Glücksmomente

Glücksmomente

Und das Glück, steht vor dir an der Straße und hält den Daumen raus,aber alles geht so schnell, dass es dir immer erst auffällt, wenn du in den Rückspiegel schaust.

(Maxim)

 Wenn man mit Kindern zusammen arbeitet, ist jedes Projekt eine Art Glücksache. Es kann klappen oder auch nicht. Man kann vieles planen, diverses davon nicht umsetzen, vieles neu planen, umorgansieren, improvisieren. Da das letzte Projekt unter keinem guten Stern stand (siehe https://emilundida.com/2015/01/25/dienst-tage/) hatten wir ungeplant, völlig spontan und ohne Konzept ein weiteres am Sonntag – eine Fotoserie mit den eigenen Kindern, ganz frei und ungezwungen, uninszeniert und in den Bildmotiven voller Ruhe und Liebe.

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Daraufhin kamen nach Online stellen der neuen Bildserie direkt am Montag morgen die ersten 5 Neuaufträge für die kommenden Wochen rein und somit die Möglichkeit viele der angesammelten Ideen umzusetzen.

Ich liebe das Glück, dass ich empfinde, wenn ich all das, was zuerst in meinem Kopf Bilder findet zufriedenstellend umsetzen kann. Und ich trage dieses Glück, was durch meine eigene Passion entsteht weiter in meine Familie und mein Leben. Ich glaube, nur wenn wir selber glücklich sind, können wir unseren Kindern die Freude am Leben vermitteln.

Mittags gehen Emil und ich ins Dino Bad – ich lasse meine Arbeit gerne liegen, wenn etwas gut war. Ich denke mir, dass Zeit manchmal relativ ist. Das man Momente vielleicht einfach ergreifen muss wenn sie vor einem stehen. Montags Mittags um 13:30 befinden sich im Dino-Bad Emil, der Bademeister und ich und eine Schar riesiger, Wasserspritzender Dinos. Emil taucht, baut ganze Dino Welten in seiner Fantasie und ist in seiner eigenen Welt. „Am Wochenende,“ erzählt uns der Bademeister. „Waren hier an einem Tag 2500 Menschen. Und heute seid ihr da. Was für ein Kontrastprogramm!“

Zuhause hören wir Jazz und backen ein Brot. Ida tanzt. Sie nutzt jede Gelegenheit zu tanzen. Ich liebe es, ihre kleinen dünnen Beine und den runden kugeligen Bauch sich bewegen zu sehen. Das Glück spielt sich zwischen Wohnzimmer und offener Küche ab – manchmal frage ich wozu wir die anderen Räume eigentlich brauchen? Emils kleinen Hände kneten eifrig Brotteig, es duftet nach heißem Brotlaib aus dem Ofen, auf dem Fußboden verteilt sich Spielzeug, die Katze liegt neben uns auf dem Sessel und schnurrt. Nur Paul fehlt, um das Glück perfekt zu machen.

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Ich nutze den Dienstag um endlich einen Zugang zu meinem Buchprojekt zu finden. Ich lese Zeitzeugenberichte noch mal und sehe eine Dokumentation über den Untergang der „Wilhelm Gustloff“ ( Die „Wilhelm Gustloff“ wurde im Januar `45 als Flüchtlingsschiff für die Bevölkerung Ostpreussen vor Einmarsch der roten Armee eingesetzt. Knapp 10 000 Menschen, davon hauptsächlich Frauen und Kinder haben diese Chance zur Flucht genutzt. Noch am selben Abend wurde das Schiff von einem U-Boot entdeckt und zum sinken gebracht. Der Untergang der Wilhelm Gustloff ist das größte Schiffsunglück der Geschichte. Laut Dokumenten haben nur 1252 Menschen überlebt.) Es ist unmöglich sich mit Selbstbeherrschung durch Berichte zu lesen, in denen Mütter schildern, wie lange sie neben ihren toten Babys geschwommen sind. Aber ich kann dennoch etwas wie Glück empfinden, weil es mich so erdet und mir die Augen öffnet, für das was wir haben. Dieses unfassbare Glück jetzt auf dieser Welt zu sein und unsere Kinder so behütet aufwachsen zu lassen. Es sollte uns ermutigen, denen zu helfen, die leiden und das zu schätzen, was sich jeden Tag in unserem Leben abspielt.

