Wie wir Reisepässe beantragten, oder auch nicht…..

IMG_0493Wer in die USA einreisen möchte, der muss sich durch eine zum Glück einigermassen gut strukturierte Seite des Auswärtigen Amtes lesen. Gesagt getan. Nur aufmerksam lesen müsste man. Denn meines Erachtens stand da, ein Kinderreisepass der nach 2006 ausgestellt ist, der sei gültig. Paul hingegen las, ein Reisepasse der vor 2006 ausgestellt sei, sei gültig. Da gab es aber ja unsere Kinder noch gar nicht. Und sowieso liegt die Betonung auf Reisepass und nicht auf Kinderreisepass. Also: neu beantragen.

Erst mal: biometrische Passbilder erstellen. Und zwar noch nach dem Kindergarten bei strömendem Regen. Weil: In Hamburg gilt jetzt das System nur noch mit Termin zum Bezirksamt zu gehen. Termine, so sehe ich im Internet, gibt es in allen 16 (!) Bezirksämtern frühestens ab Oktober. Da sind wir schon fast aus dem Urlaub zurück. Wer keinen Termin hat, kann sich ganz früh morgens anstellen, eine Nummer ziehen und auf gut Glück warten. Also mussten die Passbilder schon mal bereit liegen. Natürlich muss man seine Kinder mitbringen. Was für ein Spaß!

Im Bezirksamt warten noch 52 Menschen mit uns. Das zumindest sagt uns die durchlaufende und ständig sich aktualisierende Schrift auf dem Bildschirm. Wir haben Nummer 51 gezogen. Yippieh.

Emil und Ida spielen mit einer geringen Auswahl dreckigem Plastikspielzeug. Es gibt weder Automaten für Kaffee, noch für Wasser, geschweige denn etwas zu essen. Nach einer Stunde kommt das zu erwartende „Ich hab Hunger! Ich hab Durst!“

Ich habe nichts dabei. Ich war irgendwie davon ausgegangen die Kinder noch rechtzeitig im Kindergarten abzugeben.

Nach eineinhalb Stunden fangen die Kinder an die kleinen Kiesel aus den Blumentöpfen zu räumen. Mir ist das egal. Jemand schenkt uns die Nummer 43 und gibt auf. Würde ich auch gerne…..

Der Feueralarm geht los. Alle bleiben sitzen und warten. Keiner sagt einem, was los ist. Die Kinder spielen weiter. Aber es ist unerträglich laut. Irgendwann steht mal jemand auf und trifft im Treppenhaus auf Massen nach unten stürmender Menschen. „Feuer, alle raus!“ ruft jemand. Vor den Fahrstühlen drängen sich die Menschen. Fahrstuhl? Ich dachte das macht man nicht, wenn es brennt. Alle drängeln und schieben, Emil will auf den Arm. Ich trage Emil, Ida, den Puppen Buggy und meine Tasche mit dem Kameraequipment und suche ein Treppenhaus. Alle schieben und drängeln. Ich bin genervt und finde die Kinder zu schwer für eine Person und so viele Treppen.

Draussen sagt jemand mit gelber Warnweste, wir mögen uns alle am Sammelpunkt treffen. Es regnet. Eigentlich stehen wir gerade ganz gut und trocken unter einem Vordach. „Das gilt aber nur für Mitarbeiter, oder?“ erkundigt sich jemand. „Nein,“ sagt die Frau in der gelben Warnweste giftig. „Das gilt für alle!“ Einige lachen und fahren mit dem Fahrrad weg. Was mache ich denn jetzt? Jemand schenkt mir die Nummer 30 und sagt, er gehe jetzt. Ich schleppe Kinder, Puppenbuggy und die Nummer 30 zum Sammelplatz und werde nass. Immerhin erfahre ich, das jemand seinen Toast im Toaster vergessen hat. Dafür werden zwölf Stockwerke geräumt? Erstaunlich….

Ich schleppe alles wieder rein. Die Feuerwehr kann aufgrund eines technischen Fehlers leider den Alarm nicht ausstellen. Ich sitze eine Stunde bei schrillendem Alarm im Wartebereich. Stolze Besitzerin der Nummer 30 und insgesamt jetzt seit 2 Stunden und 45 Minuten mit zwei Kleinkindern im Bezirksamt, die Hunger und Durst und Langeweile haben. Sie rennen eintausend mal kreischend im Kreis und keinen stört es. Auf Grund des Alarms hört man ja nichts mehr.

