Greta, möchtest du die Mutter meiner Kinder werden?

IMG_4863Emil möchte Kinder. Viele Kinder. Sie sollen alle Emil und Ida heißen. Aber um Kinder zu bekommen braucht man eine geeignete Mutter. Und da kommt nur Greta in Frage. Greta ist aber schon auf dem Land, als Emil das bewusst wird, und ich solle jetzt, auf der Stelle bitte die drei Stunden zu Greta aufs Land fahren, damit er sie fragen kann, ob sie die Mutter sein möchte. Ich sage, dass das nicht geht. Dann, sagt Emil, müsse er aber Greta noch einen Brief schreiben. Und er wisse gar nicht wie man GRETA schreibt. Ob ich ihm das zeigen könne. Kann ich.

Als wir auch endlich bei Greta auf dem Land ankommen stellt Emil die Frage aber lieber noch mal persönlich. Sie stehen an einem Baum und Emil erklärt Greta, dass man ja eine Mutter brauche, um später viele Kinder zu haben. Greta möchte auch viele Kinder haben. Aber sie heiratet schon Lasse, Julius und Johann. Ach, und den großen Emil. Auch das noch. Ausgerechnet Emils besten Freund. „Du,“ sagt Greta ernst. „Du bist mein Freund. Immer.“

Und Freund hat einen viel höheren Stellenwert. Freund ist man immer. Nicht nur in der Zukunft. Freund ist man und bleibt man. Freund ist man, wenn man dazu gehört. Egal wo. Freund ist man, wenn man den ganzen Tag miteinander verbringt und trotzdem weint, wenn man sich verabschiedet. Wenn man sich streitet und verträgt.

„Emil,“ sagt Greta eines morgens im feuchten Gras. „Wollen wir heute mal gar nicht streiten?“ Emil nickt. „Dann,“ stellt Emil fest. „Wäre die Welt aber wirklich, wirklich schön, oder Greta?“ Greta nickt.

Während ich ein Buch lese, bemerke ich am Nachmittag, wie Emil wütend davon stampft. Greta holt ihn ein. „Nein,“ sagt Emil. „Lass mich in Ruhe, Greta. Du hast mich geschubst. Mit Absicht!“ Greta steht neben ihm und überlegt. Einen Moment knetet sie ihre Hände. Sie sucht nach einer Lösung. Aber dafür muss man über seinen Schatten springen. „Emil,“ sagt sie vorsichtig. „Entschuldigung.“ Emil nickt beleidigt. „Wir wollten doch heute gar nicht streiten,“ fährt sie fort. „Ach ja,“ ruft Emil.IMG_5239

Ich sehe die beiden oft an diesem Tag reden. Manchmal reden sie im Spiel und manchmal sehr ernst. Sie sind klein, aber sie haben Gespräche wie wir. Sie teilen sich das mit, was sie beschäftigt. Ich höre sie in den letzten Tagen auch hin und wieder streiten. Manchmal, bis einer weint. Aber ich sehe nie einen Erwachsenen eingreifen. Weil sie es alleine lösen. Weil sie aufeinander zu gehen und versuchen eine Lösung zu finden. Weil sie wissen, dass das Leben schöner ist, wenn sie glücklch zusammen sind. Weil sie wissen, dass der Tag noch voller Abenteuer ist. Voller Dinge die sie gemeinsam erleben wollen.

Als wir abreisen kann Greta ihre Tränen nicht mehr stoppen. „Du bist mein bester Freund, Emil,“ sagt sie. Es dauert sehr lange im Auto, wir sind schon knapp eine Stunde gefahren als Emil sagt: „Greta ist meine beste Freundin. Ich glaube, ich hab ihr das gar nicht gesagt.“ Seine Augen füllen sich mit Tränen. „Können wir noch mal umdrehen?“ Ich schüttele den Kopf. „Leider nicht. Aber Greta ist ja auch bald wieder in Hamburg. Dann kannst du es ihr sagen.“ „Ist gut,“ nickt Emil. Und schläft erleichtert ein.

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