Oh wie schön ist Kanada

IMG_3918Als die Dunkelheit hereinbricht schiebt sich der Mond riesig über den Wald, der den See säumt. Still ist es. Und das schimmernde Mondlicht schiebt sich langsam über den dunklen See. Die Kinder schlafen.

Das Haus liegt weit über dem See, eine schmale Treppe führt zum Wasser hinunter. Am Fenster im Bad sieht man manchmal die Bären vorbei ziehen. Emil sitzt lange dort auf der Lauer, kauernd unter dem Fenster. Er ist sehr ausdauernd. Aber die Bären lassen sich heute nicht blicken. Immer wenn die Hunde anschlagen rennt Emil hinter ihnen her in der Hoffung, sie bellen einen Bären, oder wenigstens einen Waschbären an. Aber bis auf ein paar Eichhörnchen halten die Tiere sich versteckt hier in der Wildnis.

Ida hat es sich zur Aufgabe gemacht in der Stunde ungefähr 100 mal „Mika!“ zu rufen, bis die Hündin endlich aufsieht um dann kreischend auf einen Arm zu flüchten.

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Sie sitzt lange auf dem Steg in der Sonne und gießt Wasser von einem Eimer in den nächsten. Die Sonne scheint auf ihre perfekte Haut, während Emil mit Paul und Tante Ann weit auf den See hinaus schwimmt. Die Sonne taucht das Seewasser in eine Landschaft aus Tausend glitzernder Perlen.

Am Abend stehen die Kinder mit dem Fernglas und einem Teleskop am Fenster und sehen lange auf den See hinaus. Emil hat geholfen das Feuer im Ofen anzuheizen und es wird warm. Tante Ann erzählt von Bären und vom Winter. Drei Kilometer muss sie mit Skiern durch den Wald um das Haus zu erreichen. Einmal, sagt sie, sei ihr die Wasserflasche gleich bei ihrer Ankunft in der Küche des Hauses ausgelaufen. Kurze Zeit später ist sie auf dem Eis ausgerutscht. So kalt war es im Haus. Eine Heizung gibt es nicht. Nur den Ofen. Im Winter darf einem das Holz nicht ausgehen. „Aber,“ sagt sie zufrieden. „Nach einer halben Stunde sind es meistens schon Null Grad.“

Zwanzig Hektar Land gehören ihr. Und nur sie darf hier leben. Das ganze andere Ufer gehört den Indianern. Die Kanadier passen auf, dass die Seen nicht besiedelt werden. Und es gibt Tausende. Nicht umsonst heißt es hier in Ontaria „Das Land der Tausend Seen.“

Eine Straße gab es nicht, als sie hierherkam. Und immer wieder stellen sich Bären in den Weg, wenn sie nach einer Woche in der Stadt hierher zurück kommt. In die Wildnis.

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Es ist ein Haus der Kinder. Und der Nationen. „Mika“, die treue, schwarze Hündin hat ihren Namen bekommen, weil er sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch und Hebräisch gut auszusprechen ist. Pauls Cousin, der seit Jahren in Israel lebt, kommt einmal im Jahr mit seinen Kindern hierher. Acht sind es bis jetzt. Sie lieben das Haus und das Gefühl frei zu sein. In israel lebt die Familie auf 100 Quadratmetern. Zu zehnt. Es gibt kosheres und nicht kosheres Geschirr, es gibt alte Schneeschuhe an den Wänden, kleine Kunstwerke der Indianer in den Regalen, gesammeltes Treibgut auf einem Tisch im Wintergarten und einen neunarmigen Kerzenständer, für den Sabbath. Auf den Betten liegen bunte Quilts, fast alle Möbel erzählen eine Geschichte. So wie das Haus. Die alten Balken, die das Dach tragen, sind aus einer Scheune, die mehr als 100km von hier entfernt stand. Selbst die Fenster sind „second hand“. Das was man bekam, wurde genutzt. Das was einen hier umgibt, erzählt eine Geschichte und transportiert eine Atmosphäre.

Wer hier lebt nimmt die Natur wie sie ist. Greift nicht ein und beklagt sich nicht. Wer hier lebt, weiß sich zu arrangieren. Und zu helfen. In einer alten Goldgräberhütte unten am See hat ein Kanadier ein paar Sachen untergestellt. Manchmal kommt er zum angeln. Und um bei Tante Ann Holz zu hacken. Ohne ihn kein Feuer. Ohne Feuer keine Wärme.

Der See bietet so viele Fische, dass man sein täglich Brot davon bestreiten könnte. Paul findet die Vorstellung zu Angeln sehr romantisch, einen Fisch töten aber könnte er nicht.

Wir essen Apfelpfannkuchen mit Äpfeln direkt vom Baum. Das ganze Haus duftet nach Zimt. Die Hunde liegen erschöpft auf ihren Decken vor dem Fenster und schlafen. Den ganzen Tag mit den Kinder herumgerannt. Jetzt sind sie müde. Emil sieht noch mal durchs Fernglas. Einen „Blutmond“ soll es heute geben. Wenn die Erde sich zwischen Sonne und Mond schiebt und doch noch Strahlen durchlässt färbt dieser sich blutrot. Als die Kinder schlafen stehen wir mit unserem Wein auf der Veranda und sehen auf den See hinaus. Aber der Mond versteckt sich hinter den Wolken. „Egal,“ sagt Paul. „Es ist trotzdem wunderschön.“

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One thought

  1. Liebe Miriam,
    vielen Dank, dass du uns trotz Urlaub auf dem Laufenden hältst. Es ist spannend von eurer Reise auf der anderen Seite der Welt zu hören und die schönen Bilder anzuschauen.
    LG Carina

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