Die Desillusion New York

IMG_2644In Brooklyn sitzen die Menschen auf den Stufen vor ihren Häusern. Warm ist es, die Temperatur und auch das Licht. Dünne Katzen streunen zwischen den Mülltonnen herum. Auf den Spieplätzen klettern die Kinder über die Spielgeräte, daneben springen Männer Springseil, auf einem Tennisplatz liegen hunderte von Bällen. Es ist laut, die geräusche kommen vom angrenzenden Basketball Feld. Es ist Amerika. Und doch so bedrückend. Auf einer Bank sitzt ein alter Mann mit einem geschwollenen Fuß. Gegen Abend kommt eine Frau und holt ihn ab. Sie trägt zwei unterschiedliche Schuhe zu ihrer Jogginghose.

Vor dem Supermarkt riecht es nach Pisse und Kotze. Es gibt keine beschönigenderen Worte dafür. Das Gemüse in den Fächern ist wenig überzeugend. Außer Cola und Chips empfinde ich alle Preise als maßlos übertrieben. Vor dem Supermarkt humpelt ein junger Mann mit einer Krücke vorbei. Sein linkes Bein knickt unter ihm zusammen, als hätte es keine Knochen. Paul sagt, dass es ein Bänderriss sei. Wer keine Krankenversicherung hat, kann dann eben nie mehr laufen.

Vor den typischen Brownstone Häusern des Viertels sitzen die Menschen Abends auf den Stufen und unterhalten sich. Vor ihren Füßen die überfüllten Mülltonnen. Kaum jemand hat Zeit, Liebe und finanzielle Möglichkeiten die winzigen Vorgärten zu bepflanzen. Es ist die Desillusion Amerikas.

An der Schule treffen morgens die gelben Schublusse ein. Bewaffnetes Personal steht an den Eingängen. Kleine, große, alle drängen sich in das etwas trist anmutenden Gebäude.

Ich gehe mit Ida durch die Strassen und frage mich, wie es ist, hier zu leben. Beobachte Menschen, die an mir vorbei ziehen. Ich frage mich, wie es sein muss, zu überleben, in dieser großen Stadt, für all diejenigen, die auf er Straße leben. IMG_3017Es stinkt nach Pisse und neben mir in der Kirche werden Gospel gesungen. Es ist ein Land der Kontraste. Eine Stadt, die manchmal mehr Schein als sein ist.

Ida und ich weichen Kampfhunden aus, die mit ihren Besitzern spazieren gehen. Eine Leinenpflicht gibt es anscheinend nicht. Manchmal kommen sie mir zu Nahe und ich habe immer die Befürchtung sind könnten meine Angst riechen.

Bedford ist ein upcoming Viertel. Das typisch Brownstone Haus in dem wir zur Zeit unterkommen hat vor ein paar Jahren 400 000 Tausend Dollar gekostet. Ein Witz für eine Stadt wie New York. Heute ist es bereits auf fast 2 Millionen Dollar geschätzt. Und das, obwohl die Türen nicht schließen, die Treppe zerfällt, mir die Fensterläden entgegen gefallen sind, als ich sie öffnen wollte. Aber es ist auch immer noch ein Stadtteil der Gangs. „Wenn du das Gefühl hast, das eine Situation nicht sicher ist, dann sieh zu dass du abhaust,“ hat eine Freundin uns beim Essen gesagt. Sie lebt in Williamsburg – nur ein Stadtteil entfernt. In einer anderen Welt.

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