Ferien! – Die Kunst das Leben mit jedem Tag zu genießen

IMG_2348Am Anfang fühle ich mich immer irgendwie überrascht und überrumpelt von den Kindergartenferien. Denn bei allen passionierten handgeschriebenen Notizen in meinem Kalender trage ich grundsätzlich ALLES ein, außer der Feriendaten der Kinder. Erst im letzten Moment realisiere ich, das Kindergarten a und Kindergarten b gar nicht zur selben Zeit Ferien haben und das ich insgesamt jetzt 4 Wochen Arbeit und Kinder unter einen Hut kriegen muss. Und darf.

Am Anfang denke ich auch, zumindest in stillen Momenten mal, dass ich vier Wochen auch lang finde. Ich bin es ja gar nicht mehr gewohnt vier Wochen 24 Stunden am Tag mit den beiden kleinen Menschen zusammen zu sein und auf einmal den Tag ganz neu zu organisieren, aber dazu denke ich noch, auch die kleinen Menschen sind es nicht gewohnt. Sie haben einen Tagesablauf, der mit meinem Alltag nicht konform läuft. Sie stehen nicht auf und spielen in ihren Zimmern – sie sind es gewohnt, dass etwas passiert. Das viele Kinder um sie herum sind, die lachen und albern, die gemeinsam essen, viel reden, die auf ihrer Augenhöhe agieren. Die ähnliche Bedürfnisse und Wünsche haben und ähnliche Vorstellungen von einem perfekten Tag. Mein perfekter Tag beinhaltet spielen als Komponente nicht so häufig. IMG_2396

Aber das klingt, als wäre ich sonst nie mit meinen Kindern zusammen oder sie mit mir. Das stimmt natürlich nicht. Ich verbringe nicht nur die Wochenenden und die Nachmittage mit ihnen, ich lasse sie auf oft Zuhause, wenn ich die Möglichkeit habe. Aber ich bin kein Kind – und ich glaube, Kinder, die es gewohnt sind viel Zeit mit anderen Kindern zu verbringen, die brauchen auch ein bisschen Zeit um sich auf sich selbst zu konzentrieren, auf ihre Familie, auf Momente der Ruhe und Stille und auch auf Momente, in denen „nichts“ passiert.

Die erste Ferienwoche geht Ida noch in den Kindergarten. Emil und ich bringen sie hin und zum Glück beginnt jeder Tag bei uns so. Sie ahnt also gar nicht, dass Emil Zuhause bleiben darf. Für Ida sieht alles aus wie immer. Sie läuft mit ihren kleinen, nackten Füßen über den Holzboden ihren Tagesmüttern entgegen, sie winkt nur kurz, sie strahlt ihre Freunde an. In Idas Kindergarten sind nur 10 Kinder. Es ist warmherzig und beschaulich und sehr kreativ.

Emil und ich gehen ins Café und lesen eine Stunde. Emil und ich schlendern zum Bahnhof um Zugtickets zu kaufen, wir füttern Enten, sammeln Blüten für die Blütenpresse, gehen zur Bank, kurz in den Buchladen. Emil und ich kaufen ein. Wir gehen zum Gemüseladen, alle kennen Emil, Emil bekommt Aprikosen geschenkt und freut sich. Emil und ich passen auf das Baby meiner besten Freundin auf, wir legen Wäsche zusammen, wir liegen im Garten in der Hängematte und erzählen uns was. Wir pflanzen einen Holunder, ernten Walderdbeeren, kochen. Emil und ich malen, wir sortieren Sachen aus einer Schublade, wir gießen die Blumen und laden einen Tag seinen besten Freund den „großen“ Emil ein. Die beiden spielen nahezu 6 Stunden völlig autark und alleine. Emil bastelt einen Blumenkranz. Wir holen jeden Tag gemeinsam Ida ab und gehen ins Schwimmbad. Emil hilft Idas Rucksack zu tragen, wenn er sie ruft und seine Arme ausbreitet, läuft sie auf ihn zu und schlingt seine Arme um ihn.

IMG_2452Das Leben in den Ferien ist schön. Sehr schön. Jeden Abend schlingt Emil seine Arme um mich und sagt: Das war aber ein ganz besonders schöner Tag heute, oder Mami? Oh ja, denke ich. Und Abends setze ich mich an den Schreibtisch und arbeite. Und es macht mir nichts. Denn der Tag war so bereichernd und jede Sekunde so wertvoll.

