Let them be free

IMG_4784Es gibt so vieles auf der Welt, das wir sehen und erleben wollen. Es gibt Bücher, die wir noch lesen wollen (und derer immer mehr!), es gibt Länder die wir bereisen und Städte die wir erkunden wollen. Es gibt Dinge, die wir uns kaufen und Momente die wir uns gönnen wollen. Es gibt Filme, die wir noch sehen und Kleider die wir noch anprobieren wollen. Es gibt Ausstellungen, die uns interessieren, Theaterstücke die uns reizen, Sportarten, die wir gerne ausprobieren würden. Und für all das bleibt uns eine bestimmte Menge Zeit, die wir uns einteilen müssen. Die wir nutzen oder auch nicht. Die wir ständig organisieren. Freizeit – die wir füllen und ihr damit auch ein bisschen der Freiheit nehmen. Aber ist nicht gerade das die Freiheit? Das wir wählen können? Zwischen all dem was uns interessiert? Aber wo bleibt dann die freie Zeit. Die leere, die, die gar nicht gefüllt werden möchte. Die Zeit mit und für uns. Die Momente in denen wir nur über uns nachdenken?

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Im Rahmen der Flüchtlingsproblematik hat mir eine sehr engagierte Frau davon berichtet, wieviele Möglichkeiten die Flüchtlingskinder (und damit meine ich nicht alle. Es geht hier um eine ganz Bestimmte Gruppe) haben sich zu beschäftigen, zu malen, zu lesen, sich abzulenken. Und das genau dieses Angebot sie aber auch davon fernhält sich mit der Vergangeheit und sich selbst auseinanderzusetzen. Und das diese Zeit, die sie für sich brauchen, um Trauer und Angst zu bewältigen , genauso wichtig ist.

Schenken wir unseren Kindern diese Zeit? Oder nehmen wir sie ihnen ständig, in dem wir sie zum Sport und zur Musikschule bringen, ihnen zu viel Spielzeug kaufen und sie in die mediale Welt einführen bevor sie lesen können?

IMG_4534Die Freiheit steckt voller Pontential. Und überall. Wir können sie sehen, greifen aber viel zu selten nach ihr. Wir wissen, dass sie vor unserer Haustür liegt, und erdrücken sie dennoch mit Verpflichtungen und Konformität. Wir wollen gerne über sie reden, aber spüren tun wir sie viel zu selten. Wir wollen ständig in allem frei sein, vor allem in unserem Denken, aber während wir denken sitzen wir in unseren Gärten und trinken Kaffee, auf unseren Sofas und lesen parallel Spiegel online, trinken Wein auf den Dächern dieser Stadt und fühlen uns so befreit, obwohl uns nur die Treppe von unserem Alltag trennt.

Im Grunde ist der Weg zu ein bißchen Freiheit und Zeit für sich so kurz, aber ihn zu gehen fällt uns so schwer. Wir würden, wäre da nicht noch die Wäsche. Und die Steuererklärung von 2014. Und dieses eine Projekt, wenn das abgeschlossen ist, ja dann.

Aber manchmal schaffen wir den Schritt. Den Schritt in eine Welt ohne Smartphones und W-Lan, ohne Supermärkte und ohne Verpflichtungen. Selbst der Pflaumenkuchen kann, muss aber nicht gebacken werden. Und es wird irgendwie warm und still in uns. Und wir berühren mit den Füßen das nackte Gras ohne das Geräusch von Rasenmähern. Ohne Rasendünger, aber mit Blick auf eine schwarze, schlanke Schlange, die sich in der Mittagshitze aufwärmt. Hier. Mitten in Deutschland. Und auf dem See schimmert die Sonne. Und irgendjemand backt ihn, den Pflaumenkuchen, und der Duft zieht durch das Haus. Und irgendjemand pflückt morgens die Wiesenblumen, die auf dem Tisch stehen. Vielleicht die Kinder.IMG_4538

