Schlafen ist wichtig – und zwar für mich!

Samstag morgen steht Paul auf und geht duschen. Ich liege im Bett und höre das Wasser rauschen. Paul hat Dienst. Es ist kurz vor sieben. Außer dem Rauschen ist es in der Wohnung totenstill.

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Die Katze legt sich zu mir und schnurrt. Ich lese ein bisschen. Paul bringt mir einen Kaffee ans Bett. Mein Gott, ist das ein ruhiger Start in den Tag. Ich habe ausgeschlafen. Mein Körper ist von alleine erwacht. Es war nicht Pauls Wecker und es war nicht die Katze und es war vor allem nicht das morgendlichen „MAMA!“ rufen. Mein Körper wird einfach wach, der Kaffee ist heiß und duftet. Mein Tag beginnt wie seit fast 4 Jahren nicht mehr. Er beginnt ganz alleine mit mir. Ich habe Zeit mir eine Strickjacke überzuziehen, dicke Socken, ich habe Zeit mich noch kurz zu Paul in die Küche zu setzen. Die Morgen Sonne scheint durch das Fenster. Ich bin wach und wirklich bereit. Jetzt können die Kinder aufwachen.IMG_0504

Als Emil aufwacht krieche ich kurz zu ihm ins Hochbett. Wir lesen, wir reden, wir stehen ganz langsam auf. Emil sucht sich aus, was er anziehen möchte, ich mache ein Frühstückspicknick auf Tellern fertig und trage es in Idas Zimmer. Die Sonne kitzelt sie wach.

Um zehn kommt die Babysitterin und geht mit den Kindern zum Spielplatz. Ich fahre mit dem Rad los, sitze im Café und lese ein Buch für die Recherche meines eigenen Buchprojektes. Nach zwei Stunden bringe ich Kaffee mit und hole die Kinder vom Spielplatz wieder ab. Alles in meinem Leben ist entspannt und glücklich. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg ins Grindelviertel. Emil mit dem Laufrad. Am Isebekkanal sehen wir den Enten zu. Unter den hohen Bäumen laufen Kinder und Hunde herum, in den Cafés sitzen die Leute draußen vor ihren heißen Kaffes und genießen die Hamburger Sonne. Vielleicht liegt es an den kurzen Hamburger Sommern – oder der Hamburger als solcher ist ein wahrer Genussmensch – zumindest muss das Thermometer nur über 9 Grad steigen und die Sonne hervor kommen, dann wird das Leben nach draußen verlegt. Alle Cafés räumen Stühle und Tische nach draußen, auf allen Bänken sitzen sie, auf allen Spielplätzen bricht das Leben aus. Auf einmal fahren wieder Tausende Fahrrad und bevölkern die öffentlichen Parks und Plätze. Eine ganze Stadt erwacht aus dem Winterschlaf.

Wir treffen die Franzosen auf dem Spielplatz, ich hebe rauf, schaukele, hebe runter. Ich helfe Schaufeln wieder suchen, Treppen steigen, über Hängebrücken laufen. Ich fange beim rutschen auf, ich lache gegen die Sonne und treffe Freunde. Als uns endgültig zu kalt wird ziehen wir weiter zu den Franzosen nach Hause. Die Kinder verkleiden sich, fallen von Sofas, lachen, weinen, essen, trinken, streiten und vertragen sich. Um halb sieben machen wir uns auf den Heimweg. Emil rollt zum nächsten Bäcker, wir kaufen Ida ein Brötchen und machen uns auf den Heimweg. Insgesamt knapp 9km hat Emil mit dem Laufrad zurück gelegt. Wir brauchen gut 30 Minuten zu Fuß nach Hause. Der Himmel verfärbt sich dunkel, am Isebekkanal sitzen immer noch Menschen mit dicken Jacken auf den Bänken. Nachdem wir Ida ins Bett gelegt haben teilen Emil und ich uns eine Schale Oliven. Wir sitzen uns gegenüber und freuen uns. Es war ein schöner Tag. Alles war gut. Als Paul gegen zehn nach Hause kommt sage ich nur: Du kannst dir gar nicht vorstellen, was das für ein entspannter Tag war heute! (Vielleicht nicht das, was man hören will, wenn man selber 14 Stunden gearbeitet hat….)

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Irgendwann Nachts werde ich wach, weil jemand in einer Tour „Mama!“ „Mama!“ ruft. Ich sehe auf die Uhr. Kurz vor fünf. Mit wilden lockigen Haaren sitzt Emil im Bett und sagt: „Können wir aufstehen?“ Nein, denke ich. Und da höre ich auch schon Ida. „Aber Ida ist auch schon wach,“ sagt Emil. Ja, denke ich, weil du die ganze Zeit gerufen hast! Ich bin genervt. War klar, dass das nicht zwei mal gut geht. Ich stolpere über Spielsachen und sage Emil, er könne zu Papa mit ins Bett. Ich selber gehe zu Ida und lege mich aufs Sofa. Fünf Uhr! denke ich. Das kann doch keiner gutheißen. Ich halte Idas Hand, fast wäre sie wieder eingeschlafen, da stösst Emil dazu. „Kann ich hier mit liegen?“ Ungern, denke ich, lasse ihn aber unter die Decke. „Papa sagt, ich trete zu viel.“ erklärt er. Ja, dann lass das doch einfach, denke ich, sage aber nichts. Emil tritt statt dessen mich. Er wühlt sich hin und her. „Kann ich mal innen liegen?“ fragt er. Man-o-man, denke ich nur. Er klettert über mich rüber. Jetzt erscheint es mir noch enger. Nach 25 Minuten ist Ida wieder eingeschlafen. Emil leider nicht.

