Glücksmomente 19

IMG_4016Okay, es sind ein paar Wochen vergangen, in denen die Glücksmomente nicht Zeile für Zeile festgehalten worden – dennoch waren sie natürlich präsent. Vielleicht durch den Sommeranfang, die vielen Freunde, Events und Kurztrips ein bisschen zu viel Glück und zu wenig Zeit, dieses in einzelnen Buchstaben zu verewigen. Manches bleibt in seiner Schönheit vielleicht doch in unseren Gefühlen verankert und muss gar nicht als Erinnerung für immer niedergeschrieben werden. Das denke ich oft beim fotografieren – aber mich davon zu lösen, immer alles was ich als schön, als besonders und als Erinnerungswürdig wahrnehme, muss einfach fotografiert werden. Es fällt mir schwer mich davon zu lösen.

Natürlich muss ich über den uns endlich heimsuchenden Sommer schreiben – es wäre anmassend, ihn aus den Glücksmomenten auszuklammern, ist er doch ganz maßgeblich daran beteiligt. Von allen Seiten scheint die Sonne auf uns. Wir radeln durch das heiße Hamburg und genießen jeden Moment. Am allermeisten aber – und das ist tatsächlich einer der für mich wichtigsten Punkte warum ich das Leben in der Stadt dem auf dem Lande vorziehe – es spielt sich alles auf den Straßen ab. Wenn ich bei meinen Eltern bin, bei meinem Bruder oder sonst wo außerhalb Hamburgs, immer sitzen die Menschen im Schatten ihrer oftmals wirklich schönen und beeindruckenden Bäume in ihren Gärten. Mal als Paar, mal als Familie. Bei meinen Eltern zum Glück häufig auch mehrere Familien und sehr viele kleine Kinder.

Aber wenn ich durch die Straßen radele, dann ist es still und beschaulich. Hin und wieder mäht jemand den rasen. Ist es zu heiß, sind die kleinen Fußgängerzonen wie leer gefegt. Und all die Menschen, die dort wohnen, die fühlen sich wahrscheinlich pudelwohl in ihrer Beschaulichkeit, der Stille, den Geräuschen der Natur und den drei oder vier spielenden Nachbarskindern. Aber wenn ich in Hamburg im Sommer aus dem Haus gehe, dann ist überall Leben um mich herum. Die Menschen machen sich den öffentlichen Raum zu nutze, vielleicht, weil kaum jemand einen Garten hat, aber das Leben wird zu einer riesigen Gemeinschaft. Überall stellen sie Tische und Stühle auf Gehwege, in Parks, an den Ufern des Isebekkanals, an die Elbe und die Alster. Überall reden Menschen miteinander, teilen sich Brot und Wein, lassen sie 20 oder 30 Kinder gemeinsam spielen. Sitzen auf Decken, zwischen Kerzen, Bäumen und Wasserläufen. Auf den Gehwegen sitzen Abends Menschen und sehen den Möwen zu, es duftet immer ein bisschen nach Ferne und exotischem Essen. Zig unterschiedliche Kulturen vereinen sich in den Parks, Menschen die anders denken, alte und junge, alternative und spießige. Im Grunde ist es egal, weil der Sommer sie alle vereint. Sie alle zusammen bringt auf den Grünflächen dieser Stadt, an den Stränden der Elbe und in allen Café´s.

Tausende Radfahrer ziehen durch die Straßen, Fußgänger turteln bis in die Nacht hinein auf den lauen Straße. Überall gibt es Musik und Kinderlachen, überall gibt es öffentliche Becken für die Kinder zum planschen. Es ist nicht still in der Stadt und sie sehnt sich auch gar nicht nach Stille. Denn die Stille liegt vor ihren Toren, einen Steinwurf entfernt. Wer dem Trubel entweichen will, zieht den Strand ein wenig weiter hoch bis zum Falkensteiner Ufer, oder auf die andere Elbseite. Und wir? Müssen nur in den Garten hinter dem Haus ziehen. Still ist es hier. Die Autos hört man nicht, aber manchmal die großen Schiffe, wenn sie den Hafen erreichen oder verlassen. Manchmal die Möwen, aber meistens nur ein paar Singvögel und unser umherhuschendes fast handzahmes Eichhörnchen. Ich weiß, warum viele Menschen nicht in der Stadt leben. Schon gar nicht mit Kindern. Ich verstehe auch so manches Argument. Aber mich würde die Stille erdrücken. Und das Leben, das im Sommer hier seinen Einzug hält, das möchte ich auf keinen Fall missen.

