New York mit Kindern

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Die Leute fragen, was wir denn in New York mit Kindern machen wollen. Shoppen? Ich bin noch nie irgendwo hingefahren geschweige denn geflogen um zu shoppen. Was ich in New York mit Kindern machen möchte? Das, was Kinder gerne machen. Etwas entdecken.

Wir hatten einen Plan geschrieben, was wir sehen wollten und wir hatten einen Plan im Kopf der besagte: Pläne kann man ändern.

New York will auch da entdeckt werden, wo es keiner erwartet. New York möchte auf der Höhe gesehen werden auf der Kinder sehen. Und New York zeigt uns das, was Kinder sehen. Sie sehen Polizisten auf Pferden und an jeder Ecke einen Spieplatz. Sie sehen Squirrel in den Parks, Schildkröten im Central Park. Sie sehen eine Welt wie wir sie nicht sehen. Und Dinge die wir sehen, die ziehen an ihnen vorbei. Bis zum Ende haben wir versucht eine Begeisterung für die Höhe der Gebäude zu schaffen. Aber die Relation blieb irgendwie aus. „In Hamburg sind die Häuser auch hoch,“ konsternierte Emil nur. Höhe hat nicht den Stellenwert den wir erwartet hatten. Aber die Kletterfelsen im Central Park hatten einen so hohen, das wir ihn kaum greifen konnten. Und wer besonders hoch klettert, kann von dort aus besonders viele Hochhäuser sehen. Auf einmal haben sie eine Bedeutung. Wenn man sie von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet.

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New York ist groß und turbulent. Zwischen den hohen Häusern verschwindet die Sonne schnell und der Himmel erscheint einem klein. Wir waren froh unsere Unterkunft in Brooklyn zu haben. Zwischen den vielen typischen Brownstone Häusern gab es überall Spielplätze und öffentliche Gärten. Zwischen den Häusern wachsen hier wilde Blumen, Salatköpfe und Basilikum.

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Wenn wir reisen gehen wir morgens mit einem vagen Plan aus dem Haus. Wir steuern etwas an, was wir uns als erstes Ziel setzen. Dort angekommen ergibt sich der Tag von alleine. Man kann den nächsten Zielpunkt ansteuern, oder sich treiben lassen. Einen Tag treiben wir nach dem Highline Park in einen kleinen, paradiesischen Church of St. Luke in the fields Kirchgarten. Es ist still dort und zu Pauls und meiner absoluten Verwirrung flirrt ein Kolibri an uns vorbei und erobert Blüte für Blüte wie ein Schmetterling. Die Kinder spielen auf dem Rasen. Manchmal kommt jemand vorbei, gießt die bunte Blütenpracht oder setzt sich auf eine Bank und liest ein Buch. Hinter den Kirchmauern liegt dieser Garten nahezu gänzlich versteckt. Er wärmt uns mit seiner Ruhe.

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Der Highline Park ist ein auf den ehemaligen Schienen einer Hochbahn gebauter Park, der sich über Kilometer durch Chelsea zieht. Manchmal erhascht man einen Blick auf den Hudson River. Vieles was angelegt ist wirkt bewusst wild. Grün gepflegte Rasenflächen und akkurat gepflanzte Blumen hat man nicht zu erwarten. Es ist ein kleines Paradies mit manchmal negativem Blick auf dreckige Hinterhöfe. IMG_2482Am Ende des Parks erwartet uns eine öffentliche Kunstaktion. Aus Tausenden weißer Legosteine entstehen hier gigantische Kunstwerke. Wer mitbauen mag, kann mitbauen. Ida baut unter den davor vorgesehenen Tischen, Emil baut an den großen Legowelten mit. Zeit spielt keine Rolle. Auch in New York nicht. Wer mit Kindern reist, darf keine Uhr besitzen. Und bei der Zeitverschiebung noch nicht mal eine innere. Wer schlafen will, der schläft, wer lange Lego bauen will, der baut.

Im Chlesea Markt frühstücken wir an meinem Geburtstag, aber die urpsürngliche Faszination dieser Markthalle hat ein wenig verloren. In jedem Reiseführer angepriesen führt sie so langsam ein Touristenleben und grenzt einen aus, aus dem Leben der New Yorker. Nach dem Highline Park finden wir durch Zufall den Gansevoort Market. In einer offenen Halle wird hier gegessen, Kaffee getrunken und gebacken. Es gibt veganes, vegetarisches, viel organic food. Die Menschen sitzen an langen Tischen zusammen. Separarieren ist hier nicht erwünscht. Wir geniessen das. Die Kinder laufen zwischen den Tischen herum. Niemand stört es.Um die alten Säulen wachsen die Reste der Bäume, die einst hier standen. Wir können den Gansevoort Market in Chlesea nur empfehlen.

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Im Washington Square Park gibt es eine Kletterlandschaft aus Seilen, die die Kinder ewig beschäftigt. Neben Vögel und Squirrel jagen klettern sie an den Seilen herum, während Paul und ich in der Sonne liegen und Kaffee trinken. Die Zeit gehört uns. Die pulsierende Stadt um uns herum wartet nicht, sie präsentiert sich schon. Nur in einem anderen Licht als bei unsererm ersten Zusammentreffen. Die Sonne wirft ihr warmes Licht auf uns.

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Der Zoo im Central Park ist winzig. Und gleich zu Beginn geraten wir in eine Vorführung einiger Seelöwen die uns bedrückt. Emil ist hin und hergerissen. Er weiß das die Seelöwen hier nicht glücklich sind. Aber er ist ein Kind. Sein Mund steht offen, wenn sie Fische aus der Luft fangen. Ich kann meine Kinder nicht andauernd belehren, was Recht und Unrecht ist, wenn ganz augenscheinlich etwas für SIE ausgerichtet ist. Wenn alle Kinder um sie herum lachen und staunen. Sie sehen nicht das für uns so augenscheinlich ungerechte, sie sehen, dass ein Seehund seinen Pfleger küsst. Und sehen darin etwas Gutes. Wie kann ein Kuss denn etwas negatives sein? Kann ein Seehund unglücklich sein, der so an seinem Pfleger hängt?

New York ist ein Abenteuer. Vielleicht nicht das Beste, um seine Reise zu starten. Um den Jetlag zu bewältigen. Um schlechtgelaunte und übermüdete Kinder durch Straßenschluchten zu schleppen. Aber es ist auch eine Stadt der verborgenen Abenteuer. Eine Stadt die so vieles zu entdecken hat. Neben den üblichen Pfaden.IMG_3311

Für uns war es diesmal eine ganz andere Stadt als beim ersten mal. Sie hat uns eine andere Seite gezeigt. Auch eine viel ruhigere. Weil wir auf der Suche nach Ruhe waren. Eine Stadt, die uns diesmal viel langsamer erschien. Auf der einen Seite viel friedlicher, aber auf der anderen Seite auch viel dreckiger, viel anstrengender, schon allein wegen der vielen Treppen und der nicht vorhandenen Aufzüge. Wir haben keine Wickelmöglichkeiten gefunden – außer draussen – wir haben sehr über die Sparsamkeit gestaunt, mit der im Central Park die Mülleimer verteilt wurden. Und über die Preise, die wir für Obst, Gemüse und Brot ausgegeben haben, nur um morgens Zuhause frühstücken zu können. Wir sind nach fünf Tagen abgereist mit dem Gefühl, sehr viel und doch sehr wenig gesehen zu haben. Und mit der Gewissheit, dass es genau richtig war, so wie es war. Es wurde Zeit, die Großstadt zu verlassen und uns auf den Weg Richtung Kanada zu machen.

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