Emil will etwas essen, er sei sehr hungrig. Ich sage, ich kann einen Apfel schälen (kann ich, will ich aber eigentlich nicht. Denn eigentlich will ich schlafen). „Nein,“ sagt Emil, Er wolle keinen Apfel. Er wolle Süßigkeiten. Ich sage nein. Emil zetert rum. Paul wacht auf. Guten morgen, schöner Sonntag!

Um acht hat Emil bereits seine Jacke an. „Ich dachte, wir fahren zu Oma und Opa,“ konstatiert er. „Ja, aber weder ich noch Ida sind ja überhaupt angezogen,“ sage ich. „Wir fahren nicht sofort.“ Emil ist tödlichste beleidigt. Damit ich das verstehe bockt er ein bisschen rum und kippt irgendwas aus. Das zieht immer. Denn auskippen mag ich nicht und es zieht auch, ich bin sauer. Und müde!

Es regnet in strömen. Wieso schleppen wir schon wieder vier Taschen zum Auto? Wir bleiben doch nur bis heute Abend? Ida tritt in JEDE Pfütze. „Aber ich werde NASS!“ schreit Emil. „Und ich kann Ida nicht tragen, denn ich habe vier Taschen!“ schreie ich zurück. Emil versucht wohl nur die Situation zu retten und will Ida von der Pfütze wegziehen. Ida fällt rein und schreit. Ich lasse die Taschen auf dem nassen Gehweg fallen. Ich schreie Emil an. Emil schreit zurück. Wir sind alle klitsch nass. „Ich schreie nur, weil ich so müde bin!“ schreie ich weiter. „Und ich schreie, weil ich nass bin!“ erwidert Emil.

Im Auto wird nach Essen verlangt. „Ihr wollt immer nur essen!“ sage ich ärgerlich. Über so was rege ich mich doch sonst nicht auf? Und dann ist auch noch die Tasche mit dem Essen ganz unten. „Das ist alles eure Schuld,“ sage ich, dabei stimmt das ja vorne und hinten nicht.

Wir finden den einzigen freien Parkplatz am Fabrik Flohmarkt weit und breit. Man, endlich mal was, was einen glücklich macht. „Ich will gar nicht mehr zum Flohmarkt,“ sagt Emil. Der Regen prasselt nur so auf die Scheibe. Die Wut kocht in mir und ich weiß nicht so genau wieso – hat ja jeder das Recht zu sagen, wenn er nicht zum Flohmarkt möchte. Wäre ja sogar ein triftiger Grund sich zu denken, jetzt durch den prasselnden Regen bis zur Fabrik zu laufen, sei vielleicht gar nicht so ein wünschenswerter Spaß. Aber ich werde schon wieder unsagbar wütend. „Dann nicht!“ schreie ich und fahre aus der begehrten Parklücke wieder raus. „Also, wenn du gerne würdest, dann möchte ich doch,“ fällt es Emil ein. Ein anderes Auto schiebt sich triumphierend in unsere Parklücke. „Jetzt will ich nicht mehr,“ zische ich beleidigt wie ein kleines Mädchen. „ABER JETZT WILL ICH!!“ schreit Emil. Wir fahren 45 Minuten zu Oma und Opa ohne ein einziges Wort zu wechseln. Ein ganz wunderbares Wochenende.

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Bei Oma und Opa kehrt wieder Ruhe ein. Emil geht mir aus dem Weg. Ein Kaffee, ein frisches Brötchen, ein kurzes Gespräch und dann ab ins Bett. Warm und still, ein Zimmer direkt unter dem Dach, aus dem Fenster sieht man nur Wald, See und Regen. Ich schlafe sofort ein.

Emil hilft Opa im Keller, Ida hilft beim Kartoffel schälen und Kuchen backen. Erst zwei Stunden später wache ich wieder auf. Wieder eine schnurrende Katze zu meinen Füßen, dicke Socken, Strickjacke, Kaffee. Ein neuer Start – ein so viel besserer!

Emil läuft mir im Flur entgegen, er hat mein neues Fahrrad aufgepumpt. „Jetzt kannst du Probe fahren!“ ruft er begeistert. Draußen ist die Straße noch nass. Ich fahre einmal zum Waldrand und zurück. Ida winkt mir von Omas Arm aus, Emil jubelt. „Es geht! Es geht!“ ruft er. Ich nehme ihn in den Arm und bedanke mich. „Tut mir leid, dass ich vorhin so doof war,“ sage ich. „Macht nichts, Mama,“ sagt Emil. „Ich glaube, du warst nur müde.“

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