Manchmal reichen Glück und Liebe als Argumente aus

Ich habe gerade den Beitrag von Urnaturaen gelesen, in dem sie darüber schreibt, dass Fremdbetreuen und Bedürfnisorientierte Erziehung nicht zusammen passen. Ich lese das und fühle mich nicht angesprochen und das, obwohl ich doch meine Kinder „fremdbetreuen“ lasse. Ich lese das und ich habe schon allein deshalb Freude daran, weil ich Blog Beiträge mag die Stellung beziehen. Beiträge, in denen es nicht um die Eissorte geht, die das Kind heute verspeist hat, sondern um Inhalte. Um Meinungen und dahinter Menschen die zu ihrer Meinung stehen. Und das, obwohl sie damit in das „Wespennest“ stechen, sich all die Kommentare und Meinungen aller anderen anhören müssen. Ich finde das mutig. Und schon allein deswegen lesenswert. IMG_3098

Vielleicht fühle ich mich nicht angesprochen, weil ich meine Erziehung noch nie als bedürfnisorientiert bezeichnet habe. Und das auch nicht möchte. Weil ich bereits Beiträge darüber geschrieben habe, dass ich nichts blockierender empfinde als meiner Erziehung einen Namen zu geben und sie einem Konzept unterzuordnen. Sie irgendwie an Theorien festzumachen. Und ich glaube, dass Einzige was ich dazu sagen möchte ist, das es für uns, für meine Familie und meine Vorstellung von Familie, nur um Glück geht. Denn das ist es was wir erfahren, ab dem Moment wo wir wissen, dass in uns ein neues Leben entsteht.

Ja, ich habe mich noch keinen einzigen Tag schlecht gefühlt, weil ich meine Kinder in die Hände von jemand anderem gebe. Jemanden, den ich gewählt habe. Den ich für gut befunden habe. Ich habe die Wahl – ich lebe aber auch in einer Stadt in der es eine Wahl gibt. Hätte ich die nicht, hätte ich vielleicht auch anders entschieden. Aber ich hatte sie. Und damit bin ich selbst den früheren Großfamilien weit voraus. Denn ob man da die Großtante immer mochte, bei der man in der Küche saß, während die Mutter einkaufen gegangen ist, da hatte man weitaus weniger die Wahl.

Vor allem aber bin ich glücklich. Unsagbar glücklich. Ich bin das Mensch gewordene Glück. Seitdem ich Emil und Ida habe. Ich bin glücklich für jeden Moment. Ich platze manchmal vor Glück. Ich lächle beim Fahrradfahren und wenn ich ihnen beim Baden zu sehe. Ich schließe sie in die Arme, halte sie und werde überschüttet von Gefühlen. Ich bade im Glück. Ich lache so viel wie nie zuvor. Ich entdecke so viele Kleinigkeiten, ich sehe mit ihren Augen. Ich klettere wieder auf Bäume und bastele kleine Schiffe aus Nussschalen. Ich sehe lange in den Himmel, ich erzähle die tollsten Geschichten. Ich habe so viel Kraft und Energie wie nie zuvor. Und ich ziehe sie aus all dem Glück.IMG_3160

Ich kann meine Kinder immer um acht ins Bett bringen – dann murmeln die, die mich für  verbohrt und festgefahren halten. Ich kann sie selbstbestimmt ins Bett gehen lassen, dann fassen sich die an den Kopf, die mir im Stillen einen Vorwurf aus meiner „Alles egal“ Haltung machen wollen. Ich kann meine Kinder von Geburt an überall mit hinnehmen, ihnen die Welt zeigen, die Musik, meine Freunde, das Theater, die Nacht und den Tag, und ich kann mir die Zeit nehmen erst mal Zuhause zu bleiben und ihnen Ruhe zu schenken. Ich kann sie in die Krippe geben oder bis zum Schulanfang zu Hause behalten. Ich kann, ich kann, ich kann. Und immer wird jemand denken, ich hätte es anders machen sollen. Aber es ist egal. Denn wichtig ist nur, dass meine Kinder merken, dass sie mich glücklich machen. Das ich die Zeit mit ihnen genieße, sie regelrecht greifen kann und manchmal festhalten möchte. Wichtig ist, dass sie sich geliebt fühlen. So geliebt, dass sie niemals daran zweifeln müssen. Wichtig ist, dass sie voller Glück sind.

