Hug and grow – wo Engagement und Liebe zum Detail zusammenwachsen

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Mein Ausflug nach Berlin kommt mir bereits ewig her vor. Dabei sind es gerade mal zweieinhalb Wochen. Aber jetzt befinde ich mich in Ferienwoche vier und ich merke, dass ich ziemlich neben mir stehe. Die Tage ziehen so dahin, wir gehen schwimmen, ich schmiere Brote, gieße Blumen, wasche Wäsche, wickel, ziehe an, um, aus, koche, bringe ins Bett, räume auf. Alles ist auf seine Art irgendwie schön, aber auch irgendwie ermüdend. Ich sehne mich nach einem Moment für mich. Ohne, dass jemand dabei meine Haare, meine Beine oder meinen Hände berührt. Ja, ich sehne mich kurz danach meinen Körper mal ganz alleine für mich zu haben. Und auch meine Zeit.

Aber als ich mit Emil nach Berlin gefahren bin, da war ich noch so voller Elan und hab den Tag in vollen Züge genossen. Und zu allerlerst sind wir – wie bereits kurz angedeutet – nach Moabit aufgebrochen. Bisher stand Moabit nie auf meiner Liste der Stadtteile die ich unbedingt aufsuchen muss, wenn es mich mal nach Berlin verschlägt. Ich schiebe am Gefängnis vorbei und versuche mir ein Bild zu machen. Von einem Stadtteil, den ich nicht kenne. Den ich wirken lassen will ohne zu schnell zu urteilen. Urpsürnglich ist es. Manchmal sehr schön, manchmal ein bisschen trist.

In der Kirchstrasse fühlt es sich entspannt an. Ein paar Cafés, ein paar Mütter, keine Marken Kinderwagen, keine teuren Sonnebrillen, kein „sehen und gesehen werden“. Man ist einfach da. Man lebt. Man trinkt Kaffee. Man zieht seine Kinder groß. („Wenn ich einen Laden in Moabit aufmache, dann nur in der Kirchstrasse.“ Patricia Tarterra)

In der Mitte der Kirchstraße, Hausnummer 20, liegt der Kinderladen Hug and grow. Ich erkenne es direkt an den orangenen Lettern, die ich bereits von Facebook kenne. So richtig angekündigt hab ich mich jetzt irgendwie doch nicht. Emil ist eingeschlafen und ich weiß nicht genau, ob man mich jetzt erwartet oder nicht. Manchmal schäme ich mich dafür, Dinge so unorganisiert zu lassen und immer darauf zu vertrauene, dass es klappt. Aber es klappt. Hinter dem Verkaufstresen steht Patricia und genau die wollte ich auch treffen.

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Wenn man Läden betritt dann überzeugen sie entweder durch die Innenarchitektur, durch die Verkäufer/innen oder durch die Farben. Und ich liebe die Farben. Alles ist warm und sommerlich bunt. Eine Farbpallette, die kindliche Fröhlichkeit mit Naturtönen kombiniert. In den Regalen, an den Kleiderstangen, Kleidung und Spielzeug, alles fügt sich so stimmig in mein Bild der Kindheit ein. Und hebt sich ein bisschen ab von der Weiß und Pastellafarbenen Skandinavien Welt, die sich in Hamburger Kinderläden häuslich eingerichtet hat. Ich hab gar nichts dagegen. Ich finde es schön. Ich liebe weiß. Aber mich langweilt diese Konformität manchmal ein bißchen. Das ewig gleiche Sortiment. Und manchmal fehlt mir ein bißchen die Natürlichkeit in dem Ganzen. Hier spüre ich sie. Und sehe sie. Und finde all das Warme und Natürliche äußerst kindgerecht und wohltuend.

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„Hug and grow“ gibt es seit 2009. Damals hat Patricia den Laden eröffnet. Und von Beginn an in der Kombination mit Kursen. Und das finde ich ein ganz wunderbares Konzept. Sich in Tragehilfen und Stoffwindeln beraten lassen ist das eine, aber wirklich geschult zu werden, jemanden zu haben, der sich Zeit nimmt zu informieren, dass ist etwas anderes. In einem gemütlichen und geräumigen Altbauzimmer hinter dem Laden finden die unterschiedlichsten Kurse und Workshops statt. Und die große Auswahl an Kursen macht deutlich, dass Bedarf da ist. Das die Mütter dankbar sind für Informationen im Umgang mit ihren Kindern. Aber auch die Möglichkeit sich einfach zusammenzufinden. In einem Stadtteil wie Moabit, aber auch weit darüber hinaus.

