Unser Jahr 2015

Ach lieber Dezember, du bist immer so voller Ereignisse und viel zur kurz! Wie soll ich es schaffen Scharlach Ausbrüche, Kindergartenweihnachtsfeiern, viel zu viele Fotoaufträge, Kindergartenferien, Weihnachtsgeschenke, Adventsessen mit Freunden, Weihnachtsmärchen, Kekse backen, Baum kaufen, Silvester planen, aufräumen und bloggen unter einen Hut zu bekommen? Fazit: ich habe es nicht unter einen Hut bekommen. Jetzt sitze ich vor der Seite und der Statistik und denke mir: man, nix geschrieben. So lange nicht.

Aber dafür heute der Jahresrückblick und ganz viel positive Energie im nächsten Jahr wieder mit vielen, vielen Texten zu starten.

Wie wir ins Jahr gestartet sind

Mit einem Ein- und einem Dreijährigen Kind. Und das kommt mir so weit weg vor. Und mit Pauls Jobwechsel – aus der Chirurgie raus und die grausigen Arbeitszeiten hinter sich lassend auf die Intensivstation und den damit einhergehenden Schichtdienst. Neu organisieren war in den ersten Wochen bestimmendes Thema. Aber auch viel neu gewonnene Zeit. Und alles lies sich auf einmal planen. Wie oft sind wir im Jahr davor Abends nicht wie geplant ausgegangen, weil Paul länger im OP war. Wie oft habe ich bis 22 Uhr mit dem Essen gewartet, vergeblich versucht ihn zu erreichen, die Kinder haben ihn manchmal tagelang nicht gesehen. Jetzt ist er präsent, wenngleich auch in einer kaum planbaren Wechselhaftigkeit. Jede Woche muss neu strukturiert werden. Aber wir greifen nach all dem Positiven, gehen zu zweit morgens frühstücken im Café, Abends ins Theater, treffen uns manchmal Mittags spontan in der Schanze zum essen, sehen alle unsere Freunde wieder gemeinsam. Und verbringen viel mehr Zeit als Familie.

Die Nachteile versuchen wir durch all den positiven Mehrwert weitestgehend zu verdrängen. Paul arbeitet jetzt jedes zweite Wochenende. Ich finde in diesem Jahr meine eigenen Wege die Zeit zu nutzen. Wir fahren sehr viel Weg. Bauen uns hinten im Auto mit Kissen und Decken einen Picknick Platz. Sitzen manchmal dort bei Regen im Wald und lesen uns Bücher vor. (Es wird endlich Zeit für den VW Bus!).

Die Welt außerhalb unserer vier Wände

Im April machen wir uns auf den Weg nach Südtirol. Die Reise beginnt holperig. Der erste Flug gleich mit 5,5 Stunden Verspätung. Ich verliere Paul auf dem Flughafen, der sich informieren wollte und trage Gepäck und zwei Kleinkinder durchs Terminal. In Frankfurt wieder Verspätung. In Innsbruck dann kein Mietwagen da. Die Kinder spielen auf dem Flughafen Parkplatz. Aus zwei Stunden Flugzeit wurden somit 14 Stunden Reisezeit. Die Kinder schlagen sich wacker.Wir lernen daraus: Nichts, aber wirklich gar nichts hilft einem durch so einen Tag außer Gelassenheit.

Zwei Stunden Flug, vierzehn Stunden Reisezeit.

Die Reise mit Pauls Familie führt alle zusammen. So viel wertvolle Zeit um das wertzuschätzen was das Leben ausmacht: Familie und Liebe. Pauls Schwester und mir ist es wichtig, dass unsere Kinder trotz der geographischen Distanz (Hamburg-München) eine enge Bindung entwickeln können. Dass sie wissen, das sie familiär zusammen gehören.

Emil bezwingt zusammen mit dem Opa jeden Berg. Eine Ausdauer, die alle überrascht. Stundenlang wandert er nur mit Opa herum. Zeit, die so kostbar ist. Vier kleine Kinder, fünf Erwachsene – die eine Familie bilden. Drei Generationen die den Moment nutzen zusammen zu sein. Die sich aus ihren Leben erzählen, die Dinge weitertragen. Werte und Gedanken, die sich nicht immer einig sein müssen, aber immer bereit sind Dinge zu teilen. Menschen, die meine Kinder prägen werden, die ihnen zeigen, was Familie bedeutet. Das Gefühl, nie allein zu sein. das Gefühl von Zusammengehörigkeit.

