Ein Blog Post von mir für mich

Liebe Mama von Emil,

eigentlich finde ich, du schreibst ganz feinfühlig und so, als seist du interessiert an dem, was deine Kinder so bewegt. Eigentlich habe ich das Gefühl, dass du ganz emphatisch bist. Dann frage ich dich, was war am Dienstag los mit dir? Und was ist mit all dieser unterdrückten Reizbarkeit was das Thema Emils Interessen und vor allem seine Nicht-Interessen betrifft?

Gut, du willst Emil für etwas begeistern. Das ist ja im Grunde erst mal ein guter Gedanke. Aber hast du auch mal Emil gefragt, ob er überhaupt begeistert werden möchte?

Greta sagt, sie möchte zum Chor und Emil sagt er möchte mit. Ich glaube, Emil sagt das, weil er glaubt dass das gut sei einfach mal zu sagen, dass man mit möchte. Aber dann packst du völlig gestresst Ida in den Buggy, nimmst schon wieder Proviant und Trinken mit, versuchst den Bus zu bekommen. kommst trotzdem zu spät. Du weißt nicht, wohin mit deiner Jacke und der jammernden Ida, die gerne die Treppen selbst laufen möchte und überhaupt weißt du auch nicht, wohin mit dem Buggy in dem viel zu kleinen Treppenhaus. Und dann hast du endlich alles irgendwo untergebracht und die Ida noch fix auf einer Treppenstufe gewickelt, da sagt Emil, er will doch nicht zum Chor. Nein, er möchte auch nicht einmal zugucken. Er möchte es nicht ausprobieren. Er möchte auch nicht den Raum betreten. Und Greta geht allein.

Und bist du jetzt nicht völlig zu unrecht genervt? Ist es nicht dein eigenes Problem, dass du dich so stresst? Kannst du Emil einen Vorwurf machen, nur weil er es sich anders überlegt? Redest du nicht selbst ständig davon, Kinder sollen selbst entscheiden?

Ja, du übst vier Wochen lang mit Emil ein Stück mit Klavier und Klarinette. Und ja, das muss man dir zu Gute halten, du tust es nicht, weil du das willst, sondern weil Emil das will. Ganz stolz trabt er Abends neben das Klavier und bittet dich, mit ihm zu üben. Er will unbedingt das Stück an Weihnachten vorspielen. Bis dahin muss es perfekt sein. Aber dann ist Heiligabend und Emil sagt, er spielt nicht vor.Er macht es morgen. Aber am ersten Weihnachtstag macht er es auch nicht. Und am zweiten auch nicht. Und dann sagt er im Auto: Super, ab jetzt muss ich gar nicht mehr Klarinette üben. Ich kann das ja jetzt. Und du bist maßlos enttäuscht und irgendwie wütend. Gar nicht, weil du mit Emil angeben wolltest. Sondern weil du denkst, es würde ihm guttun mal mutig zu sein und etwas zu wagen. Dann würde er merken, dass alle ihm positives Feedback geben. Und du denkst, Emil braucht ein bisschen Rückhalt um etwas mutiger zu werden.

IMG_6695Du schlägst Emil also ständig etwas vor. Fahrrad fahren und Hockey spielen und ein Instrument lernen und Fußball Kurse aber Emil sagt immer erst ja und dann nein. Und zwar nein, bevor er überhaupt irgendetwas ausprobiert hat. Und Dienstag beim Eishockey, zum dem er unbedingt wollte, bist du schon wieder genervt, weil du die üblichen Brote geschmiert hast, dich beeilt hast, Ida dick angezogen hast, eher von der Arbeit gekommen bist. Und dann schon beim anziehen der Schlittschuhe dieses wehleidige: „Ach…ich will das doch nicht ausprobieren ….“ hörst. Und du bist genervt und gar nicht empathisch und gar nicht so Kinder freundlich, wie du immer tust. Du hast schlechte Laune und bringst genervt das ganze Equipment zurück. So eine Mutter bist du? Redest immer über Frühförderung, die du nicht willst, und drängst dein Kind dann dennoch ständig in so blöde Situationen? Schon mal darüber nachgedacht, mal abzuwarten, was Emil so möchte? Vielleicht sagt er ja irgendwann mal von sich aus, worauf er Lust hat. Und nicht ständig weil du es ihm sagst, oder seine Freunde es ihm sagen.

