New York – Kanada

day 8 (122) Das größte Glück liegt nicht darin zu reisen – das würde alles andere so relativieren. Das Glück liegt woanders- irgendwo in uns, und unter anderem Reisen fördert es in Mengen zu Tage. In unserer Familie gibt es eine klare Differenzierung zwischen Urlaub und Reise. Urlaub ist, wenn man irgendwo ankommt und dort bleibt, seine Zeit da verbringt, sich erholt, am Strand spielt, gutes Essen genießt und dem Müßiggang frönt. Reisen ist, wenn wir unseren Heimatort verlassen um nie irgendwo ganz anzukommen, sondern den Weg als Abenteuer sehen. Wenn wir von einem Ort zum nächsten kommen und überall etwas Neues entdecken. Wenn wir eine Strecke zurück legen und diese als Ziel sehen. Wir haben diese Woche unsere ersten vorläufigen Daten für unsere diesjährige Reise zugesandt bekommen. Sie wird uns von New York bis Kanada führen – Paul, Emil, Ida und mich. Nach unserer letzten anstrengenden Projektreise im letzten Jahr eine ganz neue Art zu planen und zu organisieren. Viel bloggen viel fotografieren, aber kein schwieriges, belastendes Thema im Hintergrund, keine Verpflichtungen und Zeitzeugenbefragungen. Diese Reise gehört ganz allein uns. Wie vor fünf Jahren, als Paul und ich uns auf die Reise nach New York gemacht haben. Sechs vage, aufregende Wochen waren wir grade erst zusammen. Kannten uns kaum. Waren noch nie zusammen gereist. Hatten einen völlig unterschiedlichen, finanziellen Background. Paul Arzt, ich Studentin. 7 (3) Meine Freundin Steffi sagt, ob Beziehungen funktionieren oder nicht, merkst du daran, ob du die gleiche Vorstellung von Urlaub hast wie dein Partner. Sie verabscheue Hotels. Ständig fühle sie sich verpflichtet in Hotels irgendetwas außerordentlich besonderes zu machen, denn den Abend vor dem Fernseher verbringen, könne sie ja ebenso gut Zuhause. Also überkommt sie in Hotels eine sagenhafte Erwartungshaltung, die sich nie erfüllt. „Ich fühle mich eingeengt auf 20 qm,“ stellt sie fest. „Aber auf 4 qm in unserem VW Bus fühle ich mich frei.“ Urlaube machen tatsächlich mit den kleinsten Teil unseres Lebens aus. Sollten wir nicht zusehen, dass wir im Alltag kompatibel sind? Das wir in der Kindererziehung ähnlicher Meinung sind, auf die gleichen Konzerte gehen mögen und das gleiche Essen favorisieren? Ich weiß es nicht, aber der Urlaub bringt alles auf den Punkt. Er charakterisiert uns. Sind wir ruhelos und sportlich? Oder gemütlich und entspannt? Mörgen wir es heiß oder kalt, kulturell oder abgeschieden? Pilgern wir den ganzen Tag durch Großstädte, oder genießen die Stille in schwedischen Wäldern? Und spiegelt sich nicht aller Alltag in unserem Urlaub wieder? Grade weil wir uns bewusst von Dingen trennen, mit denen wir im Alltag kämpfen, wie kochen, putzen, Betten machen? Oder nehmen wir kochen, putzen, Betten machen gerne in Kauf wenn wir statt dessen aber die Umgebung wechseln, eine neue Stadt, neue Gerüche und neue Erfahrungen aufnehmen? Verändern wir den Umgang mit unseren Kindern weil wir mehr Zeit mit ihnen verbringen? Beflügelt uns das oder erschreckt es uns zu sehen, wie anstrengend es ist, sie manchmal über Wochen wirklich 24 Stunden um sich zu haben?IMG_9434 Freunde von uns sind ein Jahr mit ihren beiden kleinen Kindern mit dem Bus durch Europa gefahren. (Wer Lust hat darüber zu lesen http://www.utopia.de/blog/wer-suchet-der-findet). Am Ende fragte jemand, ob die Kinder nicht zu klein gewesen sein. Nicht vorrangig wegen der Anstrengung die diese vielleicht den Eltern abverlangte,, sondern weil sie sich später nie wirklich daran erinnern würden. Aber das ist gar nicht wichtig. Erinnerungen sind schön, aber Emil erinnert sich auch kaum an Dinge aus unserer Oman Reise, aber sie haben Erfahrungen gemacht die weit darüber hinaus gehen. Sie haben auf engstem Raum gelebt, sie haben sich nicht mit Konsum auseinander setzen müssen, sie haben sehr viel Nähe erfahren, andere Kulturen aufgenommen und auch gelernt, sich mal zu langweilen. IMG_0240 Wir erkennen sehr viel über uns, unsere Beziehung, unsere Träume und unsere Familienkonstellation wenn wir reisen. Viel mehr als nur die Dinge die wir sehen. Wenn Kinder früh reisen erscheint ihnen vieles nicht so fremd wie uns. Das ganze Leben ist neu, alles mögliche sehen sie zum ersten mal – auch in Hamburg. Für Emil war es überhaupt nicht überraschend, dass die Frauen im Oman komplett verschleiert waren. Ihre Kinder haben mit ihm gespielt, die Frauen haben laut gelacht, dann wusste Emil, dass alles gut war, auch wenn er ihre Gesichter nie gesehen hat. Emil hat viele Freunde mit fremd klingenden Namen, arabische, französische, dänische und englische Kinder. Kein Name kommt ihm fremd vor. Für ihn sind alle Kindernamen neu. Bis heute glaubt er, die Biene im Fernsehen heiße Biene Naya, weil seine dänische Freundin so heißt. Ihm ist nicht klar, dass es naheliegender wäre, wenn sie Biene Maja hieße.

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