Im Juni nutzen wir einen Fotoauftrag von mir in Cuxhaven für einen Kurztrip. Wir versuchen, jeden Moment gemeinsam zu verbringen, und wenn ich außerhalb Hamburgs arbeite, nehme ich den Rest einfach mit. Gefühlt ist ständig Ebbe, aber die Kinder lieben es trotzdem und buddeln in den kleinen Sielen. Für uns fühlt es sich an wie eine Woche Urlaub. So viel Zeit für uns, so viel Neues zu sehen. Emil und Ida genießen in vollen Zügen. Wenn ich das Wort Ausflug oder Reise sage, kann man ihre Aufregung kaum noch stoppen. Sie packen grundsätzlich selbst (und ich dann noch mal neu) und bringen eine unbändige Lust mit Neues zu sehen. Ihnen ist es völlig egal, ob die Reise eine Stunde oder zwanzig dauert. Ihre Aufregung färbt auf alle ab. (Als wir Nachts in NY landen, und am ersten Einfamilienhaus vorbei fahren ruft Emil voller Begeisterung: Ein Hochhaus!!! – Manchmal ist es nicht wichtig, was wir sehen, sondern wie wir es sehen.)

Emil und ich fahren zu zweit für eine Blog Kooperation nach Berlin. Egal wer ihn danach fragt, welches seine schönste Reise im Leben war, Emil antwortet immer: Der Tag mit Mama in Berlin. (Gut, zumindest bis zu unserer Kanada Reise. Jetzt sagt er was anderes….). Zeit alleine mit einem Kind erscheint mir so unglaublich wichtig. Für Emil ist es das, aber noch viel mehr für mich. Ich kann ihm so lange zuhören. ich kann ihm Dinge zeigen, ihn ernst nehmen. Wir sitzen in Cafés und Abends gemeinsam beim Essen. Nur er und ich. Wir erzählen uns sehr viel, sehen das Brandenburger Tor, Schloß Bellevue, die Spree, Moabit und den Potsdamer Platz. Wir spazieren durch das Holocaust Mahnmal und verpassen fast unseren Zug zurück. Und wir lernen die großartige Graziella Schazad kennen, zu der es bald noch mehr zu lesen gibt!

Einmal in diesem Jahr schaffen wir es sogar zusammen mit Paul in den Harz zu fahren um seinen Vater zu besuchen und meinen Bruder samt Familie. Die anderen male fahre ich immer mit den Kindern alleine. manchmal ertappe ich mich dabei, dass mich der Gedanke stresst, schon wieder alles alleine zu machen. Packen, anziehen, alles zum Auto schleppen, die Fahrt (einmal dauerte sie statt zwei einhalb Stunden auch gleich fünf Stunden) das Gequengel, wenn im Auto etwas runter fällt „Ich brauche das Buch aber sofort!!!“, „Ich muss aber JETZT etwas trinken!“ und natürlich muss man immer genau das Buch haben, dass der andere gerade liest. Aber dann denke ich, die Alternative wäre zu Hause zu bleiben, meine Familie nicht zu sehen, mich ein wenig zu langweilen und auf all die schönen Momente zu verzichten. Immerhin habe ich gelernt mit wirklich wenig Gepäck zu reisen. Sonst würde mir tatsächlich jegliche Spontanität abhanden kommen.

Im September startet unsere Reise von New York bis nach Kanada. Die Tage in New York sind anstrengend. Die Kinder stehen um vier Uhr morgens auf und sind unausgeglichen. Trotzdem überwiegen die schönen Momente. Wir sehen die Stadt diesmal mit ganz anderen Augen – den Augen unserer Kinder. Wir müssen ganz neu fokussieren und verleben sehr entspannte Tage- ziehen durch die Parks der Stadt, essen Muffins in Cafés, sind Abends zu müde um essen zu gehen. Schaffen es trotzdem uns in Brooklyn mit einer Freundin zu treffen und Pasta in einem Hinterhof zu essen. Auf den Spielplätzen lernen wir sofort Menschen kennen. Kinder verbinden noch besser als Hunde.

