Weil ich mir so sicher war, sie in eine sichere Welt zu setzen

Vor fast auf den Tag genau für Jahren habe ich ein Kind in diese Welt gesetzt. Damals war ich Anfang dreissig. Und die Welt kam mir gut vor für ein Kind. Ich habe mir weniger Gedanken um unsere Finanzen gemacht, als darum, ob ich dieses Kind in eine Welt setze, die sich in eine positive Richtung bewegt. Eine Gesellschaft, eine Nation, die sich so sicher fühlt, dass sie sich mit Luxusthemen wie Tierhaltung und Veganismus beschäftigen kann, Raum schafft für Fair Trade Mode und Bio Bauernhöfe. Eine Nation, die so sicher wirkt, dass unsere Kinder mit dem Rad zur Schule fahren können, eine angemessen und im Vergleich zu anderen gute Bildung bekommen können. Ein Land, in dem die Angst einen niedrigen Stellenwert hat.

IMG_1903Ein Land, in dem sie wählen dürfen, mit wem sie befreundet sein wollen, unabhängig von Religion oder politischen Interessen. Ein Land, in deren Gesellschaft keine Korruption vorherrscht. Ein land, in dem sie frei denken dürfen. Lesen dürfen, was sie wollen, sagen dürfen, was sie wollen.

Ein Land ohne Krieg und Folter und Angst. Ohne Hunger und Wassernot. Ohne Terror und Willkür. Ich wollte, dass mein Kind frei sein kann. In seinem Tun und seinen Gedanken. Das es in dieser Sicherheit groß wird und daraus etwas positives ziehen kann.

Jetzt fühle ich mich in dieser Freiheit bedroht. Und bestärkt. Wir lernen zu schützen, was uns wichtig ist. Wir lernen dafür einzustehen, was wir uns für unsere Kinder gewünscht haben. Ein Leben ohne Angst. Und in Freiheit.

Wir können sie nicht vor allem schützen. Wir können unsere Augen nicht verschließen, aber wir können sie auch nicht einsperren. Eines Tages werden sie reisen, und sich an all den öffentlichen Orten aufhalten, die heute als gefährdet gelten. Sie werden in Flugzeuge steigen und mit Menschen sprechen. Die Gefahr können wir nicht ändern, aber ihre Einstellung können wir beeinflussen. Wir können unsere Kinder stark machen – heute stärker denn je. Wir können ihnen Liebe und Respekt mit auf den Weg geben, und die Stärke und den Mut für ihre Ideale einzustehen. Wir können sie lehren, dass Liebe immer über der Gewalt stehen wird. Und das wir Werte und Freiheiten haben, die nicht selbstverständlich sind. Die wir hüten müssen.

Wir können ihnen nur vorleben, was es heißt, sich nicht einschüchtern zu lassen. Weiterhin den Mund aufzumachen. Nie wegzusehen. Uns nicht zu verschließen. Wir könne im Kleinen zeigen, was wir uns im Großen wünschen. Wir können unsere Kinder nicht in Diskussionen mit Rechtsgesinnten oder potentiellen Terroristen schulen, aber wir können ihnen in ihrer Welt genau das zeigen, was wir uns für die große Welt wünschen. Den respektvollen Umgang mit anderen, den Kampf gegen Vorurteile, den Wert von Bildung und die Kraft der Liebe.

All die Kinder auf dieser Welt stehen bereit es irgendwann gut und besser zu machen als wir. Sie tragen noch so viel in ihrem Herzen, so viel reines und wahres und ehrliches. Sie urteilen nicht nach Hautfarben und Religionen. Aber sie verurteilen jetzt schon die, die ihre Meinungen mit Gewalt verteidigen. Sie werden es besser machen. Aber wir müssen ihnen auch zeigen wie.

 

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3 thoughts

  1. Ja, es ist so wichtig unseren Kindern diese Werte vorzuleben. Und es gibt noch so viele Menschen, die so denken. Das macht doch Mut.
    Danke für deine Gedanken…!

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  2. … wwoooowwww
    Was für starke Gedanken und Worte. Ich bin sprachlos und möchte hier auch kein wenn oder aber loslassen – denn du hast recht, ohne wenn und aber.
    Super und mit viel Leidenschaft geschrieben.
    Und du warst aufgeregt, als du diesen Text geschrieben hast – selbst beim anschließenden Querlesen (was man normal macht) hast du diese Leidenschaft und Erregtheit nicht verloren. Da sind im Text kleinere Fehler, die dir sonst nie passieren (nichts schlimmes – ganz im Gegenteil, sie spiegeln die Leidenschaft deiner Worte und Gedanken)
    Super, super toll … bin wider ganz hin und weg 🙂
    LG Ede

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