Was wir von Kindern erwarten können

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Ich habe keine Ahnung, was man von Kindern erwarten kann. Im Grunde weiß ich es erst, wenn es soweit ist. Ich weiß nicht, ob ich erwarten kann, dass Emil Abends im Restaurant still sitzt, während wir drei Gänge essen. Eigentlich denke ich sogar: Kann ich nicht erwarten. Seine Cousine „Kaui“ kann das aber sehr gut. Das macht mich nachdenklich. Emil fragt hundert mal ob er aufstehen darf. Emil wühlt auf seinem Stuhl. Emil liest, aber dann will er lieber vorgelesen bekommen. Ida will auch aufstehen. Sie kreischt. Lasse ich sie kreischen tue ich ja auch keinem einen Gefallen.

Kann ich erwarten, dass Emil 10 km in den Bergen wandert? Nein. Kann ich nicht erwarten. Vor allem nicht mit mir als Mutter, die jede Art von Bergauf gehen meidet. Emil läuft aber ohne weiteres 10km in den Bergen. Und das nicht nur ohne eine einzige Klage, sondern die meiste Strecke rennend. IMG_5250

Kann ich erwarten, dass Emil versteht, wenn ich nach einer Stunde im Schwimmbad sage, dass wir jetzt gehen, da wir ja schließlich jeden Tag ins Schwimmbad gehen. Ich finde, dass kann ich erwarten, aber Emil schreit und bockt und weigert sich.

Im Urlaub verbringen wir 24 Stunden miteinander. Paul und ich und die beiden Kinder. Und es ist nicht so, dass ich nicht häufiger mal 24 Stunden mit meinen Kindern verbringe. Aber jetzt ist es geballt, es ist nicht unser Zuhause – und das hat Vor- und Nachteile. Es gibt keine Routine und doch die gleichen Rituale. Wir sind woanders, aber wir sind dieselbe Familie mit denselben Strukturen und den selben Fehlern. Ja, meine Kinder stehen Zuhause auf, wenn sie fertig sind. Und nachdem sie gefragt haben. Aber dann ziehen sie los und spielen. Und ich genieße den Rest meines Essens.

Mein Gott, die ganzen Fehler, die wir tagtäglich machen. Könnten wir doch noch mehr machen! Aber wir trauen uns nicht. Wir werden beobachtet und wir vergleichen uns. Manchmal aber denke ich nur auf Grund meiner Erziehungsfehler sind einige Dinge besser gelaufen als ohne sie. Aber ich erziehe zwei Energiebündel – und das nicht nur, weil es in ihnen steckt, sondern weil ich es non stop herausfordere. Weil ich sie ständig an meinem Leben teilhaben lasse – denn das ist von Vorteil für mich und ziemlich egoistisch. Aber von Anfang an war ihr Leben auch meins und umgekehrt. Und wie sollen Kinder das Leben begreifen, wenn nicht durch das ihrer Eltern? Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als erst einmal zu glauben, so, wie sie es von Geburt an kennen, so läuft das Leben. Und zwar überall auf der Welt und in jeder Familie. Deshalb – denke ich – können sie 14 Stunden Reisezeit in Kauf nehmen ohne zu nörgeln. Weil sie es nicht anders kennen. Weil sie viel reisen, weil sie ständig mit mir irgendwo warten müssen. Weil sie sich selbst beschäftigen können und vor allem, weil sie gelernt haben in allem ein Abenteuer zu sehen.

Dafür sitzen sie an Tischen nicht still und sprechen ständig fremde Menschen an. Von still sitzen war in ihrem Leben bisher noch nicht so oft die Rede und das man mit allen und jedem spricht scheint ja in Pauls und meinem Leben auch der Fall zu sein.

Aber jetzt sind wir im Urlaub und im Urlaub ist alles anders und trotzdem gleich. Wir merken, dass wir von denselben Dingen genervt sind wie Zuhause, aber wir merken auch, dass wir viele andere Dinge viel mehr genießen können. Das wir dreckige aber glückliche Kinder haben, dass wir manchmal so tun, als hätten wir nicht bemerkt, dass Emil schon wieder Barfuss zum Hotel Restaurant geht um dann unten so zu tun, als wäre es uns erst just in diesem Moment aufgefallen. Im Grunde wissen wir aber, dass unsere Kinder gerne barfuss laufen und ist das so verwerflich in teuren Hotels?

Wir suchen ständig nach dem richtigen Weg und der ist wer weiß wo, nur nicht bei uns, aber bei den anderen scheint er auch nicht zu sein, denn heimlich blinzeln wir rüber um zu sehen, dass auch da nicht alles Gold ist was glänzt. Und selbst wenn, wer will schon Gold wenn er Kinder haben kann?

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