Dinge, die wir für unsere Kinder tun, Dinge, die wir mit unseren Kindern tun und Dinge, die wir unseren Kindern antun

IMG_0131Manch einer mag sich fragen, was schicken die denn ihr Kind so übermotiviert mit drei in einen Kunstkurs? Fragen wir uns auch manchmal. Nicht, weil wir glauben, zu viel von Emil zu verlangen. Sollte es uns darum gehen unsere Kinder durch ein Labyrinth an Frühförderung zu schicken, hätten wir ihn im Kindergarten zum Englisch Kurs angemeldet und an der Musikschule und am besten beim Klavierunterricht. Ist uns tatsächlich aber alles relativ egal – nein, noch nicht mal egal. Wir halten es für nicht wichtig. Wir sind bewusste NICHT Nutznießer der Frühförderung.

Aber wir sind offen für Anregungen – denn Anregungen kann man für gut aber auch für schlecht befinden. Die kann man aufnehmen oder einfach übergehen und für sinnlos erachten. Anregungen kommen und wollen bewertet werden. Und Anregungen haben nch niemandem geschadet, sobald man sich Gewiss ist, dass man sie ohne weiteres auch wieder ad acta legen kann.

Emil rief schon im Bus „Ich will in die Kunsthalle!“ und feute sich wie ein kleiner Schneekönig. Weil wir so passionierte Kunsthallen Nutzer sind? Nein. Wir mögen Kunst, wir mögen Ausstellungen – wir mögen es meistens nicht, wenn die Kinder die Bilder anfassen, die langen Räume zu herum flitzen nutzen, ständig laut kreischen. Manchmal nehmen wir sie mit, das stimmt, manchmal lassen wir sie auch Zuhause und genießen für uns alleine. Aber immer gilt: Wenn ihr keine Lust mehr habt, können wir auch gehen. Vielleicht gehen sie deshalb so gerne. Sie nehmen die Dinge auf, wundern sich, lachen über abstrakte Kunst, finden Mirot total lustig. Und sie mögen Skulpturen – Kinder lieben Skulpturen. Die sind haptisch, meistens groß (Größe ist am Anfang in der Kunst absolutes Kriterium dafür, das etwas ziemlich gut ist. Je größer, desto besser der Künstler). Skulpturen sehen manchmal witzig aus, ganz dünn, wie bei Giacometti und man kann Dinge an ihnen entdecken. Das geht in Kirchen genauso wie in Ausstellungen oder auf öffentlichen Plätzen. Wer selber kurz vor einer Skulptur inne hält, wird die Aufmerksamkeit der Kinder sofort auf sie ziehen.

Der Kunstkurs ist etwas, das wir für Emil tun. Ihm die Möglichkeit geben etwas auszuprobieren. Wir tun das weniger für uns, denn in unseren Köpfen wächst kein späterer, frühkreativer Installationskünstler in Emil heran. Wir geben ihm die Möglichkeit etwas zu sehen, auszuprobieren und dann zu entscheiden: Fand ich gut oder fand ich nicht so gut (oder, im Zweifelsfall findet Emil es „wangleilig“).

Aber Emil fand es gut – und das im Gegenteil zu uns. Der Kurs war zu voll, ziemlich unstruktiert und anleitungslos. Aber Emil hatte etwas Eigenes hergestellt, er hatte etwas entworfen, gestaltet und fertiggestellt. Etwas das aus ihm entsprungen war – und er war stolz darauf. Dinge, die wir für unsere Kinder tun können schön sein, anregend und kosten manchmal Geld. Im Gegensatz zu Dingen, die wir mit unseren Kinder tun. Die kosten selten Geld (zumindest nicht im direkten Verhältnis). Pizza backen, Gartenarbeit, im Wald herumstreunen, Bücher lesen. Unser Wochenende war voll mit Dingen die wir mit unseren Kindern tun. Am Sonntag Abend haben wir mit den Kindern gemalt. Wir haben die Farben, Stifte und Pinsel nicht einfach auf den Tisch gestellt. Wir haben alle gemalt. Mit Pinseln und Fingern, auf Papier und Haut und Haare.IMG_0127

Dinge, die wir unseren Kindern antun, sind meistens nicht vorrangig als solche deklariert. So wie der „Heldenmarkt“. Wäre der leerer gewesen, wäre es ein Kinderausflug nach Emils und Idas Geschmack werden können. Joghurts probieren, Bio Kinderkleidung bestaunen und sich wünschen, überall konnte man malen, probieren, Dinge lernen – über Bienen, über die Herstellung von Marmeladen, über Windenergie. Aber statt dessen war es furchtbar voll. Ein Gedränge, eine Schieberei. Ständig musste man nach den kleinen Ärmchen greifen um sie nicht zu verlieren. Emil wollte nicht bis zum Tisch gehen und aß seinen Joghurt einfach auf dem Boden neben einem Stand. Alle ware gestresst und genervt. Am meisten ist es die Umgebung, die unsere familiäre Laune prägt. Und wenn die einmal kippt, dann gleich bei allen Beteiligten. Paul genervt von den Kindern, Emil bockig und stur, ich genervt von Ida, die überall die Blumen aus den Vasen zu kippen versucht. Überall Füße, dreckige Joghurt Löffel, ein „Ich muss mal, oh, jetzt sofort!“ und eine panische Suche im Gedränge nach einer Toilette. Kaum Freunde getroffen, kaum Mehrwert der Veranstaltung. Vielleicht anfangs mal eine gute Idee gewesen, aber am Ende muss man sich eingestehen: Fällt unter die Rubrik: Dinge, die wir unseren Kindern antun.

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Fazit: An einem Wochenende kann man alle diese Dinge zumindest ohne weiteres unter bringen. Auf letzteres hätte man im Nachhinein aber verzichten können.

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