Die Sache mit dem Schlafen

Sonntag Abend, wir kommen von einer Taufe, die Kinder sind den ganzen Tag mit anderen Kindern um einen See gerannt. Im Auto schläft Ida ein. Es ist halb acht, eine gute Zeit zu schlafen. Ida macht seit zwei Monaten keinen Mittagsschlaf mehr.

Emil geht um neun ins Bett.

Schlafanzug Danafae von Nordkinder.de
Schlafanzug Danafae von Nordkinder.de

Um zwei wacht Ida auf. Sie ist hellwach. Ich setze mich neben sie, mache bewusst das Licht nicht an, versuche ihr mit leisen Worten und summen klar zu machen, das definitiv noch kein Morgen ist. Ida ist das alles ziemlich egal. Um drei gehe ich mit ihr ins Spielzimmer. Wir lesen Bücher. Ich würde mir so gerne einen Kaffee machen, aber wenn Ida dann noch einmal einschläft, dann bin ich wach und ärgere mich. Gute Erkenntnis: Ida kann Nachts viel besser alleine spielen als tagsüber. Vier Uhr: Ida schläft in meinen Armen wieder ein. Fünf Uhr, Emil weckt mich um mir zu berichten, dass er ganz alleine aufs Klo gegangen ist. Toll, murmele ich. „Kann ich was trinken?“ ich stehe auf und gebe ihm ein Wasser. Der ganze kleine Körper strotzt vor Energie. Der, denke ich, schläft sicher nicht wieder ein. Immerhin: Ich wage mich jetzt an einen ersten Kaffee.

Im Büro warten diverse Aufträge, die abgearbeitet werden müssen. Vier Wochen Kindergartenferien habe ich so gut wie nichts geschafft. Aber mein Kopf würde so gerne kurz auf dem Schreibtisch schlafen. Und Bildbearbeitung ist ziemlich ermüdend. Emil hat keinen Kindergarten und fährt mit Paul noch schnell den internationalen Führerschein beantragen. Die Laune lässt zu wünschen übrig. Wenig Schlaf macht sich bemerkbar. Den Nachmittag nutzen wir um den Garten zu bepflanzen. Aus dem alten Kindergarten haben wir mehrere Autoladungen Pflanzen mitgenommen. Etwas von dort wird bei uns weiter wachsen. Das fühlt sich gut an. Im Garten merkt auch niemand die schlechte Laune – die wandert so von einem Familienmitglied zum nächsten.

Montag Nacht, ein Uhr, Ida ist hellwach. Oh man. Die erste Stunde sitzen Paul und ich abwechselnd neben ihr. Dann merke ich, dass sie ganz heiß ist. Um halb drei nehme ich sie mit zu uns ins Bett. Sie ist immer noch hellwach. Ständig steckt sie beide Hände in den Mund. Ich spekuliere auf Zähne. Um vier schläft sie ein. Um sechs steht Emil vor dem Bett. „Heute gehe ich mit in Idas Kindergarten!“ ruft er begeistert. Ja, denke ich, aber nicht morgens um sechs. Sondern um neun!

Idas Fieber ist wieder weg. Ein Glück.

Es gibt Fotoaufträge, die man verschieben kann, und es gibt Event abhängige Fotoaufträge. Die kann man nicht verschieben. So einer ist heute. Aber erst mal beide Kinder abgeben. Und diverses für Emil packen. Noch freut er sich, aber ich weiß nicht, wie lange er es spaßig findet seinen Tag mit einer Horde Einjähriger zu verbringen. Ausserdem braucht er Regenzeug und Gummistiefel. Ida ist müde. Das wundert mich nicht. Ich bin es auch. Ich hole mir einen Kaffee und fahre los.

Elf Uhr, totenstille, ich fotografiere in einer Kirche, als mein Handy surrt. Mist. Es ist Idas Kindergarten. Sie hat Fieber. Ob ich sie abholen kann. Eigentlich gerade so ganz und gar nicht! Ich muss diesen Auftrag irgendwie zu Ende bringen. Kurze Gespräche mit dem Auftraggeber. Ich kann gegen Mittag gehen. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Meinem Auftraggeber gegenüber und meiner Tochter gegenüber noch mehr. Um fünf kommen Freunde zum Essen. Ich fahre noch schnell am Laden vorbei und kaufe ein. Schlange an der Kasse. Ich fühle mich mies. Um eins halte ich die heiße Ida in den Armen. Emil will noch bleiben. „Das geht nicht,“ sage ich. Emil findet schon dass das noch geht. Zum Glück ruft Gretas Mama an und nimmt Emil gerne auf. Greta hat ihren zweiten Tag im neuen Kindergarten schon hinter sich, aber es geht doch nichts über die alten Freunde. Ich fahre Emil bei Greta rum und dann mit Ida nach Hause. Während sie schläft räume ich die Wohnung auf, decke den Tisch, verstaue die Lebensmittel im Kühlschrank. Als Ida aufwacht stecke ich sie in den Fahrradanhänger und fahre die vier Kilometer zurück zu Greta. Emil und Greta sitzen in der Badewanne.

