Warum wir mit kleinen Kindern ins Museum gehen

Emil, Ida, Greta und ihr kleiner Bruder Jakob gehen ins Museum. Oder gehen wir Mütter ins Museum und nehmen die vier kleinen Menschen mit? Oder gehen wir gemeinsam ins Museum?

Man kann sehr gut mit kleinen Kindern ins Museum gehen, man muss nur wissen, was einen erwartet. Und was man selbst erwartet.

Im Museum für Kunst und Gewerbe ist aktuell eine Ausstellung zur Geschichte von „Tattoos“ und ein Part der Trienale der Photographie. Das ist erst einmal aber völlig nebensächlich, weil man ganz hervorragend die Freitreppe hoch klettern und runter rutschen kann. Weil es Teil des Museumsganges ist und sein muss, das Museum auch erst mal als architektonisches Gebäude wahrzunehmen. So könnte man es zumindest pädagogisch wertvoll verpacken. Aber es stimmt ja auch. Museen sehen anders aus als unsere Wohnhäuser und Kindergärten. Sie sind groß, sie haben riesige Treppen und sehr hohe Räume. Sie haben Nischen und Ecken und helle und auch dunkle Räume, es gibt Installationen und Bilder, Skulpturen und Filme. Ein Museum ist viel mehr, als nur der Inhalt. Es ist ein zu erfahrendes Gesamtpaket. Und wer seine Interessen dann wie legt ist jedem selbst überlassen.

Emil und Greta stellen fest, dass es ganz wunderbar hallt, wenn man laut kreischt in den Räumen. Das muss man natürlich unterbinden, ist aber als Erfahrungswert trotzdem ganz schön. Klingt gut, darf man aber nicht. Aber man konnte es einmal ausprobieren. Und das hat Freude gemacht.

In einer verdunkelten Kammer, in einer Videoinstallaton, werden Youtube Tanz Videos zusammengeschnitten. Die Kinder sind begeistert. Und tanzen. Es ist ihre Art die Installation zu erfahren. Und eine viel ehrlichere, intuitive Art einen Zugang zu finden. Und zwei vierjährige, eine zweijährige und ein einjähriger können dem Museumsbesuch etwas abgewinnen. Man muss sie nur erfahren lassen.

Die Tattoo Ausstellung birgt ein wenig Grusel. Emil und Greta stehen sehr lange vor zwei Skulpturen von Enrique Martys. Sie sind kaum größer als die Kinder, komplett tättowiert mit Messern in der Hand und erschreckenden Gesichtern.

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Die Kinder interessiert viel mehr, warum sie Socken tragen. „Vielleicht,“ beginnt Emil. „Weil es hier drinnen viel kälter ist als draussen.“ Über die vermeintlichen Waffen sprechen sie gar nicht. Aber ihr Schönheitsempfinden lehnt die Skulpturen eher ab. „Das ist nicht so schön, oder?“ wendet Greta sich an einen der Museumswärter. „Manche finden sie schön, andere nicht,“ antwortete der. Und das ist genau die richtige Antwort. Kunst hat etwas mit Wahrnehmung zu tun und mit Meinungsbildung. Hier geht es nicht um Konsens und hier haben Kinder nicht nur das Recht selbst zu entscheiden, was sie mögen oder nicht, wir können sie auch darin fördern zu kommunizieren was ihnen gefällt und auch was nicht.

Die Trienale der Photographie bietet im Grunde das meiste Potential um mit den Kindern zu sprechen, bei vier kleinen Menschen ist das aber leider schwierig, weil wir sie einzeln hoch heben müssen. Greta und Emil ziehen alleine los. Erkunden die Räume und das ein oder andere Foto, das tief genug hängt oder groß genug ist. „Ich hätte gerne mehr Bilder gesehen,“ sagt Emil am Abend. „Ich glaube, zu jedem Bild gab es eine Geschichte. Und die hast du mir nicht erzählt.“

Kinder sind manchmal laut im Museum. Sie sind aber auch begeisterungsfähiger und ehrlicher in ihrer Kritik. Wenn etwas sie fasziniert, dann werden sie manchmal laut. Dann kreischen sie, oder juchzen. Wenn sie etwas nicht mögen, sind sie ebenso laut. Sie reden viel. Und das ist wichtig. Und wenn ein Kunstwerk „Pipi-Kacka“ aussieht, dann können wir das gerne im ersten Moment unqualifiziert und albern finden. Aber im Grunde ist es eine altersgerechte Äußerung. Und wenn man einmal durch alle Räume rennen möchte, dann würden wir sehr gerne „Stopp“ rufen. Aber auch das ist ein Teil der Erfahrung.

Sie wissen, dass sie keine Bilder anfassen dürfen. Und das man nicht laut sein darf (und wir müssen genauso wissen, dass man das manchmal vergisst, wenn man in einer neuen Umgebung ist, in der alles irgendwie aufregend ist). Wir können ihnen nur zeigen, wie wir es machen. Wir können über die Bilder sprechen und genauso wieder damit aufhören, wenn sie sagen, dass sie es langweilig finden. Aber erstaunlicherweise finden sie viel weniger langweilig, als man am Anfang so meinen könnte. Sie wollen die Dinge nur auf ihre eigene Art erfahren. Und jetzt sind sie eins und zwei und vier. Aber bald sind sie älter und gehen mit den Dingen anders um. Weil sie von Beginn an daran teil hatten. Und sich ihren eigenen Zugang gesucht haben und in jeder Entwicklungsphase wieder neu suchen werden.

Den restlichen Nachmittag haben wir im Hubertus Wald Kinderreich verbracht – eine Fantasiewelt im Untergeschoss das Museums. Und als ich Emil am Abend gefragt habe, was er am schönsten fand, da hat er natürlich das Hubertus Wald Kinderreich als erstes genannt, aber ohne zu zögern oder nachzudenken hat er mir danach noch diverse andere Werke und Ecken im Museum genannt, die er auch toll fand. Und auch die, die ihm nicht gefallen haben.

Jakob und ich - im Fokus der
Jakob und ich – im Fokus der „von-oben“ Kamera im Hubertus Wald Kinderreich
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3 thoughts

  1. Ein schöner Tag. Wir waren mit unseren Kindern auch schon öfter in verschiedenen Ausstellungen und jedes Mal ein schönes und entspanntes Erlebnis…. Ich finde es immer viel spannender zu erleben wie unsere Kinder sich daran erfreuen und ihre Neugierde ausleben als die Ausstellung selbst. Wir haben vor, demnächst mit den Kindern mal das 1. Konzert/ Musical/Klassik auszuprobieren, was nicht die Zielgruppe Kinder hat und entsprechend eine hochwertige Akustik bietet. Bin gespannt wie der Ohren- und Augenschmauss ankommt…
    Liebe Grüße!

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    1. Oh ja, macht das mal! Das haben wir mit Emil auch schon gemacht. Idas Patenonkel ist Dirigent und wir haben ihn zu einem Konzert mitgenommen. Ida war damals erst ein paar Wochen – die haben wir lieber bei Oma und Opa gelassen. Ich glaube, Kinder spüren sehr gut, dass es etwas ganz besonderes ist. Und auch, dass es eigentlich eine Erwachsenen-Veranstaltung ist. Und das macht sie dann besonders stolz. Ganz viel Spaß euch!!

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