Die Kinder, die frei sind von allem. Deren Tag morgens mit dem Krähen des Hahnes beginnt, der in der trockenen Erde schart und Abends mit dem Untergang der Sonne über dem See endet. Die mit nackten Füßen laufen und niemals fragen, was wir als nächstes tun. Die nichts brauchen als einen Eimer und einen Kescher. Und sich selbst. Und die Freiheit, die vor ihren Füßen liegt, die greifen sie mit vollen Händen. Ihre nackten Füße laufen über Gras, waten durch das flache Wasser und hinterlassen ihre Spuren auf den Terrakottafliesen in der großen Küche. Sie essen Melone und klauen sich die Pflaumen vom Kuchen, sie kichern und verschwinden wieder. Sie saugen die Freiheit in sich auf. Nieman der nach ihnen ruft. Niemand, der ihnen sagt, das sie leiser sein sollen, dass sie nicht auf die Straße rennen dürfen. Niemand, der ihnen sagt was sie tun und lassen sollen. Ihre Beine baumeln aus der Hängematte, sie sammeln Steine und Schneckenhäuser. Sie brauchen uns nicht – nur unsere Liebe.

Wir müssen uns merken, dass sie vor unserer Tür steht, die Freiheit. Wir müssen uns merken, dass wir sie nicht erdrücken. Wir müssen uns merken, dass wir sie mit zu viel Spielzeug ersticken. Wir müssen uns merken, dass wir gar nicht so präsent sein müssen im Leben unserer Kinder. Das sie alleine laufen. Und ihre Zeit alleine planen – wenn wir sie lassen. Und wenn wir ihnen einen Eimer und einen Kescher geben. Dann sind sie glücklich.

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4 thoughts

  1. Huhu! „Off topic“, aber es ist mir gerade ein Anliegen…
    Sieh mal bitte auf mein Blog, unten in die Sidebar rechts… da gibt es „abonnierte Blogs“… auch Du tauchst dort auf.
    Angezeigt werden bei WordPress die Blogs mit ihren Gravatar-Profilbildern. Bei Dir ist da leider nur der doofe, graue WordPress-Platzhalter. Find ich immer schade- es sieht so lustig aus, wenn alle ein nettes Bildchen haben.
    Magst Du Dir den Gravatar einrichten? – Wird dann auch überall bei WordPress angezeigt, wenn Du eingeloggt Kommentare schreibst! Ich finde das schön…
    Manche wissen es nur einfach nicht- deshalb dachte ich, ich frage mal.
    Hoffe, Du fühlst Dich nicht belästigt.
    Achso- einrichten kannst Du das im Admin Bereich unter „Benutzer“ -> „Mein Profil“
    Oder direkt auf http://de.gravatar.com/ – wenn Du die gleiche E-Mail Adresse verwendest, mit der Du auch Dein Blog betreibst…
    Ist eigentlich ganz einfach!
    Ich würde mich seeehr freuen!! 🙂
    Liebe Grüße, Frau Pingaga

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    1. Liebe Frau Pingaga, da ich mich als Fotografin schon bei Instagram häufig dämlich anstelle habe ich heute genauso fragend vor Gravatar gesessen 🙂 Mein erstes Bild wurde nicht hochgeladen (da war sogar ICH drauf!!) dann eben ein anderes. Auf dem Büro Computer sind nicht so viele private Bilder drauf, deshalb erst mal Emil um überhaupt irgendwas zu haben. Vielen Dank aber für den Tip und für die Verlinkung!! Und ich fühle mich ganz und gar nicht belästigt 🙂 Ich brauche immer jemanden der mich auf sowas hinweist, so wie ich hundert mal darauf hingewiesen wurde, dass Instagram ganz sinnvoll sei. Endlich habe ich es eingesehen.
      Liebe Grüße!
      Miri

      Gefällt 1 Person

      1. Du bist ja süß! 🙂 Schön, dass es jetzt mit Emil geklappt hat! Sieht doch super aus… auch wenn ich DICH gern sehen würde… das ist ja seltsam, dass es mit dem anderen Bild nicht ging. 😉 Und jaaa. Instagram ist wundervoll!

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