Ein Tag New York – über die Subjektivität des Schreibens

IMG_2879

Ein Tag new York  Sicht 1

Vier Uhr, die Kinder sind wach. Immerhin haben wir etwas zu Essen da. Eigentlich ist es ja auch egal wie spät ist es. Wir müssen uns jetzt ein bisschen nach unserer eigenen Uhr richten. Wir machen Frühstück und sind somit bei Sonnenaufgang schon an der U-Bahn.

Im Central Park steht die Sonne noch niedrig über den Bäumen. Wir finden einen Spieplatz und beginnen den Tag entspannt. Außer uns ist nur eine weitere Familie da. In den meisten Fällen sind es keine Familien sondern Nannys mit Kindern. Emil und Ida toben herum und sind ein Herz und eine Seele. IMG_2770

Vor dem Natural Museum of history steht bereits eine lange Schlange. Paul geht erst mal Kaffee und Muffins holen. Amerikanisches Frühstück auf dem Spieplatz. Ida jagt Squirrel, diese kleinen, zutraulichen grauen Eichhörnchen, die sich einen Spaß daraus machen, zwischen den Füßen der Kinder hin und her zu huschen. Eine amerikanische Schulklasse entert den Spielplatz und wird vom übermotivierten Lehrer mehrere Runden rennend um die Spielgeräte getrieben. Die meisten haben Spaß daran – ich finde es nur etwas befremdlich, dass sie während ihres kleinen Sport Diskurses ihre Schuluniformen tragen. Zwei kleine übergewichtige Jungs kommen ganz schön ins schwitzen. Deren Uniformen möchte ich nicht den ganzen Tag noch tragen müssen. Auf diese Klasse folgt eine andere, der im Park vorgelesen wird. Das gefällt mir.

Im Natural Museum of History ist es voll und jemand brüllt uns erst mal entgegen, wir mögen die Buggys zusammen klappen, bevor wir die Stufen erklimmen. Okay. Behindertenfreundlich ist hier übrigens gar nichts. Wirklich gar nichts. Wer keine Beine zum Laufen hat, macht halt nicht mit. Drinnen tummeln sich die Menschen zwischen den Dino Skeletts. Emil und Ida halten sich an den Händen, sind aber schwer beeindruckt. Sie laufen hin und her und zeigen auf alles mögliche. Angeblich gibt es eine Ausstellung mit lebenden Spinnen. Wie sehr mich das begeistert weiß ich noch nicht so genau.

IMG_2823

Das Natural Museum of history ist irgendwie anrührend. Vieles sieht aus wie aus den sechzigern. Vor naiven Hintergründen mit leicht ausgeblichenen Farben sind ausgestopfte Tiere abgestellt. Außerdem ist es überall dunkel. Paul meint, wahrscheinlich damit man nicht so genau sieht, wie kaputt es an manchen Stellen schon ist. Vieles ist aber auch beeindruckend. Vor allem die Kinder sind begeistert. Rennen hin und her, favorisieren aber definitiv die Tiere und nicht die unterschiedlichen Kulturen, die dargestellt werden. In der Halle für Meerestiere gibt es einen riesigen Blauwal der von der Decke hängt. Emil und  Ida rennen darunter hin und her. Die Spinnenausstellung kostet extra. So viel sind mir Spinnen jetzt wirklich nicht wert.

Die Kinder haben Hunger. In New York kann man entweder etwas essen, oder einen Kaffee trinken, oder shoppen. Es ist ein bisschen wie auf den alten Suks in Marokko, nur um ein vielfaches größer. Es gibt Ecken in denen gibt es in der Straße ein Cafe´ neben dem anderen. Oder Bagels. Das was man gerade sucht gibt es dann meistens nicht. Wir finden Pizza und nehmen die mit in den Park.

Am Ladies Pavillion im Central Park erklimmt Emil die Felsen und Ida bestaunt Gänse. Ein paar Boote ziehen vorbei. Und wir machen die Bekanntschaft mit Schildkröten. Sie sitzen auf den niedrigen Steinen im Wasser und sonnen sich. Im Pavillion hinter uns heiratet ein deutsches Pärchen. Ich sitze auf den Felsen in der Sonne und beobachte sie. Und ich frage mich, ob sie wohl am Ende nach Hause reisen und sich sagen, dass alles so richtig war. Das es sich gelohnt hat. Ich möchte nicht wissen, was sie dafür bezahlt haben. Aber irgendwie fühlt es sich so leer an.

Am Springbrunnen versenken die Kinder ein paar Cents und wünschen sich dafür die halbe Welt.

IMG_2977

Ida schläft ein und Emil möchte ein Eis. Allerdings nicht irgendeins, sondern ein Regenbogenfarbenes. Das hat er irgendwo gesehen. Wir durchqueren den ganzen Central Park, finden aber das Eis nicht wieder und erreichen die fith Avenue. Menschenmassen rollen uns entgegen und mit uns. Ich muss irgendwo ein langärmliges Shirt für Ida bekommen. Das Wetter soll kälter werden und bisher haben wir noch nicht waschen können. Wir streunen durch die Geschäfte, Emil redet vom Regenbogen Eis.

An der Grand Central Station kriegen wir immerhin eine Kugel Zitroneneis, die ihn auch zur Ruhe bringt und weil keine Bahnstation in der Nähe ist, kämpfen wir uns über den Times Square noch eine Stunde bis zu unserer U-Bahn Station.