Die Kinder gehen zum Kinderturnen und ich finde meine alte Freundin die „Gelassenheit“ wieder. Da uns Zuhause außer Katze-Carla niemand erwartet verbingen wir unseren Vor-Abend in der geräumigen Umkleidekabine. Die Kinder essen selbstgebackenes Brot, kriechen unter den Bänken herum, verstecken „Knabber-Eulen“ in offenen Schränken und kreischen vor Glück, wenn der andere sie findet. Erst eine Stunde nach Ende des Turnens machen wir uns langsam auf den Weg zum Fahrrad. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass Zeit einem manchmal wirklich scheiß egal sein kann. Es regnet und die beiden kriechen unter ihre Decken im Fahrradanhänger. Wir radeln im Dunkeln am Isebekkanal und suchen nach Enten, die sich im Gebüsch verstecken. Die beiden kichern und lachen und ich werde nass. Es ist mir egal.

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Nach acht Tagen durcharbeiten hat Paul am Mittwoch frei. Er und Ida machen einen Papa-Tochter Vormittag und fahren zum shoppen nach Altona. Ich versuche zu schreiben, während parallel der Klavierstimmer mehr als eine Stunde lang auf die Tastatur haut. Die Konzentration lässt zu wünschen übrig, aber das Glück ist dann doch groß, als ich endlich wieder spielen kann. Es klingt wieder so voll und rein und klar. Wenn Ida mitspielt klingt es allerdings leider nicht mehr so rein und klar. Manchmal tanzt sie, wenn ich spiele. Das mag ich besonders.

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Am Nachmittag treffe ich diverse Mütter beim „Eltern-Kind-Café“ (Johann-Gehrhard-Oncken Kirche, Grindelallee 95-101), die mit inspirierenden Ideen für das neue Fotoprojekt aufwarten. Meine Eltern kommen spontan vorbei. Sie sind eigentlich auf dem Weg ins Theater, wollen aber die Kinder überraschen. Für die Kinder war das sicherlich der glücklichste Tag der Woche – auch wenn Emil mehrmals betonte, dass der Besuch viel zu kurz gewesen sei.

Abends essen wir zum ersten mal seit über einer Woche zusammen mit Paul – im Stile seiner italienischen Wurzeln mit Pasta und Bolognese, viel Kinderlachen und gutem Wein.

Donnerstag gehen Emil und ich endlich wieder ins Café. Grundsätzlich bestellen wir alles, suchen uns einen Platz und Emil sagt: „Ich muss mal.“ Keine meiner Glücksmomente – meistens hab ich mein Mac Book in der Tasche, manchmal die Kamera – und muss demnach immer alles mit aufs Klo schleppen. Beim Händewaschen sagt Emil: „Ich weiß gar nicht, wieso du immer so genervt bist, wenn wir aufs Klo gehen. Frag mich doch einfach mal vor dem bestellen, ob ich muss!“ Wie Recht er hat.

Ich habe eine Stunde mit Emil ganz alleine und genieße das. Wir reden über Freundschaft und darüber, wie man miteinander umgeht. Das man freundlich sein muss und nicht schubsen darf. Und wir reden über Arbeit. Wir haben unseren Kindern nie gesagt, dass wir arbeiten um Geld zu verdienen. Sondern das wir arbeiten, weil es uns Spaß macht. „Was möchtest du denn irgendwann mal arbeiten?“ frage ich. „Fußballspieler,“ sagt Emil. Na ein Glück, dass wir am Freitag zum ersten mal ein Probetraining bei St. Pauli haben!