Wir haben die Strecke mal wieder unterschätzt. Es ist viel zu weit für die Kinder. Wir improvisieren ständig, halten an den langweiligsten Orten und zaubern daraus irgendein Abenteuer. Einmal picknicken wir Nachts im Industriegebiet. Für die Kinder wird es zum Abenteuer, für uns zwischendurch anstrengend. Aber endlich in der Wildnis angekommen kehrt eine unglaubliche Ruhe ein. Die Kinder sind ausgeglichen wie nie. Kein Spielzeug, keine Heizung, keine Nachbarn, keine Infrastruktur. Kanu fahren, Holz hacken, Feuerholz suchen. Außer den Niagara Fällen und Kingston besichtigen wir nichts in Canada. Wir fühlen uns einfach angekommen. Mit Pauls Tante, die hier lebt und eine sehr große Familie um sich schart sprechen wir viel über den Wert von Familie. Auch über Endlichkeit. Darüber, dass wir den Moment schätzen müssen. Das manchmal alles schneller vorbei ist, als man denkt. Wir reden auch viel über Besitz, über Sinn und Unsinn von allem materiellem. Und darüber, wie wir uns wünschen zu leben.

Wir waren natürlich auch wieder mit Gretas Familie in Mecklenburg. Der Ort in dem deren wunderschönes Sommerdomizil steht gehört zum Wortschatz meiner Kinder als wäre es unser. Hier gilt das Gleiche Prinzip wie in Kanada. So viel Freiheit für die Kinder wie möglich. Wir selbst lernen viele spannende und inspirierende Menschen kennen, die die Tage mit uns verbringen. Eine Filmproduzentin aus London und diverse andere Kultur schaffende Menschen. Die Kinder bewegen sich völlig autark in ihrer Bullerbü Welt. Für Emil und Greta die schönste Zeit im Jahr.

Was wir noch gesehen haben: Den Elbstrand! Viel zu selten in diesem Sommer, weil der sich von einer so wenig sonnigen Seite gezeigt hat. Appelleck am See – wunderschön für einen Kurzausflug. Die Lüneburger Heide im Herbst. Wunderschöne Farben und ein Paradies für die Kinder. Kleine Bäche, viel Platz und Bäume auf die man Klettern darf. Und natürlich waren wir ständig und immerzu bei meinen Eltern auf dem Land.

Was wir für uns gelernt haben

Das Leben mit einer Zwei- und einem Vierjährigen ist ja so viel leichter als das Leben im letzten Jahr. Beide Kinder können aufrecht stehen, während man bei Wind und Wetter versucht den Fahrradanhänger aufzuschließen. (Wenn ich daran denke, wie oft ich Ida im letzten Jahr noch auf dem Gehweg abgelegt habe….).

 

Vor allem aber haben wir  für uns wieder einmal festgestellt, dass kaum etwas mit Kindern „unmöglich“ ist. Sie sind für alles zu begeistern, wenn man es mit derselben Begeisterung verfolgt. Sie sind wissbegierig und es erfüllt sie mit so viel Stolz, wenn sie an unserem Leben teilhaben können. Sie sind kommunikativ, spontan und vor allem unglaublich Anpassungsfähig. Sie sind auch dieses Jahr wieder herum gereist, haben viele Städte gesehen, immer in fremden Betten geschlafen und sich dennoch immer zurecht gefunden. Egal wo wir waren, sie haben uns immer das Gefühl von Zuhause vermittelt. Für sie ist Zuhause nicht unbedingt geographisch verankert. Für sie war Zuhause immer da, wo wir waren.

Wir haben gelernt wie wichtig uns Familie ist. Unsere kleine und auch die große. Und wie wichtig uns unsere Freunde sind. Wir haben versucht auch die wenige Zeit zu nutzen möglichst alle zu sehen, teilzuhaben am Leben der anderen. Und immer auch Zeit für uns zu haben. Wir haben die Kinder aus dem Kindergarten genommen, wann immer wir konnten. Und wir haben festgestellt, dass wir immer noch keinen Alltag haben, diesen aber auch nicht vermissen.

Was wir mitnehmen aus diesem Jahr

Das unsere Kinder die großartigsten, besten kleinen Menschen in unserem Leben sind. Das sie uns ständig vor Herausforderungen stellen, die wir meistern wollen. Das man ganz schön entspannt sein kann, wenn man an sich arbeitet und Dinge einfach mal so sein lässt, wie sie sind. Das wir flexibel sind, in unserem Tagesablauf in unseren Reisen und auch in unseren Träumen. Das wir jeden Moment nutzen wollen, den wir gemeinsam haben. Und so vieles von unseren Kindern lernen können.

In diesem Sinne: Einen guten Start ins Jahr 2016! Wir freuen uns darauf. Auf jeden einzelnen Moment!

 

 

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