Irgendwas mit Weihnachten – das Weihnachtsfest der Tiere

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Ihr glaubt, ihr wisst wie die Geschichte zu Ende geht? Ihr glaubt, ihr wisst, wer sich die Geschenke geschnappt und sie verschleppt hat? Ihr glaubt, die anderen Tiere werden die Geschenke in der Höhle des Marders entdecken?

Aber glaubt ihr nicht auch an Weihnachten, das Fest der Liebe? Glaubt ihr nicht auch daran, dass an Weihnachten alle Lebewesen gemeinsam feiern sollten? Habt ihr die Geschichte aufmerksam gelesen und wisst, dass Weihnachten ein Fest der Liebe und der Familie und Freunde ist, ein Fest des Verzeihens und ein Fest der Wunder?

 Ihr wollt den Spuren im Schnee folgen? Dann reicht mir eure Hand und ich werde euch mitnehmen. Auf das erste Weihnachtsfest der Tiere.

Unter den Tieren herrscht eine aufgehitzte Stimmung. So wenige vergangene Tage haben sie so vieles gelehrt. Über ein Fest Namens Weihnachten, über Christbäume und Engel. Sie haben erfahren, wie Jesus geboren ist, und das Waldwichtel dem Weihnachtsmann helfen. Sie haben gelernt, dass es bei Weihnachten um Gemeinschaft geht und um Glück. Sie haben gelernt, dass man Trauriges hinter sich lassen kann und an Wunder glauben darf.

Sie waren so kurz davor, dass alles umzusetzen und zum ersten mal in ihrem Leben mit vollem Herzen dieses Fest zu feiern, wären da nicht so plötzlich und unerwartet die Geschenke verschwunden. Im Eifer der ganzen Aufregung – im Weihnachtstrubel – da hatten sie sie aus den Augen verloren.

 Weihnachten lebt nur von den Geschenken? Nein, das hatten sie längst begriffen. Aber erwarten wir nicht alle im Stillen auch diesen Moment in dem das Papier raschelt und uns die Neugierde packt? Sollte den Waldtieren diese Spannung vergönnt sein?

Das Getuschel und Geschnatter ebbt ab. Vor dem Bau von Malinius Marder ist es verdächtig still. Verdächtig oder unerwartet still? Keiner rührt sich. Kann der auch sonst so listige Marder tatsächlich in dem Glauben sein, sie würden ihm nicht auf die Schliche kommen?

Frau Maus, einen Blick immer schräg von unten auf Ole die Sptizmaus gerichtet, wendet sich hilfesuchend zur Gruppe der hinter ihr drängenden Tiere. „Jetzt geh doch mal einer da hinein,“ fordert sie ungeduldig auf. Sie möchte nicht die Erste sein. Sie ist zu klein um sich Malinius in den Weg zu stellen. Die Tiere tuscheln. Im schwachen Mondlicht erscheinen die unsicheren und aufgebrachten Gesichter der anderen nur schemenhaft. „Ich werde gehen,“ ertönt eine tiefe, souveräne Stimme und Max der Dachs tritt hervor. Die anderen nicken ihm aufmunternd zu. Langsamen, bedächtigen Schrittes tritt er auf den Höhleneingang zu. Die sich ausbreitende Stille ist schier unerträglich. Sie warten.

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Nur eine Lichtung entfernt legen Frida und ihre Mutter sorgsam die duftenden Lebkuchen auf liebevoll angehäufte Strohteller. Im Schein der Kerzen leuchten ihre Gesichter voller freudiger Erwartung. „ Bist du jetzt glücklich, Frida?“ erkundigt die Mutter sich mit einem zarten Lächeln. „Ja.“ Nickt Frida glücklich. „Denn jemandem eine Freude zu machen, ist noch schöner, als selbst beschenkt zu werden.“ Sie werfen einen letzten Blick auf die angerichteten Teller. Dann nehmen sie sich an der Hand und fliegen lautlos davon. Nur ein letztes Lächeln gilt dem eifrig mit den Streichhölzern hantierenden Tier, das versucht auf einem Baumstamm halt zu finden, um auch die obersten Kerzen zu erleuchten.