Jakob will mit Ida spielen, aber Ida will nur auf den Arm. Um kurz vor fünf fahren wir erst los. Natürlich stehen unsere Freunde Zuhause schon vor der Tür.

Dienstag Nacht, ein Uhr, Emil träumt. Ich höre ihn laut rufen: „Greta! Ich möchte auch mal das Wasser kippen!“ Und „Greta! Das hatte ich zuerst!!“ Wenn er so weiter träumt, weckt er Ida. Paul geht hin. Versucht ihn zu wecken. Gibt ihm ein Wasser. „Du hast nur geträumt,“ beruhigt er ihn. „Ach so,“ murmelt Emil. Zehn Minuten später geht es weiter. „Greta!! Komm hier rüber!“ und „Greta, ich will das auch mal haben!“

Wir sitzen abwechselnd neben ihm am Bett. Mal wecken wir ihn vorsichtig. Tragen ihn noch mal auf die Toilette. Man bin ich müde. Um drei endlich Ruhe. Da wacht Ida auf. An ihrem Blick sehe ich sofort die ewige erwartungsvolle Frage: Ist schon Tag? Nein.

Es dauert eine Stunde bis sie wieder einschläft.

Weil Idaam Vortag Fieber hatte können wir sie sie heute nicht abgegen. Ich muss aber mit Emil zur Kindergarteneingewöhnung. Sachen zum Arbeiten nehme ich mir optimistisch mit. Natürlich wird das nichts. Und ich bin so unsagbar müde. Paul bleibt bei Ida. Die ist natürlich wieder topfit. Nach dem Mittag gehen Emil und ich nach Hause. Zum Glück sind die Bauarbeiter im Garten und wechseln das Regenrohr aus. Das reicht, um beide Kinder zu unterhalten. Ich schlafe in der Hängematte ein. Wie soll ich denn bloß arbeiten, mit zwei Kindern und dieser unsäglichen Müdigkeit.

Paul und ich nehmen uns vor Abends ganz viel zu arbeiten. Aber am Abend sieht das schon ganz anders aus. Ich falle um halb zehn ins Bett. Um kurz vor elf ist Ida wieder wach. Meine Beine sind zu schwach aufzustehen. Um eins steht Emil vor meinem Bett. „Kann ich ein Wasser haben?“ Klar. „Kannst du bei mir mit im Bett schlafen?“ Klar. Ich krieche mit ins Hochbett. Dummerweise haben wir in den letzten Tagen immer mal wieder Dinge am Fußende deponiert. Stapel mit Wolldecken, Kuscheltiere, Bücher. Das stört Emil nicht, denn in einem zwei Meter langen Bett ist für einen ein Meter langen Emil noch genug Platz. Meine Füße aber stossen gegen Bücherstapel.

Um zwei kommt Emil zu uns. Da ist es doch irgendwie schöner. Er wühlt und tritt. Ich und Paul kriechen beide bis an den Rand. Aber noch währenddessen denke ich völlig erfreut: man, wie gut die Ida heute schläft!

Morgens um sechs steht Ida vor mir. Zeit, den Tag zu beginnen. Und diesmal wirklich Arbeit zur Eingewöhnung mitzunehmen. Schlafen, denke ich, ist manchmal ja auch überbewertet. Es wird auch wieder anders werden. Denke ich. Und hoffe ich.

Advertisements

11 thoughts

    1. Oh nein. Weinen ist viel schlimmer! Deshalb sage ich mir Nachts auch ganz oft, eigentlich könnte es viel schlimmer sein. Manchmal dämmere ich einfach wieder so weg. Und das wir in beiden Kinderzimmern noch ein Sofa stehen haben (denn beim Zusammenziehen konnte sich damals keiner davon trennen…) ist wirklich von Vorteil. Ich hoffe bei Dir wird es auch ganz bald besser. Bei uns ist es das! Seit einer Woche wird super durchgeschlafen!

      Gefällt mir

    1. Ist sie!!! Und seit einer Woche schlafen sie wie die Steine (das hat mein Vater immer gesagt und ich habe keine Ahnung ob das ein gängiger Begriff ist….). Uns geht es zumindest gerade ausgezeichnet. Wir wissen gar nicht wohin mit der neu gewonnenen Energie! 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Ja das stimmt. Ich genieße es auch wenn sie nicht mit im Bett sind. Allerdings bin ich froh sie so beruhigen zu können. Meine Nichte schläft nicht im Bett ihrer Eltern und die haben oft nächtelang Spaß.

        Gefällt mir

  1. Das kenne ich. Solche Tage und Nächte sind immer in der Woche, in der mein Mann Nachtschicht hat… Und schläft das eine Kind endlich wieder und ich finde endlich gerade wieder in den Schlaf, ist das zweite Kind wach und ich denke mi,, kann Das wahr sein.
    Aber es wird hoffentlich wirklich irgendwann besser… Ich hab auch schon unten quer gelegen und wäre fast raus gefallen, weil ich so froh war, dass die Kinder schliefen und ich sie nicht durch hin und her schieben wecken wollte…
    Gerade idz übrigens wieder Nachtschicht Woche, darum schlafe ich auch schon um 20 Uhr, nach der Nacht kein wunder 😦 😉

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s