Emils Welt

IMG_9027Ich liebe Emil.

Emil ist ein wunderbarer kleiner Mensch. In Emils Leben gibt es sehr viel Gutes. Emil selbst ist auch etwas Gutes. Und das Gute, sagt Emil, gewinnt immer.

Emil ist positiv. Er hat viele Ideen und die setzt er um. Ganz viele Sachen spielen sich in seinem Kopf ab. Und dann spricht er darüber. Manchmal stundenlang. Meistens wenn er eigentlich schlafen soll.

In seinem alten Kindergarten war Emil auf allen Geburtstagen eingeladen. Bei den Kleinen und den Großen, den Jungs und den Mädchen. Und jeden morgen spaziert er ganz aufgeregt und fröhlich in den neuen Kindergarten.

Gestern war er ganz aufgeregt als ich ihn abgeholt habe.

„Mama!“ rief Emil. „Einer aus dem Kindergarten schenkt mir was!“ Ich freue mich. „Super,“ sage ich. Er hüpft und gestikuliert mit den Armen. Ich versuche ihm die Jacke anzuziehen. „Ein Star Wars Armband!“ Berichtet er weiter. „Wow,“ sage ich. Emil hüpft die Treppe herunter. „Morgen bringt er es mit!“ Er kann sein Glück kaum fassen.

Einen Moment lang sehe ich ihm zu wie er durch das Laub fetzt und sich freut. „Und das schenkt er dir einfach so?“ frage ich. „Nein,“ sagt Emil. „Die anderen Kinder sagen oft, dass sie mir etwas schenken, wenn ich aufhöre mitzuspielen.“

Ich bin sprachlos. Und zutiefst verletzt. Ich sehe ihn an und er hopst vor mir über den Gehweg. Er freut sich riesig. Aber ich weiß, dass er es nie bekommen wird. Das versprochene Armband. Ich weiß nicht wie ich reagieren soll. Also warte ich kurz, bis ich mich aklimatisiert habe.

“ Was machst du denn dann, wenn die anderen wollen, dass du nicht mehr mitspielst?“

„Dann spiele ich alleine.“ Antwortet Emil.

Das sind Kinder, sage ich mir. Die machen das so. Das sind Kinder, die sich schon länger kennen. Länger als sie Emil kennen. Die anders spielen als Emil. Und manchmal herum raufen und toben und ich weiß, dass das Emil häufig zu wild ist. Ich weiß, dass ich das hinnehmen werde. Ich werde niemanden darauf ansprechen. Ich werde warten. Emil ist nicht unglücklich. Nur ich bin es. Fast beneide ich ihn ein wenig um seine Naivität.

Am Nachmittag kommt ein Freund aus seinem alten Kindergarten. Am liebsten würde ich ihn festhalten und zwingen, für immer bei uns zu bleiben. Die beiden sind selig. Haben sich drei Monate nicht gesehen und nichts hat sich geändert. Am Abend krabbelt Emil zu mir aufs Sofa und sagt: „Weißt du was Lasse erzählt hat? In der Vorschule haben ihn andere Kinder gehauen.“ Auch das noch, denke ich. „Und das es erlaubt ist, andere nicht mitspielen zu lassen. Im alten Kindergarten war das nicht erlaubt.“ Ich nicke. „Und im neuen?“ Frage ich. „Ich glaube, da ist das erlaubt,“ sagt er nachdenklich. „Ich spiele ja auch manchmal nicht mit.“

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5 thoughts

  1. Weißt du, meine süße fünfjährige Tochter, die klug und wild, phantasievoll und oft so liebevoll ist, kann ohne mit der Wimper zu zucken einem anderen Mädchen erklären, dass sie gar keine Lust habe, auf ihren doofen Geburtstag zu gehen, wenn sie ein Einladung erhält. Sie erklärt ihrer Freundin völlig undiplomatisch, dass sie keine Lust habe, sich mit ihr zu treffen und sich zu verabreden, nie und nimmer und auf keinen Fall. Vor kurzem erklärte sie mir „Ich hasse Kinder.“ Ihr Patenkind im Kindergarten geht ihr auf die Nerven und eigentlich kann sie niemanden leiden. Dass dies nicht stimmt, weiß ich genau. Aber es tut mir so leid, wenn ich sehe, wie sie andere Kinder so vor den Kopf stößt und oft überlege ich mir, wie traurig sie wäre, wenn sie so behandelt würde. In dem Moment ist es so schwer, mitfühlend zu reagieren und sie nicht zurechtzuweisen. Diese Phasen werden vorbei gehen, dein Sohn wird bald dazugehören und meine Tochter kommt bald in die Schule. Die Karten werden neu gemischt und jede Erfahrung macht sie weiser und mitfühlender. So hoffe ich 😉

