Den Duft von Feuer in der Nase

Von einem Tag auf den anderen ist es kalt geworden am Blue Lake. Bis gestern waren wir schwimmen im See, aber heute sind die Temperaturen drastisch herunter gegangen. Man kann den Bäumen beim gelb und rot werden zusehen. Morgens präsentieren sie ihre Blätterpracht noch in einer anderen Farbe als am Spätnachmittag. Seit ein paar Tagen heizen wir mit dem Feuer im Ofen. Wenn wir vom schwimmen nach oben ins Cottage kommen brauchen wir es warm. Das Feuer knistert und wir essen frisch gebackenen Pflaumenkuchen. Die Kinder gehen oft zum spielen nach oben. Von der Galerie aus können sie zu uns hinunter sehen. Ich höre sie mit Holzautos über den Boden schieben.

Die ersten gesammelten Blätter trocknen in Emils Skizzenbuch. Und in einem Beutel tragen wir weitere Tannenzapfen nach Hause. Sie lassen das Feuer besser brennen. IMG_4095

Ich lese viel in Anns Buch. Hin und wieder leiste ich ihr in der Küche beim backen Gesellschaft und frage sie, was wahr ist und was nicht. Vieles in diesem Roman verstrickt autobiographisches mit literarischer Fantasie. Das meiste aber, über das ich staune, stellt sich als wahr hinaus.

Wenn Emil, Paul und Ann schwimmen, fahren Ida und ich mit dem Ruderboot auf den See hinaus. Sie sitzt vorne und schöpft Wasser mit ihrem kleinen Eimer. Der See liegt ganz ruhig da. Wie ein glatter Spiegel des Himmels. Nur das Dellen der Hunde klingt manchmal zu uns hinüber. Ansonsten ist es still. Ich hätte nicht gedacht dass ich alleine mit einer gerade Zweijährigen so viel und entspannt rudern würde. Aber Ida sitzt da und sieht hinaus, spielt mit dem Wasser und winkt manchmal den Hunden zu, die uns am Ufer folgen.

Den lang ersehnten Bären haben wir immer noch nicht entdeckt. Die Kinder und die Hunde sind auch viel zu laut. Vielleicht auch gut so. Ich würde mich ziemlich erschrecken, wenn plätzlich einer zwischen den Bäumen auftauchen würde.

Wir haben auf einem Spaziergang gestern einen winzigen Ahorn aus dem Boden befreit. Er ist kleiner als Emils Hand, aber er hatte bereits zwei leuchtend rote Blätter, fast pink wirkten sie. Wir haben eine kleine Wasserflasche zerschnitten und etwas Erde hineingefüllt. Kanadische Erde. Er soll sich ja auch heimisch fühlen. Mal sehen, ob wir es schaffen, ihn nach Deutschland zu bekommen. Unser ganz eigenes kleines Stück kanadischer Wildnis.

Egal ob es regnet oder die Sonne scheint, die Kinder zieht es nach draussen. Sie rennen und klettern die kleinen Berge hinauf, laufen durchs Unterholz und wischen sich ihre nassen Haare aus den Gesichtern. Mögen Bären Regen?

Emil streichelt einen Frosch. „Ich glaube, er kennt mich,“ sagt er. Das finde ich schön. Sich zu kennen, obwohl man sich gerade erst kennenlernt. Der Frosch hält ganz still. Zumindest so lange, bis Emils kleinen Füsse auf dem feuchten Stein ausrutschen und er mit dem Po ins Wasser fällt. Da hopst der Frosch davon und Emil hat schlechte Laune.

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Am Nachmittag suchen wir Holz fürs Feuer. Zwischendurch schwimmen. Ich sitze mit Strickjacke und Wollmütze am Ufer, Emil tollt im Wasser herum. Alles um den See färbt sich gelb, manches rot. Morgens dampft der See, wenn die Außentemperatur kälter ist als das klare, türkis grüne Wasser. Paul hackt Holz und Ida sammelt die schmalen Scheite um im Ofen ein Tipi zu bauen. Das Tipi brennt am besten. Die Hunde rennen zwischen uns herum und schrecken ein Waldhuhn auf, das völlig verängstigt flatternd im Wald verschwindet. Ich rieche den Herbst förmlich.

Am Abend stecken wir Emil und Ida in die Badewanne. Cottage-Luxus mitten im Wald. Vor dem Fenster wiegen sich die gelben Bäume seicht im Wind. Die Kinder planschen und kreischen und ziehen dann mit dicken Socken und warmen Pullovern vor den Ofen.

Paul grillt auf der Veranda. Es duftet nach Holzkohle und verbrannten Tannen. Die Haare der Kinder duften noch danach, als wir sie ins Bett bringen. Eng an sie geschmiegt, mit dem Duft von Feuer in der Nase.

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