Glücksmomente 7

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Ich laufe dem Glück nicht hinterher. Ich erwarte nicht, dass es täglich frisch und munter vor meiner Lebenstür steht und darauf wartet, dass ich es in Empfang nehme. Ich weiß, dass ich es überall finden kann. Man muss noch nicht mal lange danach suchen. Man muss es nur finden wollen.

Im Grunde wohnt es bei uns im Haus, seitdem Emil und Ida sind. Versteckt sich hinter kleinen Gesten, hinter einem Lachen oder einer Berührung. Gestern überquerten wir zwischen Pauls Familie in Osterode und meiner in Abbenrode einen Berg im Harz. Oben lag noch reiner, unberührter, weißer Schnee. Ida war eingeschlafen, aber Emil war wach. Sein ganzer Körper bebte vor Aufregung und Freude. „Da ist Schnee!“ und „Da auch!“ rief er. “ Wir müssen doch noch ein Kind kriegen,“ bemerkte Paul . „Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwann keiner mehr da ist der sich über all diese Dinge so furchtbar freuen kann.“

Das Glück kam diese Woche ständig bei uns um die Ecke. In ganz emotionaler Form am Montag, als ich mit den Kindern aufs Land fuhr. Auf einem Bauernhof umringt von Wiesen und Alleen trafen wir auf die beiden Frauen, die damals meine Großmutter und ihre Familie schon bei sich aufgenommen hatten. Aufnehmen mussten. Und noch immer so voller Liebe sind für eine Familie, die sie dadurch geschenkt bekamen. Auch das das Schicksal kann einem so viel Glück bescheren. Bringt die richtigen Menschen zusammen, fügt alles wieder in Bahnen, wenn auch in andere als erwartet. Der Mensch kann so vieles ertragen und immer wieder neue Wege finden.

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Als wir am Abend zurück kamen waren bereits Freunde zum Essen da. Paul kochte und mein bester Freund Wanja – Mit-Initiator einer großartigen, innovativen und auf Nachhaltigkeit basierten Geschäftsidee (dazu bald mehr) – verkündete mir, dass ich mit in ein Büro in der Schanze einziehen könne. Ich hatte in den letzten Monaten so viele Bürogemeinschaften, Einzelbüros und Galerien in Erwägung gezogen und immer wieder fallen lassen. Es hatte sich noch nicht richtig angefühlt. Jetzt tut es das!

Wir treffen viele Freunde diese Woche. Es wird Zeit den Frühling und die damit verbundene Beschwingtheit zu nutzen um endlich aus der Winter Trägheit zu entfliehen. Eine befreundete Journalistin und ich genießen fast zwei Stunden Mittags im Café am Weiher, draußen in der Sonne, unsere Kinder schlafen und es bleibt viel Zeit um endlich mal wieder weniger über Kinder und mehr über Projekte zu sprechen. Gestärkt von all den neuen Ideen fahre ich mit Ida und dem Fahrrad Emil aus dem Kindergarten abholen und wir verbringen den Tag bis Abends draußen. Erst als es dunkel wird treffen wir uns mit Paul in einem  Restaurant im Uni Viertel und essen Pizza. Die Kinder sitzen nebeneinander auf der Bank und kichern. „Du weißt ja gar nicht wie doll ich dich liebe,“ sagt Emil zu Ida.IMG_2267

Freitag morgen gehen Emil und ich ins Café. Die Woche war voller Projekte und unsere Café´Zeiten sind zu kurz gekommen. Ich gebe Emil nicht in den Kindergarten, sondern wir flanieren ein bisschen durch die Stadt. Emil hat eine sagenhafte Energie. Im Endeffekt „rennt“ er an diesem Tag knapp sieben Kilometer neben dem Fahrrad her. „Fahr, fahr, Mami!“ ruft er vom Gehweg aus. Und rennt als gäbe es kein morgen mehr. Mittags muss ich für ein paar Stunden zu einem Fotoprojekt. Emil verbringt die Zeit zeichnend bei der Patentante. Trotz der durch alles hindurch ziehenden Kälte bleiben wir wieder bis Abends draussen, treffen uns mit Freunden und streiten uns dann doch noch kurz über den 3,5 km langen Heimweg. Emil will weiterhin neben dem Rad herrennen. Ich hätte jetzt aber doch gerne, dass er in den Anhänger steigt. Eigentlich nur aus dem Grund, weil Ida schreit und zetert, weil Emil laufen darf und sie nicht. Emil zeigt keine Einsicht. Ich lasse ihn die letzten 3,5 km rennen und Ida schreien. Immerhin sind Zuhause beide müde und Paul und ich sitzen ab 19:00 bei friedlich schlafenden Kindern an unseren Schreibtischen und haben Ruhe zu arbeiten. Hin und wieder unterhalten wir uns kurz, trinken gemeinsam ein Glas Wein, reden über Projekte an denen wir arbeitenden. Und genießen die Ruhe. Und die Vorstellung, dass Paul ein ganzes Wochenende mit uns verbringen wird.

Am Samstag früh packen wir das Auto voll und machen uns auf den Weg in den Harz. Seitdem Pauls Vater seinen Hauptwohnsitz nicht mehr in Riad hat, hat er sich ein bezauberndes kleines Haus im Harz zugelegt. Es liegt am Ende einer einsamen Straße, umgeben von einem verwunschenen Garten und bis auf die Grundmauern liebevoll restauriert.  Pauls Schwestern und deren Kinder sind bereits dort. Trotz Nieselregens erkunden wir mit den Kindern die seicht hügelige Harzlandschaft, sammeln Stöcker und Tannenzapfen und wärmen uns am Ofen wieder auf.

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Eine innere Ruhe kehrt ein. Jeder bewegt sich durchs Haus, hebt Kinder hoch, liest Bücher vor, wärmt sich am Ofen, nascht frisch gebackene Plätzchen. Nach dem Essen gehen tragen Paul und ich die müden Kinder in unser Hotelzimmer. Eingekuschelt in die Blütenreinen weißen Decken sitzen sie links und rechts von mir und lauschen der Geschichte vom „Sehr unfreundlichen Krokodil“. Es ist das erste mal, dass beide gebannt ihre Aufmerksamkeit ein und demselben Buch schenken. Man merkt, dass Ida einen großen Entwicklungsschritt gemacht hat.

Am nächsten Tag führt unser Weg uns über einen Berg an der Sösetalsperre vorbei in ein noch fast unberührtes Schneegebiet. Erst auf der anderen Bergseite erwartet uns wieder graues Wetter. In einem Fachwerkhaus erwarten uns meine Eltern und mein Bruder mit seinen Kindern. Statt der inneren Ruhe kehrt jetzt eine bunte Geschäftigkeit ein. Vier kleine Kinder erobern Kinderküchen, Hochbetten und den Garten, streicheln den Hund, essen Kekse und lachen. Emil und seine Cousine Helene verschwinden für Stunden im Kinderzimmer während Ida ohne Unterlass Geschirr in einer Kinder Holzwaschmaschine wäscht.

Es bewahrheitet sich mal wieder: je mehr Kinder, desto einfacher der Tag.

IMG_2186Wer mehr Glücksmomente anderer Blogger lesen möchte kann das hier http://www.mamamiez.de/2015/03/15/gluecksmomente-112015/

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