine gebunden sein.

Ich möchte ihn so gerne für mich behalten. Und immer spontan entscheiden dürfen. Und ich möchte dieses eine Jahr, in dem wir noch frei sind, so unglaublich nutzen. Und keinen Tag verstreichen lassen an dem es mir beruflich möglich ist nur etwas mit ihm und Ida zu machen.

Ich muss Dinge in Gang setzen um das Meiste raus zu holen. Das Projekt „Die Welt ist unser Garten“ ist eines davon. Aber ja noch ein kleines bißchen geheim. Ich muss mehr Abends arbeiten um mir die Tage frei zu halten.

Ich kann die Zeit nicht festhalten. Aber wir haben sechs Jahre Zeit – die sollten wir nutzen. Wann immer wir können.

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2 thoughts

  1. Ein toller Text, der mich aber auch sehr traurig macht…mein Sohn ist er 4 Monate, aber im Januar muss er in den Kindergarten, denn ich muss wieder arbeiten gehen. Leider werde ich nie die Freiheit haben zu sagen „ach Schlaf doch noch ein Stündchen, kommen wir eben später in den Kindergarten“
    Es fängt nicht erst mit der Schulzeit an, weil meine Arbeit uns schon früher in diese Strukturen drängt. Mir zerreißt es jetzt schon fast das Herz, wenn ich daran denke den kleinen nicht mehr den ganzen tag zu sehen…was er lernt und grade entdeckt. Aber irgendwie müssen wir es schaffen und das beste daraus machen.
    Und ich bin sicher das du auch für Emil das beste daraus machst!

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    1. Ich kann dich so gut verstehen! Diese Freiheit selbst bestimmt zu arbeiten und demnach aus selbstbestimmt Zeit mit den Kindern zu verbringen ist ein unglaublicher Luxus. Es hat auch Nachteile, aber ich sehe die Vorteile deutlich mehr! Ich bin mir aber sicher, dass weniger wirklich schöne Zeit zusammen prägender sein kann, als am Ende eine Mama, die oft gelangweilt oder genervt vom Kind ist. Das kann ja auch passieren. Ich glaube, man muss die Dinge so nehmen wie sie sind und einfach das Beste daraus machen! Liebe Grüße, Miriam

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