Wenn du eine emphatische Mutter sein willst, dann reiß dich mal ein bisschen zusammen!

Alles Liebe, dein Muttergefühl

 

Advertisements

3 thoughts

  1. Liebe Mama von Emil,

    es ist menschlich nachvollziehbar, dass Du Dich ärgerst und ich sehe auch nichts Falsches daran, wenn Emil das merkt. Wenn jemand erst einmal sagt: „Hurra! Das mache ich“ und man alle Hebel in Bewegung setzt, das zu ermöglichen, dann ist es verständlich und authentisch, verärgert zu sein. Wichtig finde ich, diesen Ärger gewaltfrei zu kommunizieren, so dass das Kind nicht in seiner Integrität verletzt ist.

    So, wie ich das raus lese, drängst Du ihn doch nicht wirklich – oder? Du unterbreitest ein Angebot und er ist zunächst begeistert, um am Ende doch nicht zu wollen. Du wünschst Dir, dass er mehr Selbstvertrauen hat, weil es den Eindruck macht, als würde ihn das daran hindern, die Sachen auszuprobieren. Das ist ein nachvollziehbarer Wunsch, den er aber nicht nachempfinden kann. Am Ende hindert ihn die Schwellenangst – etwas, das für Erwachsene unglaublich schwer auszuhalten ist. Ich überlege gerade, wie ich reagieren würde – vermutlich würde ich viel mehr dazu neigen, zu überreden und mich dann hinterher darüber ärgern, weil ich eben auch der Meinung sind, dass Kinder alleine entscheiden sollten.

    Du willst ihm einfach all die spannenden Dinge zeigen, die die Welt bietet und es enttäuscht Dich, wenn er dieses Angebot ablehnt. Das ist vollkommen normal – wie soll er eine Leidenschaft entwickeln, wenn er die Dinge gar nicht kennt? Ich kann Deinen Zwiespalt sehr gut nachvollziehen – finde aber, dass Du Dich nicht über Deine Reaktion grämen solltest.

    Liebe Grüße
    Danielle

    Gefällt mir

  2. Liebes Muttergefühl,

    deinen Ärger und Unmut in so einer Situation finde ich sehr verständlich.

    Wenn du aber das Gefühl hast, dass Emil so kurz vor knapp einen Rückzieher macht, weil er Angst vor neuen Situationen hat, wäre es eine sehr wichtige Erfahrung für ihn, diese Angst zu überwinden. Er könnte dann feststellen, dass es gar nicht so schlimm ist und vielleicht sogar ganz toll. Ohne diese Erfahrung findet sogenannte „Vermeidung“ statt und es wird abgespeichert, dass es besser war diese Situation zu umgehen, weil sonst etwas negatives hätte passieren können, was die Angst langfristig verstärken kann.

    Emit hat ja noch viel Zeit, um in solchen Situationen mutiger zu werden, aber vielleicht findet ihr ja schon bald gemeinsam eine Möglichkeit, genug Mut aufzubringen. Eine tolle Geschichte dazu, ist die von Til Tiger, ein kleiner schüchterner Tiger, der zusammen mit anderen Tierkindern mutiger werden möchte.

    Sollte er im Nachhinein feststellen, dass ihm der Inhalt der neuen Situation nicht zusagt (z.B. weil er singen doch nicht so gut findet), ist es natürlich in Ordnung, nicht mehr hinzugehen oder etwas anderes auszuprobieren.

    Wenn du gar nicht dass Gefühl hast, dass Angst der Grund für den Rückzieher ist, dann kannst du meinen Post wieder vergessen 😉

    Liebe Grüße von Henrike

    Gefällt mir

    1. Liebe Henrike,
      vielen lieben Dank für Deinen Post. Er hat mir wirklich geholfen. Ich werde mir das Buch besorgen und weiterhin versuchen Emil zu für Dinge zu motivieren. Ich möchte so gerne, dass er erfährt, dass erste Erfolge ein gutes Gefühl sein können. Ein viel besseres als aufzugeben.

      Ich werde Deinen tollen Post also NICHT vergessen!
      Alles Liebe,
      Miriam

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s