Im flackernden Licht glänzen die aufgereihten Pakete. Hat er wirklich alle mitgenommen? Hat er auch sicher keines verloren? Alles musste so schnell gehen. Er geht noch einmal rum und zählt. Wie viele mussten es sein? Er kratzt sich am Kopf. Hatte er an alles gedacht? Die rote Kugel ganz oben, zentral im Baum. Die Tannenzapfen zwischen den Kerzen. Alles sah so wunderschön aus. Aber würde es auch den anderen gefallen?

An der Marderhöhle beginnt das Tuscheln erneut. Warum dauerte das so lange? Ein kurzes Scharren, Schritte. Der Dachs tritt wieder in das fahle Licht des Mondscheins. „Was ist?“ rufen die anderen Tiere. „Wo sind unsere Geschenke?“ Der Dachts schüttelt resigniert den Kopf. „Malinius ist weg. Und mit ihm wohl auch unsere Geschenke.“ Die jüngeren Tiere kämpfen mit den Tränen, die älteren mit der Wut. Wie konnte Malinius so böswillig das ganze Fest zerstören. Wie konnte er all die Mühe so zu Nichte machen. Hatten sie nicht alle die letzten Tage darauf hin gearbeitet? Und hatte er womöglich auch noch die gesammelten Vorräte mit genommen?

Der Schnee unter den Hufen fühlt sich kühl an. Ein Fest, ein Weihnachtsfest, so viele schlimme Erinnerungen. Warum war er nicht Zuhause geblieben. Wie durch Watte marschierte er. Wie eine dicke Schicht Watte, die ihn vor allem Äußeren schützte. Wunder, ja Wunder waren etwas Schönes, dachte er. Aber sie blieben Wunder. Und wer  hatte schon die Möglichkeit in seinem Leben jemals ein echtes Wunder zu erleben? Seine Mutter hatte das nicht und seine Brüder hatten das nicht. Nein, niemand, den er wirklich kannte, hatte jemals von einem erlebten Wunder berichtet. Aber die Tiere des Waldes, die waren einst seine Freunde gewesen. Und als er die Tränen der Rührung in ihren Augen gesehen hatte, da wusste er, ihnen zu Liebe musste er diesem Fest beiwohnen. Ein letztes mal. Er würde die Zähne zusammen beißen. Und nicht an Mali denken. Und nicht an das Kind, das jetzt vor Begeisterung um den geschmückten Baum springen würde, wäre es noch am Leben.

Die Kälte drang bis unter sein Fell. So viel Traurigkeit hatte sich aufgestaut. Sie wollte raus, aber nicht heute, sagte er sich. Nicht heute, wo alle im Wald friedlich und fröhlich Beisammen sein wollten. Das durfte er nicht zerstören. Den anderen zu liebe.

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Malinius schmiss das abgebrannte Streichholz in den Schnee und pustete sich fluchend die Pfote. Auspusten, bevor sie runtergebrannt sind, sagte er sich ein weiteres Mal. Das muss einem ja auch mal jemand sagen! Wie soll man das wissen, wenn man noch nie ein Streichholz in der Hand hatte? Waren jetzt endgültig alle an? Er schlich noch einmal behände um den Baum herum. „Gut. Alles gut.“ Lobte er sich still. Dann wandte er sich an Bea und Bo, die im Geäst eines nahen Baumes saßen und staunten. Dass die mal sprachlos sind, soll was heißen, dachte Malinius zufrieden. „Hey, ihr da!“ rief er und die Meisen stürzten fast erschrocken vom Ast, so sehr waren sie ins Staunen vertieft. „Jetzt singen!“ forderte er sie auf. „Aber bitte nicht wieder so schief!“ fügte er mahnend hinterher. Bo und Bea richteten sich ehrenhaft auf und tuschelten sich ein letztes Mal die aufgeschnappten Textzeilen zu. „Erst heilige Nacht oder erst stille?“ flüsterte Bea verunsichert. „Erst stille!“ Erklärte Bo zum hundertsten Mal. Die ganze letzte Stunde hatten sie leise geübt, während Malinius los gezogen war, die Geschenke heimlich zum Baum zu transportieren. Und dann sangen sie. Dann sangen sie so zart, wie man es nur an Weihnachten kann. Sie sangen so weich und zauberhaft, so schön und klar, dass jeder im Wald sie hören musste. Vielleicht, weil sie geübt hatten. Aber vielleicht auch einfach, weil Weihnachten war. Und an Weihnachten vieles geht, mit dem wir nicht gerechnet haben. Vielleicht war es das kleine Wunder. Das kleine Wunder der singenden Blaumeisen.

