Über die Liebe

Bevor wir eine Familie wurden, wurden wir erst einmal ein Paar. Zwei Menschen, die sich bis dato nicht kannten. Nicht wirklich kannten. Zwei Menschen, die sich seit Jahren (und zwar wortwörtlich) begegneten, aber die nicht bereit waren, sich wirklich zu finden. Woran erkennt man die Liebe? Die richtige, die wahre, die ernsthafte Liebe? a233

Paul und ich sind umeinander herum geschlichen. Immer auf der Hut – achtsam, aber doch nach Nähe suchend. Wir haben überstürzte Dinge getan, wie unsere Reise nach New York – nur ein paar Wochen nachdem wir uns zum ersten mal trafen. Wir haben versucht Abstand zu halten, eine Langsamkeit zuzulassen, aber innerlich haben wir nur nach dem anderen gestrebt. Immerzu. Der einzige, der die Ernsthaftigkeit sofort erkannte, war mein Kater Jack. Paul und ich wohnten damals nur ein paar Straßen auseinander. Wenn ich zu Paul ging, hat Jack mich begleitet. Ich war im Viertel bekannt als „Die Frau mit der Katze“. Egal, wohin ich ging. Jack folgte mir. Er wartete vor Supermärkten, vor Cafés (oder als Alternative auch einfach mit im Café). Einmal stieg ich mit Freunden in den Bus. Noch zwei Tage später – ich hatte mir furchtbare Sorgen gemacht – saß Jack an der Bushaltestelle und hat auf mich gewartet. Zum Glück hat eine Freundin mich darauf aufmerksam gemacht („Er sitzt da, und trinkt aus dreckigen Pfützen!“) Lange bevor ich wusste, dass ich zu Paul gehöre, war Jack schon bei ihm eingezogen.

Als Paul und ich unsere erste gemeinsame Wohnung bezogen, war Jack bereits sehr krank. Er war erst drei. Ich glaube, er wäre gerne unter unserem Küchenschrank gestorben, aber wir wollten es nicht wahr haben, trugen ihn zum Auto und wollten wie die verrückten zum Tierarzt rasen. Aber er starb schon im Auto. Es war das erste mal, das ich Paul weinen sah.

Ich glaube, Jack war mein bester Freund. Und als er gemerkt hat, dass auch ich endlich glücklich bin, das ich jemanden gefunden habe, der mich wirklich liebt, da wusste er, das er gehen kann.

ich wusste nicht, das Liebe ewig wachsen kann. Vielleicht hätte einem das klar sein müssen, schon bereits bei dem Gedanken an Kinder. Aber Kinder waren jahrelang so weit weg in meinem Leben, dass ich darüber nicht wirklich sinniert habe. Aber dann kamen Emil und Ida. Diese zarte und doch so intensive Liebe zu Beginn, als würde man jemand Fremden und doch so vertrauten lieben. Jemanden, den man in seinem Charakter noch gar nicht kennt, aber der einem so Nahe ist, wie nichts zuvor. Den man hält und beschützt, für den man durchs Feuer geht. Für den man eine Million mal Nachts aufsteht. Dessen kleine Füße man jeden Tag wieder bestaunen kann, und das erste Lächeln einen zu Tränen rührt. Und die Liebe wächst. Man kann es manchmal gar nicht fassen, so überrennt sie einen, erschlägt einen wie eine Welle, als müsse man nach Luft schnappen, um nicht gänzlich von Gefühlen überrannt zu werden.

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Nach dem ersten Kind hat man im Stillen die Befürchtung: Kann ich ein zweites Kind denn genauso lieben? Ist mein Potential an Liebe denn noch steuerbar. Kann sie für zwei reichen? – Sie kann. Sie kann viel mehr. Wer einmal liebt, gibt den Nährboden frei für noch mehr Liebe. Als würde sie wachsen wie Gras. Liebe zieht Liebe nach sich. Potenziert sich.

Ich weiß gar nicht, was mich mehr prägt, selber Lieben zu können und zu dürfen, oder geliebt zu werden. Manchmal kommt es mir regelrecht unwirklich vor. Kann es wirklich sein, dass ich der wichtigste Mensch im Leben von Emil und Ida bin? Das ich nicht nur meine, sondern auch ihre Liebe bündele?

Eine Freundin von mir hat einmal gesagt, wenn jemand in ihrem Alter gestorben ist, habe sie immer mit dem Gedanken an den Tod gekämpft. Mit dieser stillen Angst, wie fühlt es sich an, was ist, wenn es mich trifft? Jetzt sagt sie, denke sie nur noch: Was ist dann mit den Kindern?

Wir denken weniger an uns, wir denken nur noch an die, die wir lieben. In einer Tour. Und das ist gut so. Weil es uns dahin zurück bringt, wo wir eigentlich immer sein sollten: Zu dem Gefühl der Dankbarkeit, für all das, was wir jeden Tag geschenkt bekommen. All dieses Glück.

(Und da das ganze so tiefgreifend klingt noch kurz zur Entwarnung: Mir geht es gut, bis auf die blöde Erkältung 🙂 ).

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4 thoughts

  1. Die Zeit Der Zärtlichkeit

    Die Zeit der Zärtlichkeit
    begann, bevor der Sommer ging.
    Der Herbst schien noch so weit,
    obwohl das Laub schon Feuer fing.
    Quer über’m Himmel war
    ein Spinnennetz aus Licht gespannt.
    Ich hielt es fest für dich
    mit der bloßen Hand.

    Die Zeit der Zärtlichkeit
    durchstrahlte jeden Tag ganz sacht.
    Mit einer Traurigkeit,
    die jedes Lächeln wichtig macht.
    Und jeder Tropfen Zeit
    zog Kreise auf dem stillen See.
    Du hast wie ich gefühlt,
    daß ich bald schon geh‘.

    Es war wie eine fünfte Jahreszeit,
    Die Zeit der Zärtlichkeit.

    Die Zeit der Zärtlichkeit
    kam unverhofft und ungeplant.
    Geliehene Ewigkeit,
    seit manchem Frühlingstag erahnt.
    Ich hab‘ mich vor der Welt
    in Deinen Augen ausgeruht.
    Was ich bei dir empfand
    gibt mir heut‘ noch Mut.

    Es war wie eine fünfte Jahreszeit,
    Die Zeit der Zärtlichkeit.

    Die Zeit der Zärtlichkeit
    war wie ein neu entdeckter raum.
    Sie war die Wirklichkeit
    und alles and’re ist ein Traum.
    Der Winter geht vorbei
    und dann beginnt ein neues Jahr.
    Wenn du mich nicht vergißt,
    wird die Ahnung wahr.

    Dann kommt, wie eine fünfte Jahreszeit,
    Die Zeit der Zärtlichkeit.

    https://aufgewachter.wordpress.com/2015/01/23/die-zeit-der-zartlichkeit/

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