Berlin – größte Stadt Deutschlands

IMG_3769Wenn irgendwo der name Berlin fällt weiß Emil zu berichten, dass sei die größte Stadt Deutschlands. Größer als Hamburg und sogar größer als Zeven, dieser kleine Ort mit 17 000 Einwohnern, in dem Oma und Opa leben (Man möge sich das mal vorstellen!). Außerdem erinnert Emil sich (leider) daran, dass in Berlin ein Mann seiner Frau ein Messer in den Bauch gerammt hat und sie danach mit Benzin übergossen hat. Weil wir EINMAL im Auto nicht rechtzeitig zu den Nachrichten das Radio ausgestellt haben. Und Emil hört zu wie ein Luchs, wenn die Nachrichten laufen. Danach wollte er erst mal niemals mehr nach Berlin. Aber wenn wir ihm Fotos zeigen von seinem letzten Besuch, zu einem Chirurgen Kongress in Berlin, dann möchte er wieder dahin. Und natürlich reizt es sehr die größte Stadt Deutschlands zu sehen (die in seinen Erzählungen auch manchmal die größte Stadt der Welt wird). Dabei lässt sich Größe gar nicht sichtbar machen. Auch Hamburgs Grenzen sind ihm kaum bekannt.

Als wir morgens um sieben das Haus verlassen regnet es. Und zwar in Strömen. Wir kaufen uns noch Proviant beim Bäcker und Emil erzählt allen gewollt oder ungewollt, dass wir heute nach Berlin fahren. Wahlweise sagt er auch „Wir fahren heute bei Berlin!“ Ich verbessere ihn nicht. Am Busbahnhof wechselt Emil schon mal die Socken und die Schuhe. Alles nass. Wir werfen es unter den Buggy, der hauptsächlich als Gepäcktransportmittel dient. Vor allem weil ich die Kamera Tasche mitschleppe, zusätzlich zu Proviant, Ersatzkleidung, Kinderbüchern und Gummistiefeln. Im Zug finden wir ein Abteil, dass wir uns nur mit einer jungen Tschechin teilen, die direkt einschläft. Emil fährt zum ersten mal ICE. Und ist unglaublich aufgeregt. Er hat die Theorie, dass man nach dem losfahren nicht mehr aufstehen kann, weil man umfällt, wenn der Zug so schnell ist. Ich beruhige ihn. „Du kannst aufstehen und überall hingehen wo du willst,“ sage ich. Emil klebt am Fenster und beobachtet die vorbeiziehende Landschaft. Nachdem wir Hamburgs Grenzen hinter uns gelassen haben zeigt er auf jedes auftauchende Dorf und sagt: „Ich glaube, da ist schon Berlin!“

In Berlin ist das Wetter kaum besser, aber immerhin regnet es mal kurz nicht. Wir laufen Richtung Charitee, bis wir merken, dass das genau die umgekehrte Richtung ist. Man sollte die Karte schon richtig herum halten.IMG_3784

In Moabit schläft Emil ein. Gut, dass wir den Buggy mitgenommen haben. Am Vorabend erst um zehn ins Bett gegangen und heute morgen um sechs wieder hoch. Das rächt sich. Ich schiebe am Gefängnis vorbei ein. Langsam verdunkelt sich der Himmel wieder. In einer schönen Kleinen Straßen, die bis zur Spree hinunter führt liegt der Kinderladen „Hug and grow“ und hier treffe ich mich mit Patricia, der Inhaberin. Emil verschläft unser einstündiges Gespräch (dazu bald mehr!). Auch als ich gehe schläft er noch. Ich suche mir ein Café an der Spree und am Anfang leisten mir nur die Spatzen Gesellschaft. Langsam kommt die Sonne wieder heraus und ich tlefoniere mit Paul, der seinen einzigen freien Tag in 14 Tagen Ida widmet. „Papa Tochter“ Tag.

Als Emil aufwacht ziehen wir weiter an der Spree entlang bis zum Tiergarten. Endlich kommt auch mal die Sonne. Emil schmeißt Steine in einen Teich und balanciert auf niedirgen Geländern. „Berlin ist soo schön!“ ruft er, dabei haben wir außer Parks noch nichts gesehen. Am Schloß Bellevue erkläre ich Emil, wer da lebt und Emil übersetzt es ganz gut mit: „Also der König von Deutschland?“ Genau. So könnte man es auch nennen. Die Siegessäule findet er schön aber sehr schade, dass der Engel nur in eine Richtung guckt. „Wie schade, für die Menschen, die hinter ihm stehen. Die können gar nicht sein Gesicht sehen.“ Aber dann fährt er fort: „Ach so, der guckt zur Sonne. Denn die Sonne ist ja Gott.“

IMG_3809

Emil läuft 4 km bis zum Potsdamer Platz und wir sind sehr enttäuscht, dass die Schlange vor dem Lego Center bis weit nach draussen reicht. Auf dem Weg zum Brandenburger Tor passieren wir aber zum Glück ein Kaufhaus und erstehen Piraten Lego. Emil überlegt mit Bedacht. Ich habe ihm die Größe des Kartons gezeigt, den wir bezahlen können. Er ist hochkonzentriert. Hält immer wieder Kartons nebeneinander um die Größe zu kontrollieren. Es geht mir gar nicht ums Geld. Es geht mir darum, dass er lernt, das Dinge einen Wert haben. Und das man sie zu schätzen weiß. Er weiß das sehr gut. Am Ende platzt er vor Stolz und Aufregung als er sich für einen Karton entschieden hat. An der Kasse reicht ihm die Verkäuferin einen Lego Prospekt. Der wird mehrere Stunden nicht aus der Hand gelegt. Ein Buch voller Träume.

Wir laufen durch das Holocaust Denkmal und ich habe ständig Angst Emil in dem Labyrinth zu verlieren, der immer noch voller Energie voraus läuft.

IMG_3931

Beim Brandenburger Tor die gleiche Problematik: Die Pferde gucken nur in die eine Richtung. Alle Menschen die hinter dem Tor wohnen, können nie die Gesichter sehen. „Das ist aber sehr schade,“ stellt Emil nur fest. Wir sind bestimmt schon zehn Kilometer gelaufen und suchen uns eine Pizzeria. Emil geht alleine rein und bestellt sich einen Apfelsaft. Fast beiläufig deutet er auf die Fotografien an der Wand die einen venezianischen Kanal und das Kolloseum zeigen und erzählt dem Kellner: „Das ist Venedig und das ist Rom!“ Manchmal ist er mir unheimlich.

Wir essen Pizza und bauen die Lego Teile zusammen. „Es ist sehr schön mit dir in Berlin, Mama,“ sagt Emil. Das finde ich auch.

Dummerweise haben wir nicht so recht gemerkt, wie weit wir uns vom Hauptbahnhof wegbewegt haben und ich muss drei Kilometer rennen. Emil sitzt im Buggy. Wir erreichen nassegschwitzt den Bahnhof und kriegen unseren Zug nach. Da macht Emil die Bekanntschaft mit India, einem bezaubernden dreijährigen Mädchen, aber dazu nächstes mal. Zumindest schläft er nicht ein bis wir um zehn wieder in Hamburg sind.

IMG_3874

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s