Vor der Marderhöhle hielten alle im Getuschel inne. Ergriffen standen sie da. Und der Wald und die Dunkelheit trugen die Töne in ihre Herzen. Und langsam, ohne große Worte, setzten sie sich in Bewegung. Schritt für Schritt. Frau Maus griff nach der Hand von Ole, der vor Aufregung ein wenig zitterte. Und überall fügten sich Pfoten und Flügel zusammen. Lisbeth lehnte sich an den Fuchs, Bjarne legte seinen schweren Arm um Claus den Elch. Auf einmal waren sie genau das, was Weihnachten ausmacht. Eine Gemeinschaft.

Zwischen den Bäumen tauchten die Lichter der Kerzen auf, und voller unbändiger Vorfreude, voller Stolz und Aufregung saß Malinius davor. Das Glück derer in den Augen, die sich daran erfreuen, anderen eine Freude zu machen. Und als die Tiere zwischen den dunklen Bäumen hevor traten, so innig und vereint, da wusste er, wofür er das alles gemacht hatte. Nicht nur, um sich bei Bjarne zu entschuldigen. Sondern für diesen Blick auf all die Tiere, mit denen er sein Leben verbrachte. Alle, für die er etwas empfand. Und zu sehen, dass sie alle glücklich waren, in diesem Moment. Zu sehen, das sie sich alle hielten und voller Liebe und Dankbarkeit waren, dass war der schönste Moment für ihn.

Aber was ist mit den Geschenken? Fragt ihr euch. Ach Kinder, ein Weihnachten ohne Geschenke, das wäre für euch wohl unvorstellbar. Dann kann ich euch beruhigen. Jedes Tier bekam ein Geschenk. Jedes Tier raschelte voller Vorfreude mit dem Papier. Die einen ungeduldig reißend und die anderen bedächtige schüttelnd. Aber alle waren sie glücklich.

Alle, bis auf einen. Fipu, der all das verpasst hatte, weil er einen großen Teich umrunden musste, von dem er gehofft hatte, er sei längst gefroen und ganz einfach zu überqueren. Jetzt hatten ihne viele mühsame Schritte darum herum geführt und fast war er müde, zu müde für ein Fest. Und Geschenke? Was brauchte er Geschenke. Er wünschte sich nichts. Aber je mehr er sich der Lichtung näherte, desto mehr fröhliche Stimmen drangen zu ihm herüber. Und das Lachen der Tierkinder, so ungezwungen und frei und ehrlich. Und eine Stimme, die ihm in der Seele weh tat. Er blieb stehen und sah von weitem schemenhaft den Baum, die Tiere. Die Stimme bohrte sich so sehr in sein Herz. Er atmete schwer und jeder Schritt schmerzte. Im Dunkel der Bäume blieb er einen Moment stehen und sah ein kleines Ren um den Baum hüpfen. Es war Mali wie aus dem Gesicht geschnitten. Nein, er wusste, dass er nicht auf dieses Fest gehen konnte. Er wusste, dass er hier nicht glücklich sein konnte. Er wollte niemanden enttäuschen, aber war es nicht viel entäuschender einen unglücklich Gast zu haben? Leise machte er kehrt, als er eine Stimme flüstern hörte. „Fipu,“ flüsterte sie. Und zwischen den Bäumen sah er sie auf sich zu kommen. Wie früher. Ein Traum, so voller Wirklichkeit. Ihre warmen Augen blickten ihn an, so lange, bis ihre seicht schnaubenden Nüstern sich fast berührten. Und diese Wärme war echt.

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Gibt es Weihnachtswunder? Oh ja, die gibt es. Wir müssen sie nur zulassen.

Ihr glaubt, ihr wisst was Weihnachten ist? Habt ihr gut zugehört? Wenn ihr die Tiere vor euren Fenstern seht, dann flüstert es ihnen noch einmal zu. Man kann den Weihnachtszauber nicht oft genug weiter erzählen….

 

 

 

Teil 22 findet ihr bei Grosse Köpfe !

 

 

 

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