Patricia hat selber zwei Kinder. Und bringt alles unter einen Hut. Durch den expandierenden Online Shop erweitert sie jetzt auch noch. Ich bewundere sie. So viel Organisiation und auch Anfangs das Risiko: Ich mache das jetzt. Ich mache das in einem Stadtteil, in dem es vielleicht nicht unbedingt erwartet wird. Und es hat geklappt.

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Bevor ich mich in diverse Teile verliebe will ich aber noch eines wissen – leider ohne den dazugehörigen Kurs, denn dafür habe ich nicht genug Zeit in Berlin. Ich möchte wissen, wie das mit den Stoffwindeln geht. Denn ehrlich gesagt, stand das bei meinen Kindern nie zur Debatte. Mir fehlte völlig der Input. Nirgendwo hat sich jemand wirklich die Mühe gemacht mich zu informieren. Sie waren in meinem Umfeld gar nicht präsent. Und auf einmal stehe ich vor diesem riesigen Sortiment an Stoffwindeln, mit zauberhaften Mustern und Farben und erfahre, dass es nichts mehr mit dem zu tun hat, was meine Mutter damals schon abgeschreckt hat. Das ständige auskochen und waschen. Überhaupt nicht umweltfreundlich!

IMG_3796Das hat sich geändert. Wer bei 40 Grad wäscht und Öko Waschmittel benutzt arbeitet mit den Stoofwindeln definitiv ökologischer. Natürlich ist das eine Frage der Einstellung zur Hygiene. Aber hin und wieder mit in die 60 Grad Wäsche und man ist auf der sicheren Seite. Im Grunde muss nur der Fleece zum Einlegen entsorgt werden. Alles andere ist nachhaltig. Und auch noch viel schöner als die Einwegwinkeln. Ungefähr 20 Windeln benötigt man pro Kind – und diese können danach ohne weiteres auch noch an die Geschwister „vererbt“ werden. Alles in allem bedauere ich es ein bisschen, dass ich mich nicht dafür entschieden habe. Aber auch, dass es so wenig publik gemacht wird. Ich habe in Hamburg noch keinen Laden gefunden, der sich so darauf spezialisiert hat wie „Hug and grow“.

Kurz bevor ich wieder aufbreche verliebe ich mich in „lenalieb“. Ein kleines Label direkt aus Berlin. Schadstoffreie und fair produzierte Kinderkleidung in wunderschönen Farben und Mustern. Und alles in Deutschland produziert – unter fairen Handelsbeziehungen und mit kurzen Transportwegen. Ich nehme für Ida die Leggings Auerhahn mit und das dazu passende T-Shirt. Emil bekommt ein Monster Shirt der Marke „Frugi“. (Emil verschläft im übrigen die eine Stunde die ich bei hug-and-grow verbringe und ist ein bisschen enttäuscht, das er nichts gesehen hat. Das Monster Shirt hat die Laune aber in die Höhe schießen lassen!).

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Weil Ida bei jeder Gelegenheit in die Manduca möchte, oder wahlweise ich ihr Puppen und Teddys mit Tüchern vor den Bauch oder auf den Rücken binden muss, habe ich etwas ganz Besonderes für sie gefunden. Eine Teddy/Puppen Trage von Franck. Und seitdem geht sie nicht mehr ohne Teddy BOBO aus der Haus, der meistens auf dem Rücken getragen wird. Zwischendurch kann er in der Trage auch zum schlafen abgelegt werden.

Ich werde auf jeden Fall den nächsten Berlin Besuch nutzen um zu hug-and-grow zurück zu kehren. Und ich kann nur allen Berlinern empfehlen dem Laden einen Besuch abzustatten. Es lohnt sich!

Zum Schluss: Liebe Patricia, vielen Dank dass du Dir so viel Zeit genommen hast, obwohl ich mich letztendlich nie wirklich angekündigt habe.

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3 thoughts

  1. Der Laden hört sich wirklich toll an, schade, dass wir soweit entfernt wohnen. Bei uns in der Umgebung habe ich auch noch nie von einem Geschäft mit Stoffwindel-Spezialisierung gehört, ich habe da auch viel zu wenig Infos drüber und finde das sehr schade!!!

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  2. Wunderschöne Sachen! Und zum Beginn des Blogposts. So ging es mir auch nach vier Wochen Ferien. Genau so! Und die Trage muss ich mir angucken. Wäre ein tolles Geschenk zum kommenden Geburtstag.

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