Lieber Januar, was soll das?

IMG_2991Ich glaube ja fest an so schlaue Sätze wie: Jeder ist seines Glückes Schmied. Und dass man mit einer positiven Einstellung auch ganz passabel durch den Tag kommt – auf jeden Fall viel besser als mit einer negativen. Aber der Januar ist gemein zu mir. Finde ich. Um es mit den Worten der Kinder zu umschreiben: Ich fühle mich vom Januar geärgert. Irgendwie lässt er mich nicht mitspielen. Und das macht mich traurig.

Ein guter Start ins Jahr sieht irgendwie anders aus. Also anders als traurig. Aber der Januar lässt mich ja irgendwie nicht.

Ja, zu Beginn des Jahres sage ich tatsächlich zu Paul, dass wir auswandern sollten. Paul sagt, dass wir das natürlich nicht tun werden. Ich rede erst mal nicht mit Paul. Immer macht er meine Träume so kaputt. Die Weltreise wollte er nicht. Drei Monate mit dem Bus durch Südamerika wollte er nicht. Man, man, Paul, so ein bisschen Abwechslung ist doch nun wirklich nicht zu viel verlangt! „Man,“ sage ich. „Dann habe ich überhaupt keine Pläne!“ Paul sagt, ich solle doch jetzt erst mal ein Buch schreiben. Jaja, denke ich. Paul hat gut reden. Der publiziert ja ständig irgendetwas. Der ist 35 und habilitiert jetzt bald. Dann heißt der nicht mehr Paul sondern Professor Paul. Wie schön für ihn. Ich habilitiere nicht. Ich habe auch meine Doktorarbeit nie zu Ende geschrieben – eigentlich hab ich sie auch nie wirklich angefangen. Also eine Gliederung vielleicht….eine ganz vorläufige Gliederung. Aber warum habe ich die nie zu Ende geschrieben? Weil wir damals nach Boston oder New York wollten. Sind wir aber nicht gegangen. Dann hatte ich auch keine Zeit mehr. Ich hatte ja Emil. Und der ist viel toller als eine Doktorarbeit.

Dann schreibe ich eben ein Buch. Aber im Büro ist es so kalt, dass ich immer eine Hand unter meinen Oberschenkel schieben muss, damit sie nicht einfriert. Und dann kommen Fotoaufträge und ich mache erst mal die…. und dann kurz nichts…. und dann bin ich bei Facebook…. und dann gehe ich irgendwo mit irgendwem essen. Und habe schlechte Laune. „Wandert ihr denn jetzt aus?“ fragen die Leute. „Natürlich nicht,“ murre ich.

Eigentlich möchte ich gerne den ganzen Tag lesen. Und Tee trinken. Und Abends ganz viel Rotwein. Trinkt aber keiner mit. Ich muss ständig an meiner Einstellung arbeiten. Nicht jeden morgen oder so. Sondern jede Minute. Ich habe keine Lust mich mit Freunden zu treffen, also tue ich das erst recht. Sonst ertrinke ich bald in Antriebslosigkeit. Ich gehe Abends weg – das fühlt sich gut an, aber nur bis zum nächsten morgen. Dann ist sie wieder da. Die Antriebslosigkeit. Ich melde die Kinder bei Schwimm- und Tanzkursen an. Gerade WEIL ich keine Lust habe – ich muss mich zu jeder Aktivität zwingen. Weil ich weiß, wenn ich es nicht mache, wird es nur noch schlimmer.

Ich mag den Winter eigentlich ganz gerne – aber den Januar gerade nicht. Ich hole freudig die Kinder ab und merke, dass ich nach einer halben Stunde schon keine Lust mehr habe mit ihnen zu spielen. Ich habe keine Lust auf ihr Geschrei und wenn sie sich streiten. Ich bin doch sonst nicht so? Also sage ich mir wieder hundert mal, dass das Leben aber lustiger ist, wenn man es positiv sieht. Manchmal klappt das. Manchmal nicht. Weil ich mich so vom Januar geärgert fühle.

Das ganze hat zur Folge, dass ich mich jetzt schon ganz wahnsinnig auf den Februar freue. Der wird bestimmt grossartig, sage ich mir. Den hab ich früher nie so besonders gemocht, den Februar, aber jetzt denke ich, der hält einige ganz tolle Dinge für mich bereit. Unter anderem meine erste Lesung! Und das Buch schreibe ich auch. Heute sitze ich aber wieder Zuhause am Fenster und blogge, weil Emil die ganze Nacht gekotzt hat. Wenig Schlaf, aber viel Wäsche. Eigentlich nicht so eine gute Kombination. Aber gerade stört es mich nicht. Und ich sage euch, bloggt, wenn euch was nervt. So wie mich der Januar. Oder schreibt Tagebuch. Oder lange Briefe an eure beste Freundin. Danach fühlt sich alles irgendwie schon gar nicht mehr so doof an wie man zu Beginn des Schreibens noch dachte!

 

 

 

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2 thoughts

  1. Bei mir war’s der Dezember. Weihnachtsdepression? Und bei dir post-weihnachtliche depressive Verstimmung? Ich überlege, wie es bei mir vorbeiging, um dir einen Tipp zu geben… Puff, einfach so. Ich glaub echt, es waren die Hormone, verdammt sollen sie sein! Also kann ich dir nur die üblichen Tipps geben: Licht, gesunde Ernährung, Zeit für dich. Aber der Februar kommt ja bald!

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  2. A) Was buchst Du denn so?
    B) Komm ins Rheinland, da gibt es kein Durchhängermonat. Kölle Alaaf. Nur damit Du es nicht missverstehst. Ich musste das auch erst lernen.
    C) Professor Paulchen kann sich ja mal an mich im Hauptberuf wenden. Wegen Auswandern auf Zeit, meine ich mal so…

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