Ich weiß, ich könnte meine Kinder auch die ganze Zeit Zuhause behalten. Aber es wäre nicht dasselbe. Für keinen von uns. Das Besondere hat auch einen besonderen Reiz. Und den Umgang mit vielen Kindern kann ich nicht ersetzen. Ich bin nicht das Kindergartenäquivalent und umgekehrt. Ich und die Zeit die die Kinder mit mir haben ist etwas ganz eigenständiges. Und jeden Nachmittag freuen wir uns auf unser Wiedersehen. Und jede Ferien freuen wir uns auf die gemeinsame Zeit. Und jedes Wochenende an dem Paul Zuhause ist hat einen ganz besonderen Stellenwert. Wir sind glücklich wenn wir zusammen sind. Aber auch, weil wir wissen, dass es etwas besonderes ist. Wir genießen jede Sekunde.

Ich möchte nicht, dass meine Kinder am Tag mehr Zeit mit jemand anderem als mir verbringen. Aber sie dürfen Zeit mit jemand anderem verbringen. Und sie sollen ihre Freunde sehen und in Gemeinschaften lernen. Sie dürfen den Unterschied zwischen Werk- und Wochenendtagen erkennen. Und beidem ihre Vorzüge abgewinnen. Denn vor allem sollen sie erkennen, dass jeder Tag auf seine Art wichtig, bedeutsam und auf seine Art schön sein kann. Gestern Abend habe ich Paul gefragt, ob er eigentlich bei der Arbeit mal auf die Uhr gucken würde, um nachzusehen, wie lange noch, bis er Feierabend hat. „Nein,“ hat Paul gesagt. „Das habe ich noch nie getan. Machst du das?“ Ich schüttelte den Kopf.“Aber ich mache ja auch was ganz anderes,“ habe ich nur gesagt. „Und ich kann ja ohnehin kommen und gehen wann ich will.“ Aber wichtig ist, dass wir dadurch erkannt haben, das wir alles was wir 24 Stunden am Tag machen gerne machen. Und das sollen auch Emil und Ida spüren. Das Kindergartentage schön sind, genauso wie Wochenenden schön sind – nur anders. Und das Paul und ich uns tierisch freuen, wenn wir gemeinsam Urlaub haben. Aber uns genauso freuen, wenn wir wieder zur Arbeit gehen. Ich wünsche mir für Emil und Ida, dass sie niemals von Wochenende zu Wochenende oder von Urlaub zu Urlaub denken. Sie sollen jedem Tag so viel Gutes und Besonderes abgewinnen wie sie können. Und ein Gespür dafür entwickeln, was sie glücklich macht. Denn an manchen Tagen, an denen das Glück vielleicht nicht direkt vor der Tür wartet, da müssen wir gelernt haben es in kleinen Dingen zu erkennen. Und die Sicherheit zu spüren, egal was ist, es wird auch wieder besser. Und egal was ist, ich werde geliebt.

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2 thoughts

  1. Das ist eine sehr positive Grundeinstellung mit dem „dass sie niemals von Wochenende zu Wochenende oder von Urlaub zu Urlaub denken (sollen)…“
    Danke dir, dass du uns das Positive uns Lesern weitervermittelst und da gleichzeitig die Sehnsucht mir ins Herz legst den Beruf zu machen, der einen auch
    selber erfüllt. (Hab bald erst das Abi fertig und weiß noch nicht was ich dann beruflich anstreben will, bin eine junge Leserin 😉
    LG Carina

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  2. Liebe Carina, dann hast du ja eine gute Chance dich „richtig“ zu entscheiden. Ich habe mich nämlich am Anfang falsch entschieden und erst mal Jahre mit dem verkehrten Studium „vergeudet“. Aber im Endeffekt war das wohl auch richtig. Aus den ganzen Dingen die wir so falsch machen lernen wir ja auch was. Unter anderem eben, was wir vom Leben eigentlich wollen und was nicht. Ich glaube das einzige, was man „falsch“ machen kann ist, ewig in Situationen und Jobs zu verharren, die einen nicht glücklich machen. (P.S.: Wovon ich dir abraten kann ist Medizin, aber das würden 80% meiner Freunde natürlich verneinen :)) Ganz liebe Grüße!

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