Gastbeitrag von Tim: Und es gibt sie doch….

IMG_2348Nach meinem letzten Beitrag „Wir dürfen Fehler machen, und wir dürfen erschöpft sein…“ haben mich viele Mails erreicht. Eine davon war von Tim. Wir kennen uns nicht. Und „eigentlich“ mochte Tim meinen Beitrag auch. Aber nur „eigentlich“. Weil er sich zu Recht wundert und ärgert, warum in den meisten Blogs ständig das Wort an die Mütter gerichtet wird. Die so vieles leisten, die sich unterstützen müssen, die aus ihrem Alltag berichten und andere Mütter damit ansprechen. Warum geht es immer, immer, immer um die Mütter? Was ist denn mit den Vätern?

Und Tim hat Recht. Es geht tatsächlich viel zu wenig um die Väter. Bei uns geht es aber tatsächlich wenig um Paul, weil ich finde, dass er durch seinen Beruf als Arzt ein Mensch ist, der für die Öffentlichkeit greifbar und präsent ist. Und ich finde, dass zu viel Privates da eine Grenze überschreitet. Und auch unsere Arbeitsteilung war schon immer festgelegt und auch so gewollt. Paul arbeitet 48 Stunden und ich arbeite frei. Vieles was die Erziehung und den Umgang mit den Kindern betrifft liegt also bei mir. Aber in vielen Familien sieht das ganz anders aus. Und die vergesse ich in meinem BLOG manchmal und die anderen Mütter vielleicht auch. Deshalb habe ich Tim gesagt, er solle doch einfach aufschreiben, was ihn ärgert. Und das hat er getan. Vielen Dank dafür!

Gastbeitrag von Tim

Ich spreche für mich, denn ich weiß nicht wie es bei anderen aussieht. Wie emotional sie sich einbinden, oder besser gesagt, darauf einlassen. Ob sie auch mit dem Herzen so tief vorgedrungen sind das es unmöglich ist sich auch nur eine Sekunde ein Leben ohne Kind vorzustellen. Ob sie ohne nachzudenken alles für den eigenen Nachwuchs aufgeben würden.
Wir sprechen untereinander nicht darüber, denn es ist eine Gratwanderung: Eine gewisse Orientierungslosigkeit und die Angst Erwartungen nicht zu erfüllen. Um Hilfe und Rat bitten ist schwer und und wird nicht selten als Schwäche gedeutet, und das geht nicht. Ich bin ein Mann…
Ich war bei der Zeugung, der Schwangerschaft und der Geburt meines Kindes dabei. Seit dem sind 42 Monate vergangen. Heute gehen meine Frau (80%) und ich (100%) arbeiten, wir teilen uns den Haushalt und versuchen uns gegenseitig zu unterstützen. Wir beide binden uns wo immer es geht in das Leben unserer Kleinen ein und verbringen ein Maximum der möglichen Zeit zu dritt. Wir versuchen uns gegenseitige kleine Pausen zu gönnen oder eilen uns zur Hilfe wenn die Kleine mal wieder mit aller Gewalt ihren Kopf durchsetzen will oder ein Pflaster braucht.
Seit dem ersten Tag bin ich in alles eingebunden und erlebe jeden Tag mit all seinen Emotionen, Höhen und Tiefen. Ich trage die gleiche Verantwortung wie meine Frau und bin im Auge meiner Tochter mindestens gleichwertig.
Warum sieht die Gesellschaft das anders? Warum wird in Blogs, Foren und facebook, im TV und in Zeitschriften ununterbrochen über das Leben einer Mutter und Ihre Taten und Sorgen berichtet? Warum wird in Erziehungsnewslettern und anderen Stellen nahezu immer die Frau angesprochen? Warum wird bei Fragen die das Kind, die Erziehung, Familie und Alltag betreffen zu meist nur die Mutter angesprochen?
Ich bin mir sicher, ich bin mit meinem Engagement kein Einzelfall. Umso schleierhafter ist es mir warum dies nicht anerkannt wird. Warum ist der Vater außen vor wenn er sich doch in gleichem Maße einbindet? Ich verstehe es nicht?
Liebe Mamas,
bin ich ein Sonderfall? Dann tretet einen Schritt zurück und bewertet die Situation einmal individuell und objektiv neu. Erkennt es an, das Eure Männer sich engagieren und teilhaben wollen und dabei vielleicht auch die Angst haben der Rolle als Mann nicht gerecht zu werden. Lasst die Zügel etwas lockerer und versucht den Spagat zwischen „die perfekte Mama sein“ und „dem Papa machen lassen und seine Art anerkennen“. Seid Euch sicher, es wird Euch keiner vorhalten oder Euch dafür verurteilen. Unterstützt Euren Mann dabei, denn auch er muss sich vielleicht erst in diese Rolle einfinden. Oder liege ich doch nicht falsch mit meiner Annahme das es da draußen noch sehr viele Väter wie mich gibt? Dann wäre das doch eine Erwähnung Wert, oder 😉

Nachtrag: Es gibt im übrigen auch ganz gute Väter Blogs. Ich bin da allerdings nicht so belesen und kenne nur ichbindeinvater.de. Wer noch mehr weiß, kann das gerne in die Kommentare schreiben.

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3 thoughts

  1. Danke für den Beitrag, ich lese sehr gerne BLOGs, aber leider sind diese oft von einem ganz bestimmten Blickwinkel, der nur einen Teil der Menschen/Eltern wieder spiegelt. Es gibt so viele Varianten im Leben, es ist wahrscheinlich schwer allen gerecht zu werden und jeder kann auch nur von seiner eigenen berichten. Bei uns ist mein Mann zu Hause geblieben, der international tätig war und es jetzt wieder ist, während ich in Vollzeit mein Studium zu Ende gebracht habe. Bei allen Institutionen wurde uns große Fragezeichen gestellt, weil niemand verstehen konnte, warum wir uns für das Modell entschieden haben, weil ich ja „weniger zu verlieren habe“… In jedem Fall würden unser Sohn und ich ihn als unverzichtbaren Teil der Familie sehen, der Dinge anders, aber bestimmt nicht schlechter, macht!

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  2. Es ist doch klar, dass ein bestimmter Blog ein bestimmtes „Klientel“ bedient, von dem er gelesen wird. Ich arbeite halbtags und widme mich die übrige Zeit der Kindererziehung. Mein Mann arbeitet 50 Stunden und ist nur spät abends und das ganze WE zuhause. Er ist trotzdem ein toller Vater und für die Kindererziehung von der Wertigkeit her genau so verantwortlich wie ich. Zeitlich kann er das aufgrund seines anspruchsvollen Berufs natürlich nicht bieten. Trotzdem ist seine Rolle in der Familie genauso wichtig wie meine. Ich persönlich lese Blogs von Frauen, deren Alltag meinem ähnelt, weil mich das natürlich am meisten interessiert. Hier kann ich viel für meinen Alltag abschauen und fühle mich oft in meiner Art und Weise mit den Kindern bestätigt. Andere Lebensweisen akzeptiere ich, sie interessieren mich allerdings nicht so brennend. Daher würde ich auch keinen Blog lesen, bei dem es um die Sichtweise eines Vaters geht, der zeitlich mehr am Familienalltag teilhaben kann als es bei uns der Fall ist. In meinem Umfeld ist dies bei den meisten Frauen der Fall. Viele arbeiten wenn nur halbtags und der Mann arbeitet Minimum Vollzeit. Schreib doch einen Blog aus Deiner Sicht, sicherlich wird es auch dafür Leser geben, aber reg Dich doch bitte nicht auf, dass es zu wenig Papa- Blogs gibt…

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