Kleine Abenteuer in der Wildnis

IMG_5547Seitdem wir hier sind, leben wir ohne Uhr. Zeit spielt gar keine Rolle mehr. Wenn die Sonne durch die Ritzen der Vorhänge scheint stehen wir auf und wenn sich die schwarze Nacht über den See legt, so dass man seine eigene Hand nicht mehr vor Augen sehen kann gehen wir schlafen. Manchmal nur eine Stunde nach den Kindern. So viel geschlafen wie hier haben wir schon lange nicht mehr.

Die Tage verbringen wir draussen. Auch bei Regen. Heute allerdings hat sich das Wetter noch einmal paradiesisch gezeigt. Den ganzen morgen haben wir im Wald Holz gesucht fürs Lagerfeuer am Abend. Emil hat Äste gebrochen und geschleppt, mit dem Schnitzmesser hantiert und immer nach Bären Ausschau gehalten. Gegen Mittag schien die Sonne so klar und rein aufs Dock am See, dass wir unser Picknick mit ans Ufer getragen haben. Aber das Wasser – so türkis wie in der Karibik – erschreckt mit seiner Eiseskälte. Nur Ann und Paul trauen sich noch hinein. Wunderschön sieht es aus, wenn sie durch das glasklare Wasser gleiten.

Am Nachmittag fahren wir mit dem Boot über den See. Emil und Ann gehen durch die Wälder. Manchmal sehen wir ihre bunten Jacken durch das Unterholz laufen. Ida sinniert. Sie sieht in die Sonne, starrt in das glitzernde Wasser. Am Ufer legen wir an und finden dicke Würmer, die sich vor Schreck zusammen rollen, eine Raupe und eine Schlange. Paul erschreckt sich zu Tode. Sie ist aber auch direkt vor seinen Füßen davon gezischt.

Auf dem Rückweg beugt Ida sich über den Rand des Bootes und schöpft Wasser im Eimer. Das geht einmal gut. Und ein zweites mal. Dann verschwindet der pinke Plastikeimer im dunklen Seewasser. Ida schreit. „Meiner Eimer!!“ Paul versucht zu drehen, ich versuche nach dem Eimer zu greifen. Weit entfernt am Ufer tauchen Emil und Ann auf und winken. Sie verstehen nicht, wieso wir wenden. Der Eimer treibt unter das Boot. Ida schreit noch mehr. „Du musst drehen!“ sage ich zu Paul. Paul dreht und durch den Schlag des Paddels treibt der Eimer auf einmal auf der anderen Seite davon. „Meiner Eimer!!!“ Ida verzweifelt. Paul versucht ihn mit dem Paddel zu erwischen, der Eimer taucht ab. Ida kreischt. Wir wenden noch mal, der Eimer verschwindet erneut unter dem Boot. Als er auf der anderen Seite wieder auftaucht und wir uns beide übereifrig herauslehnen um ihn zu greifen, sind wir kurz davor samt Boot zu kentern. Ida ist das egal. Keiner von uns greift zu, um das Gleichgewicht wieder zu erlangen und Ida schreit „Meiner Eimer!“ Das pinke Plastikding dümpelt immer direkt vor uns herum, aber immer eine Armeslänge entfernt. Und mit jedem Paddelschlag treibt er wieder einen halben Meter davon.

Wir wenden ein drittes mal. Emil und Ann sind verschwunden. Anscheinend hatten sie keine Lust mehr unserem Wendemanöver zuzusehen. Beim fünften Versuch lässt das doofe Ding sich immer noch nicht greifen. „Dann lassen wir ihn hier,“ sagt Paul. „Wir können keinen pinken Plastikeimer in einem völlig unberührten, nicht bewohnten See lassen. Das sieht scheiße aus,“ sage ich. Wir wenden noch einmal. Im Grunde müssen wir ziemlich über uns selber lachen. Am Ende erwischt Paul den Eimer mit dem Paddel. „Meiner Eimer!“ schreit Ida erfreut. Bis zum Ende des Sees hält sie ihn fest zwischen ihre Beine geklemmt. Kleine Abenteuer in der Widlnis – wir treffen keinen Bären und übernachten nicht im freien, aber uns fällt immerhin ein pinker Plastikeimer in den See.

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