Den Abend verbringen wir in Brooklyn. Nur ein paar Blocks entfernt ist das „Saraghina“ . David und Cathy, die wir auf dem Spielplatz kennengelernt haben, hatten es uns am Vortag empfohlen. Im Hinterhof können wir unter wildem Wein sitzen und draussen essen. Emil schläft im Buggy ein und Ida zeichnet auf die Tischdecke.

Ein Tag in New York Sicht 2

Die Kinder wachen um vier auf. Ich bin müde, Paul auch. Emil meckert, eigentlich ist er noch müde. Ich sage, wir können gleich frühstück machen. Emil schreit. Paul wollte eigentlich noch weiter schlafen, ist jetzt aber auch wach. Im dunkeln frühstücken fühlt sich an wie tiefster Winter.

Wir packen unsere Sachen für den Tag zusammen. Wasser, ein paar Kekse, Ersatzkleidung, weil es viel Wasser im Central Park gibt. Beide Buggys. Den einen kann man so falten, dass er mit viel Mühe unter den anderen passt. Jeden morgen tüdeln wir ewig damit rum, bis er endlich drunter ist. Meistens ruft Emil dann: Ach, ich glaube ich will doch in den Buggy. Ich sage „Nein, nicht bis zur U-Bahn.“ Emil schreit. Er ist völlig übermüdet. Ich zerre den Buggy wieder raus, um ihn zwei Blocks später an der U-Bahn wieder zusammen zu falten. In New York gibt es keine Fahrstühle. Wer zur U-Bahn will soll sehen wie er da hin kommt. Emil rennt vor, ich trage Ida, Paul beide Buggys. Die Leute drängeln an uns vorbei. Selten bietet jemand Hilfe an. Oft trägt Paul den Buggy mit der schlafenden Ida drin die Treppen hoch und runter. Interessiert auch keinen. IMG_2997

In der Bahn kann Emil nicht still sitzen. Wir fahren aber über eine halbe Stunde. Er klettert an den Stangen hoch, redet zu laut, tritt ständig anderen Menschen auf den Fuß. Ich bin genervt, Ida will auch klettern. Dreissig Minuten U-Bahn fahren können lang sein.

Im Central Park auf dem Spieplatz will Ida immer genau das machen, was Emil gerade macht. Erst mal gibt es kurz Streit. Ich möchte einen Kaffee, der ist aber zwei Blocks entfernt, informiert mich die Mutter auf der Bank nebenan. Ich schicke Paul los. Der Starbucks zwei Blocks entfernt hat heute geschlossen. Paul zieht weiter.

Im Natural Museum of history ist es so voll, dass ich ständig die Kinder aus den Augen verliere. Paul zahlt 80 Dollar und sagt, günstig sei das ja nicht. Er reicht mir sechs Karten und wundert sich selbst. Wieso haben die uns sechs Karten gegeben? Er geht zurück und es dauert ewig, bis wir die Karten zurückgeben können. Jetzt kostet es nur noch 20 Dollar. Die Kinder haben keine Geduld zu warten und rennen zwischen den Dino Skeletten hin und her.

Auf halber Strecke gibt es einen Museumsshop in dem es Gummibärchen für knapp 4 Euro gibt. Ich sage, die kaufe ich nicht. Emil schreit und bockt. Die blöde Zeitverschiebung nervt mich. Keiner ist ausgeschlafen und die Laune ist ständig am kippen.

Bei den Kletterfelsen im Central Park ist es schön, allerdings so schön, dass Emil nicht weiter möchte. Ich muss auf Toilette, interessiert Emil aber nicht. Als wir uns endlich durchsetzen, ist Emil erst mal gefühlt eine Stunde beleidigt. Auf der Straße liegt eine gestürzte junge Frau auf dem Kantstein. Die Feuerwehrleute stehen tatenlos daneben. Paul fragt, ob er helfen kann. Sie sagen, sie warten auf den Krankenwagen. Am nächsten Abend treffen wir uns mit einer Freundin von mir, die uns nur vorwarnt: Wenn du hier jemandem hilfst, wirst du sofort verklagt, wenn du etwas falsch machst. Deshalb hilft hier niemand. IMG_2855

Auf der fith Avenue ist es brechend voll. Und heiß. Ich kann verstehen, dass Emil ein Eis möchte, drehe aber durch, weil ich keines finde und er alle zehn Sekunden „Ich will ein Regenbogen Eis!“ sagt. Ausserdem zieht er bei Gap JEDES beliebige T-Shirt aus dem Regal und sagt: Ich will dies! Es ist ihm völlig egal, was er in der Hand hält. Es geht ums haben wollen. Und weil Ida ein T-Shirt bekommt. Er macht mich aggressiv. Es ist heiß, wir laufen seit Stunden, ständig hat einer von uns schlechte Laune oder ist müde. Ich kaufe Idas Shirt und Emil schreit.

Am Abend dreht er durch. Wir sind alle erschöpft und den ganzen Tag herum gelaufen. Emil schreit egal worum es geht. Er ist seit vier wach und hat noch kein mal geschlafen. Jetzt fordert er die absurdesten Dinge. Ich bin auch müde und kaputt und heule auch. Eine halbe Stunde später gehen wir im Saraghina essen. Und es ist echt schön. So ist es eben, das Leben.

Advertisements

One thought

  1. Oh ihr Armen, diese Zeitverschiebung ist auch echt beschissen. Ich glaube, wir haben fast eine Woche gebraucht bis wieder alle in der Spur waren. Und ich will noch gar nicht dran denken, dass es nach der Heimkehr wieder von vorne losgeht 😁! Da hilft für euch nur Durchhalten, ich wünsche starke Nerven!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s