One hour Elmira Road

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Morgens um neun sitzen wir auf den gepackten Koffern und warten auf unseren auf unseren Fahrer zum Flughafen. Da steht unser bestellter Wietwagen. Wir haben lange überlegt ob wir es nicht mit der Ubahn schaffen, aber wir haben 2 große und 2 kleine Koffer, Handgepäck, zwei Buggys und zwei Kleinkindern und das Problem mit den new Yorker U-Bahnen, die Fahrstühle als überflüssig empfinden.

Unser Fahrer entpuppt sich als freundlicher Südamerikaner und sechsfacher Familienvater, der sehr unterhaltsam ist. Innerlich nehmen wir Abschied von new York.

In unseren Mietwagen passt natürlich nicht alles rein. Sparsam gebucht und dann die Ernüchterung. Bei allem Schieben und drücken – es passt nicht. Die Kinder sitzen in der Sonne auf dem Parkplatz und kichern. Immerhin haben wir Glück. Eigentlich müssten wir zurück ins Office und alles umbuchen. Die Auto-Zuweiserin lotst uns aber heimlich zu einem größeren Wagen. Die Kinder sind begeistert. Dabei sieht er eigentlich aus wie unser Auto Zuhause. Ist aber rot und das scheint gerade für Begeisterungsstürme zu sorgen. Gut, mit den Kindersitzen tun sie sich schwer und wir bekommen für beide nur eine Sitzerhöhung. Vielleicht muss man sich von einigen Sicherheitsbedenken mal verabschieden. Es ist kein besonders intelligentes Argument, aber wir sind schließlich früher auch immer ohne Kindersitze gefahren. Und bisher hat es in Italien keinen Taxifahrer interessiert ob wir ein oder zwei Kinder pro Fahrt auf den Schoß nehmen. Und ich denke noch mal an meine New Yorker Freundin Miriam, die ganz bezeichnend feststellte: „Wenn man alles so haben will wie in Deutschland, dann muss man eben in Deutschland bleiben.“

Das Navi funktioniert, aber der Ton nicht, also bin ich der Ton und sage alles falsch. Wir irren durch die Bronx. Die Kinder wollen essen. Sie schreien dazwischen und Paul versteht mich nicht und ich verstehe das Navi nicht. Wir fahren fast eine Stunde durch New York bis wir endlich die Straße finden, die uns nach New Jersey führt. Alle sind angestrengt.

Je weiter wir gen Norden fahren, desto mehr lassen sich die ersten Anzeichen des nahenden Indian Summers erkennen. Um drei breiten wir unsere Picknick Decke im Schatten einer Kirche aus und spielen Hockey mit langen Ästen und einem Ball, den wir im Gebüsch gefunden haben. Emil sammelt Blüten, die er pressen und in sein Erinnerungsbuch kleben will. Wir schlendern über einen Friedhof – es ist heiß und still. Nur ein paar Grillen zirpen. Die Sonne wirft ein warmes Licht über ein paar grasende Pferde, um deren Köpfe die Fliegen schwirren.

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Um siebzehn Uhr erreichen wir Ithaca. Eine wunderschöne Stadt. Im warmen Licht der Sonne reihen sich weiße Holzhäuser aneinander, gesäumt von großen, alten, Schattenspendenden Bäumen. Auf den breiten Veranden stehen Kürbisse. Wir sind endlich da. Die Kinder sind langsam fertig. Erst in Ithaca Downtown merken wir, dass wir die falsche Adresse ins Navi eingegeben haben. Bis zur Zieladresse noch zwanzig Minuten. Die Kinder protestieren. Ich auch. Wir sind jetzt seit sieben Stunden unterwegs. Ich gebe die Zielstrasse ein, es hakt aber bei der Hausnummer. Ich höre schreiende Kinder und vergesse das. Nach einer halben Stunde auf der Elmira Road sind wir nur noch zwischen Wiesen und Wäldern. „Wann sind wir da?“ fragt Paul. Ida schreit dazwischen. „In einer Minute,“ sage ich mit Blick aufs Navi. „Ach, ich hab ja die Hausnummer gar nicht eingegeben….“ Wir sehen uns um. Hier kommt nichts mehr. Die Kinder schreien. Wir versuchen irgendwo zu wenden. Paul ist jetzt auch genervt. Wir haben den ganzen Tag außer Banenen und Äpfel nichs gegessen. Ida isst einfach ihre 5. Banane. Emil sagt, er kann jetzt wirklich nicht mehr sitzen. Ich suche die Hausnummer raus. 356. Das nächste Haus das wir erreichen hat die Nummer 2065. Und die Häuser kommen hier nicht dicht an dicht. Wir brauchen noch mal 25 Minuten zurück bis nach Ithaca. Eine Stunde sind wir im Grunde durch die Stadt gefahren. Um sechs kommen wir an. Die Kinder sind fertig, wir auch.

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Weil es kein Schwimmbad geht gehen sie baden. Sie kreischen und kichern vor Glück. Es ist genau wie bei unserem letzten Roadtrip. Nach langen Fahrt kippt auch ihre Stimmung mal – aber so bald sie aussteigen erfreuen sie sich an allem.

Wir gehen ein bisschen im Dunkeln die Strasse entlang und suchen einen Supermarkt. Aber wir sind mitten im Industrieviertel. Es gibt Läden für Traktoren und Gartengeräte. Auf einem finsteren Parkplatz treffen wir eine Familie und schildern unser Problem. Sie sind verwirrt. Warum wir nicht essen gehen ist ihnen glaube ich ein Rätsel.

Als wir endlich einen Supermarkt gefunden ahaben tragen wir unsere Einkäufe nach Hause und weil die Kinder sich ein Picknick wünschen, picknicken wir auf dem Boden vor unserem Hotelzimmer. Da sitzen wir nun, im Schein der Lampen des angrenzenden Autohändlers. Und es ist egal. Es fühlt sich gut an. Wir trinken ein Bier und sehen in den Himmel. Unser Hotel Nachbar kommt kurz zum rauchen raus. „Picnic?“ fragt er belustigt. „We are from Europe,“ sagt Paul. We are different.“

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