Glück überträgt sich von einem auf den anderen. Glück trägt eine Familie. Glück und Liebe. Und das ist das was zählt. Ich habe keine Angst meine Entscheidungen zu verteidigen und auch nie das Bedürfnis danach. Weil es sich richtig anfühlt.

Ich habe Freunde die sich direkt nach der Geburt zurück gezogen haben. Und Zeit und Ruhe gesucht haben, um dieses Wunder zu genießen, ankommen zu lassen. Ich konnte es kaum abwarten alle meine Freunde zu sehen, ihnen dieses Wunder zu zeigen, sie an meinem Glück teilhaben zu lassen. So lange wir vom Glück getragen werden, alle, als ganze Familie, so lange machen wir nichts gravierendes falsch. All die positive Energie die wir daraus ziehen verbreiten wir.

Es ist gut wenn wir Dinge hinterfragen. Es ist gut wenn wir uns selbst reflektieren. Und unser Leben. Es ist gut wenn wir in einem ständigen Kontakt miteinander sind. Verbal und nonverbal. Es ist gut aufeinander zu achten, Stimmungen aufzugreifen, anzusprechen, sich zu respektieren. Denn dann werden wir unseren Weg finden glücklich zu sein. Und das ist was zählt. Das Leben ist zu kurz um zu hadern. Zu kurz um ein schlechtes Gewissen zu haben. Zu kurz um Entscheidungen zu revidieren, weil wir es von außen erfahren. Am Ende müssen wir uns nur fragen, ob wir glücklich sind.

Denn eigentlich ist das Leben gar nicht so kompliziert. Erst Recht nicht, wenn Außenstehende uns das glauben lassen wollen. Den richtigen Weg um durch die Trotzphase zu kommen, den richtigen Weg um schlafen zu lernen, den richtigen Weg mit unseren Kindern zu kommunizieren. Viel spielen, wenig spielen. Natur oder Stadt. Betreuung oder nicht? Vegan oder nicht? Familienbett? Langzeitstillen? Stoffwindeln? Viel reden, wenig reden. Klare Ansagen. Nein sagen. Diskussion suchen. Respekt. Leitwolf sein? Wir können uns mit allem belesen. Und für alles Argumente finden. Warum nehmen wir nicht unsere eigenen?IMG_1181

Wir sollten aufhören uns darüber den Kopf zu zerbrechen. Denn wenn wir uns fragen, ob wir glücklich sind, dann ist das bereits die Antwort. Und Kinder die in der Betreuung unglücklich sind, werde auch uns unglücklich machen. Aber genauso sollten wir uns eingestehen, dass glückliche Kinder uns auch ein Zeichen dafür geben, dass wir Dinge richtig machen. Und so funktioniert Familie.

 

 

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5 thoughts

      1. Und ganz ehrlich die Wahrheit! Ich bin über Twitter zufällig hier gelandet und habe bisher jeden Text mit Freude und Begeisterung gelesen. Sprachlich sehr angetan und inhaltlich nahezu immer identischer Meinung. Gerade aber hat mein Herz einen Satz gemacht und ich habe gedacht: „Mensch, sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Wieso kann ich eigentlich nicht so schreiben…“ Und dann hab ich gedacht, dass ich das wohl mal spiegeln sollte 😉
        Ich freue mich auf die nächsten Texte!
        Liebe Grüße Heike

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  1. Ich liebe Deinen Blog und jeden Deiner Texte. Und bei den meisten muss ich eine kleine Träne verdrücken, weil sie so schön, so traurig oder einfach so berührend sind.
    Danke!

    Viele Grüße
    Lydia

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  2. „Am Ende müssen wir uns nur fragen, ob wir glücklich sind.“ So ist es. Die Frage kann nur jeder selbst für sich beantworten. Und so ist das subjektiv empfundene Glück genauso individuell und bunt, wie wir Menschen es sind. Danke, für diesen fantastischen Beitrag ❤

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