Geld kommt und geht, aber wir haben nur ein Leben

IMG_4022Ich sitze an unserem Tisch und sehe auf sechs Kinder die Pizza essen. Wir kennen uns nicht. Nein, wir kennen uns seit knapp einer Stunde. Die Kinder haben die Pizza mit Paul gemacht. Sie lachen. Mir gegenüber sitzt eine Frau, die ich bis vor einer Stunde auch nicht kannte. Und sie sagt diesen Satz. Geld kommt und geht, aber wir haben nur ein Leben.

Sie und ihr Mann und ihre vier Kinder sind unsere Gäste heute. Wir sind uns fremd und doch ganz vertraut. Wir essen, wir lachen mit den Kindern, trinken Tee. Sie aus Afghanistan, wir aus Deutschland. Sie noch vor kurzem auf der Flucht, drei Monate lang, mit drei Kindern und hochschwanger. Wir sicher in unserer dekadenten Hamburger Altbauwohnung. Aber sie bringen Dinge auf den Punkt. Wir haben nur ein Leben. Und wenn es darauf ankommt zählt nur dieses.

Ich lasse diesen Abend, dieses Treffen und diese neue Verbindung lange nachwirken. Wie viel Stärke wir entwickeln können. Wie viel Kraft wir haben, um unsere Kinder zu schützen. Wie viel Kraft wir Menschen haben, um unserer Familie weiterhin eine Stütze zu sein. Egal wo. Elternsein gibt uns ungeahnte Kräfte.

Ich bringe meine Kinder ins Bett. In warme, saubere Betten, in einem Zimmer mit Blick auf den Garten und die erleuchteten Fenster der anderen Häuser. Hinter den Scheiben sitzen Menschen, die ich nicht kenne, aber denen ich niemals misstrauen würde. Ich habe keine Furcht auszustehen. Ich habe noch niemals damit rechnen müssen, dass mich womöglich jemand verrät. Das mich jemand bedroht. Das jemand meine Töchter zwangsverheiraten wird. Oder meinen Vater vor meinen Augen tötet, weil er heimlich eine Schule für Mädchen gegründet hat.

Ich stehe an ihren Betten und höre sie atmen. Sie kennen nur die Angst vor Monstern unter dem Bett. Die Angst, man könne vergessen sie vom Sport abzuholen, oder eine Ente die ihnen zu nahe kommt könnte mit dem Schnabel nach dem Brot in ihren kleinen Händen schnappen.

Sie kennen keine Angst vor dem Tod. Keine Angst davor, ihre Freunde und Familie mitten in der Nacht verlassen zu müssen.

Ich bin dankbar, dass ich sie nicht durch die Kälte tragen muss. ich bin dankbar, dass ich nicht fürchten muss, dass jemand sie mir entreißt.

Wir alle würden unsere Kinder bis ans Ende der Welt tragen. Wir würden uns bei Regen über sie beugen, würden ihre kalten Hände in unseren wärmen. Wir würden unsere Jacken über ihre schlafenden Körper legen, wenn der erste Schnee fällt. Wir würden ihnen das letzte Brot geben, auch wenn wir langsam zu schwach werden sie zu tragen. Wir sind bereit, überall hinzugehen um sie zu schützen. Aber wir machen uns viel zu selten bewusst, wie gut wir es haben, das wir nicht in diese Situation kommen. Im Gegensatz zu Tausend anderer Mütter, die tagtäglich immer noch tragen. Und fürchten. Und hungern müssen.

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One thought

  1. die erde ist ein lebewesen und ich versuche hier zu kommunizieren, dass jeder seinen ökologischen fussabdruck korrigieren, bzw. verkleinern muss. wir könnten in einer besseren welt leben, wenn jeder seinen eigenen konsum überdenkt, weniger verbraucht und dafür gerechte und faire preise bezahlt. die erde darf nicht sterben!

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