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Wir verbringen einen Tag mit Paul an der Elbe. Voll ist es nicht. Die Kinder planschen mit den nackten Füßen im Wasser, Ida sammelt fast ein ganzes Einwegglas voller hellbraun und weiß geringelter Strandschneckenhäuser. Sie ist hochkonzentriert bei ihrer Suche. Jede wird genau betrachtet, nur wenn sie (fast) heile sind, wandern sie in ihren kleinen Eimer.

Im aktuellen „Zeit Magazin“ hat der für mich beeindruckendste zeitgenössische Dokumentar Fotograf Paolo Pellgrin eine Bildserie zum Hamburger Hafen veröffentlich. Im dazugehörigen Text heißt es: Es scheint, als sei die Hafenromantik ein sehr deutsches Phänomen. Lädt man ausländische Touristen zum Flanieren am Elbstrand in Övelgönne ein, zeigt man ihnen die Kräne und die Schiffe, dann sieht man auf ihren Gesichtern oft einen Schatten der Enttäuschung. Ist das euer Ernst?, fragen sie. Ein Industriegebiet?

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Und es stimmt. Es ist unser ernst. Ein Stück weiter die Elbe runter sieht man nur noch Schilf, Wiesen, Schafe, ein grünes gegenüberliegendes Ufer und fast klares Elbwasser. Aber uns zieht es immer wieder nach Övelgönne zurück. Zurück mit Blick auf den Hafen. Und die Sehnsucht, die darin steckt.

Im Büro ist es zum Glück angenehm kühl. Wir retten uns mit reichlich kalten Getränken durch den Tag, sitzen viel draussen und sehen den Kindergartenkindern zu, die über uns „wohnen“. Alles geht ein bisschen langsamer. Aber es stört niemanden so richtig. Wir essen Wassermelone, die wir aufgrund der Nichtexistenz eines Messer, mit den Fingern heraus brechen müssen. Es fühlt sich nach Kindheit an. Meine Mutter hat in meiner Erinnerung grundsätzlich nur Wassermelone an uns Kinder verteilt, wenn wir sowieso nackt waren. Am Meer, im Planschbecken, an ganz heißen Tagen.

Die Schnecken haben unseren kompletten Salat aufgefressen – wo die wohl herkamen, bei der Trockenheit? Emil findet das okay. Die müssen ja auch satt werden, konstatiert er. Der hat gut reden, der mag ja auch keinen Salat!

Abends grillen wir viel, laden Freunde ein, sitzen lange draußen. Die Katze liegt in der Sonne und wir haben schon wieder eine Riesenspinne im Garten. Hat das sonst noch jemand? Immer wiederkehrend tauchen bei uns Riesenspinnen auf, die definitiv das normale Maß einer Spinne bei weitem überschreiten. Handtellergroße Viecher, mit leicht behaartem Körper, von denen wir bis heute glauben, dass sie ursprünglich einer anderen Nation zugeteilt waren. So lange man sie in Ruhe lässt verhalten sie sich ruhig. Einmal ist mir aber eine aus einem zum trocknen aufgehängten Handtuch auf ein Sandspielzeug gefallen und es klang, als hätte ich eine zu große Weintraube fallen lassen. Die Dinger haben Gewicht. Und ich gebe zu: für meine persönlichen Glücksmomenten sind sie wirklich nicht von Nöten. Aber die Kinder finden sie spannend.

Was unsere bevorstehende Reise betrifft haben wir jetzt endlich eine Wohnung in New York gebucht. Emil, der bis heute glaubt es heiße „Mijork“ ist schon ganz aufgeregt. Für die Finanzen ist es tatsächlich ganz gut, alles auf Monate zu verteilen. Die Flüge bereits im Februar bezahlt, die Wohnung jetzt, und das Mietauto wenn wir da sind. Aber erst mal genießen wir den Hamburger Sommer!

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Achtung: Viele haben mich nach Idas „Wildschwein“ Kleid gefragt. Das ist von „Zezuzulla“, einem polnischen Kindermodelabel, das nach Öko Tex Standard produziert. Und in Deutschland über Nordkinder zu bekommen ist. Und wo wir schon mal dabei sind: Bei https://www.nordkinder.de ist momentan SALE. Wir lieben die Sachen! Also wer Lust auf ein paar Sommerteile hat, sollte sich da noch mal umgucken!

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