Am Nachmittag findet das aktuellste Fotoprojekt statt. Mit 5 Anwesenden Kindern, von denen vier für die Bilder eingeplant sind. Zwei Buggys, ein Koffer mit Requisiten, eine Ikea Tasche voller Kleidung, eine Kamera Tasche, Kinderstühle, Schwerter, drei Mütter und dem Versuch der Lage Herr zu werden. Als Location ist der alte Elbtunnel geplant. Die Kinder sind aufgeregt und voller Motivation. Sie verwandeln den Tunnel in eine Kinderhöhle, in ein zu eroberndes Paradies unter der Erde. Sie treten stark und voller Ideen auf. Erklimmen Industrietreppen und verwandeln das triste Neonlicht mit dem Einsatz hunderter Seifenblasen. Emil und Greta schaffen es nicht, ohne sich alle zehn Minuten um etwas zu streiten. Seit Geburt an verbringen sie ihre Leben eng zusammen und benehmen sich wie andauernd streitende Geschwister. Am Ende zerrt es auch an unseren Nerven. Emil und Greta sitzen nebeneinander auf einer Treppe und Emil sagt: „Ich weiß gar nicht, was die immer haben. Wir sind doch Freunde!“

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Paul und ich frühstücken Freitag früh im Elbgold. Wir nutzen diese Momente um immer wieder neu zu fokussieren, was uns wichtig ist. Paul erzählt viel von seinem neuen Job auf der Intensivstation. Vieles scheint inspirierender zu sein als in der Chirurgie – Forschung und Weiterbildung nehmen wieder eine ganz neue Rolle ein. Paul ist voller Kraft für neue Dinge. Die Arbeit frisst ihn nicht mehr auf – sie treibt ihn vorwärts. Paul würde gerne über das Buch sprechen, aber die Arbeit daran frustriert mich. Es tut nicht gut über frustrierende Dinge zu sprechen. Wir reden über das letzte Fotorprojekt mit den Kindern im Elbtunnel und das nächste, was schon in der Planung ist. Um vorwärts zu kommen ist es gut positive Dinge zu teilen.

In Idas Kita ist einmal im Monat gemeinsames singen. Ich muss ziemlich viel arbeiten, aber der Gedanke, dass Ida als einziges klitze kleines Wesen ohne ein Elternteil singt, spornt mich an. Weil ich es liebe, wie sie strahlt, wenn sie mich sieht. Und mit welchem Stolz sie vor mir sitzt und Fingerspiele mitmacht.

Jeder muss seine eigene Entscheidung treffen, wie und wieviel er arbeitet und ich weiß, dass viele gar keine Wahl haben. Aber die die eine Wahl haben, denen rate ich, arbeitet weniger oder Nachts oder wann immer es geht, aber nutzt diese Momente. Sie sind so schnell vorbei.

Glücksmoment war sicherlich nicht, dass wir bei St. Pauli und unserem ersten offiziellen Fußballtraining vor verschlossenen Türen standen. Glück ist aber, das Pauls Ex-Freundin – meine Fußballbegleitungsmama – eine ganz wunderbare Person ist. Eine wunderhübsche Halbgriechin, die (im Gegensatz zu mir) immer genau weiß was sie will, erfolgreich in der Pathologie arbeitet und (auch zu meinem Glück) mit einem wunderbaren Mann verheiratet ist und ein ebenso wunderbares Kind mit ihm hat. Wir packten kurzerhand um fünf die Kinder in die Autos und fuhren zu ihr um da bis zum Abend zu verweilen. Emil und der kleine Grieche haben gespielt, während wir Pizza gegessen, Flohmärkte geplant haben und Ida zusahen, die alle 10 Minuten ihr neues Kleid präsentierte, in dem sie daran zog und etwas verlegen den Kopf schief legte, bis ihr die richtige Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Am Samstag wussten meine Eltern von Schneestürmen zu berichten, während in Hamburg die Sonne schien. Letzter Januar Tag, Paul wie immer bei der Arbeit, saßen wir Mittags mit der Griechin und dem kleinen Griechen auf dem Ottenser Markt und aßen draußen in der Sonne Rosmarin Kartoffeln. An einigen Tagen ist es ganz einfach, nach dem Glück zu greifen. Die Sonne schickt es in die Stadt, unsere Gemüter saugen es auf, das bunte Treiben in Ottensen steckt an und der Duft von Rosmarin Kartoffeln erübrigt den Rest.

Mehr „Glücksmomente“ unter Bis einer heult!

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