Heute vor zwei Jahren: Willkommen im Leben, kleine Ida!

IMG_1359Liebe Ida,

am Samstag ging es Dir nicht gut. Wir waren in einem ganz urigen Bauernhof Café. Überall Katzen, wilde Brombeeren, riesige Sträucher voller wilder Kräuter. Selbst die freilaufenden Hühner saßen auf den alten Gartenmöbeln. Aber du warst müde und hattest ein furchtbar tränendes Auge. Wir hatten Angst, du könntest eine Bindehautentzündung haben. Du wolltest keinen Moment von meinem oder Opas Schoß. Du wolltest nur getragen werden. Du wolltest die Hühner nicht sehen und dein Eis nicht essen. Also sind wir nach Hamburg zurück gefahren, du und ich. Und Emil haben wir bei Oma und Opa gelassen. Und jetzt waren wir ein Wochenende alleine. Nur du und ich, denn Paul arbeitet und wir sind auf einmal zu zweit. Am Abend bist du wieder aufgewacht und wir haben im Garten zwei Eimer voll Schnecken gesammelt und im Park auf der anderen Strassenseite wieder ausgesetzt. Du hast jede kleine Schnecke im feuchten Gras entdeckt und sie mir gezeigt. Deine nackten Füße zwischen grünen Gräsern und deine kleinen Hände ängstlich nach mir ausgestreckt, wenn doch eines der glitschigen, braunen schleichenden Wesen zu nah an dich heran gekrochen kam.

Meine kleine Ida, wir haben gekocht und du hast mich angelacht. Wir haben aufgeräumt und die Wäsche gewaschen, du hast die Katze gefüttert und Bücher gelesen. Ich beobachte dich. Ich habe sehr viel Zeit für dich. Du hast auf einer Kommode gesessen und mit Murmeln gespielt. Ich habe dich angesehen und geweint. Weil du wunderschön bist. Und ganz einzigartig. Weil du voller Liebe bist. So zart und sanft im Umgang mit deinen Puppen und Teddys. Weil du mich und Paul und Emil so oft umarmst und festhältst. Aber auch, weil es dich vor zwei Jahren noch gar nicht gab. Weil jetzt der Tag ist, an dem du zwei wirst. Wie konnte ich je ohne Dich sein? Ohnd dein einnehmend fröhliches Wesen, deine bezaubernde Art? Ohne deine winzigen Füße zu berühren, deine weichen Haare zu riechen, deinen Herzschlag zu spüren?

Vor zwei Jahren zeigte der Sommer sich von einer schöneren Seite. Es war heiß. Und ich hatte keine Ahnung, dass du heute in unser Leben kommen würdest. Vielleicht hatten wir deshalb die Sachen für einen Abend im Park im Auto. Wir wollten uns mit Freunden treffen. Emil, noch so klein und voller Fragen. Aber du hast nicht lange gezögert, kleine Ida. Der Tag erschien dir richtig, der Abend kaum kühler als die Hitze des Nachmittags. Ich hatte nur einen Bikini unter dem Kleid.

In nur eineinhalb Stunden hast du dich in die Welt gekämpft. In demselben Zimmer wie Emil. Das habe ich mir gewünscht. Bei Emil war es eine eher unfreiweiliige Entscheidung, weil alle Kreissäle belegt waren. Bei Ida war es ein Wunsch. Ein kleines Zimmer mit fliederfarbenen Wänden, Salzkristallen und einer Badewanne. Der Bikini kam einem ganz passend vor, als ich später aus dem Wasser stieg.

Du warst so selbstverständlich für uns, dass es sich ganz anders anfühlte als bei Emil. Unsere Liebe und unsere Faszination hat das nicht geschmälert. Du lagst da und hast geschlafen. Überhaupt hast du die ersten Wochen kaum etwas anderes getan. Geweint hast du so gut wie nie in deinem ersten Jahr. Geschrien wie ein Baby hast du niemals. Manchmal haben wir uns gefragt, ob mit dir etwas nicht stimmt.

Und jetzt bist du zwei. Und kein Baby mehr. Ein kleiner Mensch mit Tausend kleinen Dingen, die dich einzigartig machen. Die Zeit vergeht so schnell. Wir lange willst du noch von uns gehalten werden? Wie lange greifst du noch nach unserer Hand? Streckst deine kleinen Arme aus wenn du dich füchtest. Wie oft trösten wir dich noch, wenn du dich verletzt oder erschreckst. Wie lange helfen wir dir, die Schuhe zuzubinden und auf langen Strecken zu tragen. Du bist so klein, meine kleine Ida, und manchmal wünsche ich mir, dass es so bleiben könnte. Ich liebe deine Stimme. Und die ernsthaftigkeit mit der du Fragen mit „ja“ oder „nein“ beantwortest, die du ziemlich sicher nicht verstanden hast. Wie du die Blumen gießt und immer Angst hast, die Katze könnte deine Spielsachen wegnehmen. Ich liebe es, wie du Dinge beobachtest und wie du alleine spielst. Sehr ausdauernd und sehr fantasievoll.

Ich liebe es, wie du im Badewasser tauchst und immer alles nachmachst, was dein großer Bruder dir vormacht. Ich liebe es, wie du mich manchmal schräg von unten ansiehst, und wie du versuchst deinen kleinen Körper Nachts im Bett um den meinen zu schlingen. Ich liebe es, wie du manchmal ein bißchen genüßlich schmatzt im Schlaf, wie du dein kleines Schäfchen an dich krallst. Ich liebe es, wie du gehst und noch mehr wie du läufst. Wie du morgens alleine dein Gesicht eincremst und deine Haare bürstest. Ich liebe deine großen Augen und das du immer ein bißchen aussiehst wie eine Puppe. Und wie meine Oma.IMG_0710

Ich liebe es, wie du auf Menschen zugehst. Und dich um andere Kinder kümmerst. Wie du immer teilst. Und allen etwas anbietest. Ich liebe es, wie du morgens nach deinem Bruder rufst und er dir ins Hochbett hoch hilft.

Kleine Ida, jeder Tag mit dir ist wundervoll, bereichernd, bezaubernd und so voller Liebe. Jeder Tag mit dir ist einzigartig. Jeder Tag ist wertvoll und so voller Wärme. Ich werde dir noch Tausend Dinge zeigen und du mir wahrscheinlich noch viel mehr.

Meine kleine Ida, vor zwei Jahren lagst du auf meinem Bauch. Du warst so zart und sahst sehr witzig aus. In einer sehr warmen Sommernacht. In einem fliederfarbenen Zimmer.

Ich liebe dich.

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5 thoughts

  1. Mit Tränen in den Augen da wunderschön geschrieben sende ich die herzlichsten Glückwünsche unbekannterweise und dennoch so vertraut an die wunderhübsche kleine Ida.

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