Nach fast drei Stunden kommt eine Dame in weißer Bluse und verkündet, alle Mitarbeiter seien genervt vom Alarm und gehen jetzt. Sie könnten so nicht weiterarbeiten. Ich bin sprachlos. „Aber doch nicht die Leute mit Kindern,“ sagt eine Frau. „Doch,“ sagt die Dame mit der weißen Bluse. „Sie hören doch den Lärm!“ Ja, denke ich. Höre ich seit über einer Stunde. Und warte hier.  Mit zwei kleinen Kindern. Eine Frau sagt, sie müsse heute ihre Meldebescheinigung unterzeichnet bekommen. Sonst müsse sie Strafe zahlen. Nicht ihr Problem, sagt die Frau in der weißen Bluse. Am letzten Tag kommen sei da ja auch etwas gutgläubig.

Ich bin wirklich sauer. Es interessiert sie gar nicht, dass ich hier seit geschlagenen drei Stunden mit kleinen Kindern sitze. Wenn in Dienstleistungsbetrieben etwas NICHT so läuft wie ich mir das vorstelle, dann werde ich zur Furie, behauptet Paul. Kann was wahres dran sein, denn als ich die Treppen runter gehe habe ich direkt den ersten Termin für morgen früh bekommen. Freundinnen werden wir aber nicht, die Frau in der weißen Bluse und ich.

 

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5 thoughts

  1. oh gott, ich glaub ich hätt schon ne stunde eher heulend aufgegeben… .
    was die angestellten vom amt manchmal bringen, würde sich aber auch kein arbeitnehmer in nem anderen job trauen.

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  2. ich hab ja auch noch was unterschlagen….das es REISEpässe und nicht KINDERREISEpässe sein müssen, hatte ich da noch gar nicht auf dem Plan. Also hab ich den Termin für den Folgetag für KINDERreisepässe beantragt. Als ich dem mürrischen Herren dann mitgeteilt habe, das wir in die USA reisen war der entsetzt und rief: Aber hier steht sie wollen neue KINDERreispässe. Sie habe gar keinen Termin gemacht für RICHTIGE Reisepässe!! – die armen Menschen beim Amt. Jeder Mensch ist glaube ich nur darauf aus ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen…. 🙂

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  3. Respekt vor deinem Durchhaltevermögen! Das klingt wie ein ganz furchtbarer Tag, ich wäre wahrscheinlich auch durchgedreht und der Frau vom Amt an die Gurgel gegangen. Ich habe auch letztens erst einen Reisepass für den Bruder beantragen müssen und mir wurde auch erst einmal lang und breit erklärt, was der Unterschied zwischen einem Reisepass und einem Kinderreisepass ist. War mir eigentlich egal, ich wollte nur das Papier für die USA, wie das heißt ist mir wurscht! Und unsere Fotos waren leider nicht kompatibel, ich musste noch schnell Passbilder machen lassen. Wobei ich mich immer noch frage wozu ein Baby ein biometrisches Passbild benötigt :-). Aber die Fotos hast du ja zum Glück schon! Ich drücke also die Daumen, dass du für den REISEpass nicht noch einen neuen Termin brauchst ;-).

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    1. Die biometrischen Passbilder für Kinder sind wirklich so sinnvoll wie die Größenangabe. „Wie lange kann ich den denn jetzt benutzen?“ habe ich mich erkundigt. „Sechs Jahre,“ murrte der Mann. „Aber in sechs Jahren sind meine Kinder ja nicht mehr 87 cm große und sehen wahrscheinlich auch ganz anders aus…“ „Ihr Problem,“ sagt er. „Müssen sie selber sehen, ob sie damit noch reisen wollen oder nicht. Wenn ihre Kinder nicht mehr so aussehen, kriegen sie eben keine Einreiseerlaubnis.“ Ach so. Na, das klingt ja plausibel….

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      1. Genau! Und meine fragte, wie groß denn der Bruder sei. Ich antwortete „so ca. 70 cm“. „Na das müssen Sie aber genau angeben, welche Größe trägt er denn?“ „80“, sage ich. „Dann ist er ja viel größer, ich schreibe jetzt 74 cm in den Reisepass.“ Ich habe keine Lust darüber zu diskutieren, ist mir auch eigentlich egal. Die werden in den USA wohl kaum den Zollstock auspacken 😉

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