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    1. Liebe Cynthia,
      es tut gut, das Ganze auch mal von der anderen Seite aus zu betrachten. Und ich glaube dir, dass das genauso schwer ist. Eine Freundin von mir hatte einen Sohn, der im Kindergarten immer die anderen Kinder gebissen hat. Alle Mütter haben sie vorwurfsvoll angeguckt und hinter ihrem Rücken getuschelt. Aber sie hat immer wieder versucht zu erklären, dass ihr Sohn das in ihrem Beisein nie täte, sie somit gar keine Chancen hatte ihn einmal zurecht zu weisen, oder ihm zu erklären, dass man andere Kinder nicht beißen darf. Die anderen Kinder wollten irgendwann nicht mehr mit ihm spielen. Und für alle war es eine ganz festgefahrene Situation unter der im Grunde alle gelitten haben.
      Und ich glaube, man muss sich auch bewusst machen, dass Kinder tatsächlich entscheiden dürfen, wenn sie mögen und wen nicht. Ich mag auch nicht mit jedem Menschen morgens im Café sitzen. Ich suche mir die auch bewusst aus. Und Kinder sollen das auch lernen. Und genauso, dass vielleicht nicht jeder sie mag. Zumindest nicht als besten Freund. Aber schwierig ist es trotzdem. Wir warten erst mal ab.
      Liebe Grüße,
      Miri

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  2. Hallo Miriam,

    Eigentlich lese ich nur still mit. Nein, falsch eigentlich freue ich mich mit euch oder stimme ich dir leise beim Lesen deiner Blogposts seit den ersten Tagen deines Blogs zu. Heute kann ich nicht nur ruhig bleiben.

    Ich weiß, du tust das bestimmt immerzu aber bitte drück Emil heute nochmal besonders herzlich (ein bisschen auch von mir).

    Ich habe auch so ein Exemplar Zuhause unser Großer ist 5 und hat letztes Jahr umzugsbedingt den Kindergarten gewechselt. Solche Situationen haben wir auch oft erlebt. Zum Glück setzt sich die Enttäuschung bei ihm nicht fest – er glaubt fest an das Gute im Menschen und würde nie davon ausgehen, dass ihm jemand absichtlich etwas Böses will. Ich habe oft heimlich geweint, weil ich die vermeintliche Ungerechtigkeit erkannt habe. Jetzt ein Jahr später ist er im Kindergarten angekommen und hat auch Freunde, aber so wie im ersten Kindergarten ist es leider immer noch nicht. Ich gebe die Hoffnung nicht auf und bin mir sicher du wirst das auch nicht tun.

    Ich wünsche euch alles Gute und vor allem das Emil im neuen Kindergarten irgendwann auch einen wahren Freund findet. Ist man erst mal in der eingeschworenen Gesellschaft dabei, öffnen sich die anderen Türen (und Herzen) ganz von alleine.

    Viele Grüße
    Mama Maus

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    1. Liebe Mama Maus,

      vielen Dank für Deinen aufbauenden und so persönlichen Kommentar. Früher habe ich manchmal Artikel zu dem Thema gelesen – eher so durch Zufall – und mir im Stillen gedacht: Mein Gott, gut dass Emil so was nie passieren wird. Aber man kann noch so entzückende, kleine und positive Kinder haben, es gibt trotzdem Hoch und Tiefs. Und ich freue mich so, dass Emil immer noch seine alten Freunde hat. Überhaupt ist die „Wahl der Freunde“ glaube ich noch ein Thema, das einen sehr lange begleiten wird. Ich wünsche mir nur, dass er am Ende stark genug sein wird, sich für die richtigen zu entscheiden, und nicht meint, mit den anderen mit rennen zu müssen, nur weil alle das tun.
      Ganz liebe Grüße!
      Miri

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      1. So wie du deinen kleinen Mann beschreibst und nur mit Hilfe deiner Worte kann ich mir ein Bild machen – in Wahrheit natürlich nur einen kleinen Bildausschnitt- habe ich da keine Angst. Bleibt so wie ihr seid. Irgendwann erkennen die anderen was sie verlieren, wenn sie Emil nicht in ihre Herzen lassen.

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