Dienst-Tage

6.15 Uhr: Ich werde von Pauls Wecker jäh aus dem Schlaf gerissen. Paul grummelt etwas. Ach, verdammt, Samstag und Paul hat Dienst. Ich drehe mich noch mal um. Kurz darauf klettert Emil zu mir ins Bett. Mein Kopf ist noch so schwer vor Müdigkeit. Emil und ich spielen Löwen-Mama und Löwen-Kind. „Die Löwen Mama schläft,“ erkläre ich die Regeln. Für Emil ist das in Ordnung. Er baut eine Löwenhöhle aus diversen Decken und Kissen. Auch welchen aus dem Wohnzimmer, den Kinderzimmern und der Küche.

6:30 Uhr: Ida wacht auf. Ich muss aufstehen. Der Fußboden erscheint mir fürchterlich kalt. Paul kommt aus der Dusche – viel Zeit werden wir heute nicht füreinander haben. Ida sitzt aufrecht im Bett und versucht verzweifelt ihren Schlafsack auszuziehen. Kinder starten nie gemächlich in den Tag. Direkt nach dem Aufwachen muss der Tag begonnen werden. Keine Zeit vergeuden – es gilt noch so vieles zu entdecken.

7:00 Uhr: Nach einem gemeinsamen Kaffee verlässt Paul das Haus. Es hat geschneit. Die Kinder stehen am Küchenfenster und sehen zu wie Paul sein Rad aufschließt. Es wird viel gelacht. Ein guter Start für ihn in den Tag. Eine glückliche Familie verlassen zu der man zurück kehrt.

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7:30 Uhr: Die Kinder spielen, ich gehe duschen. „Ich lasse die Tür auf,“ sage ich. „Wenn etwas ist, kommt einfach ins Bad.“ Grade Schaum im Haar weint Ida. Vom Sofa gefallen. Ich hinterlasse viele nasse Fußspuren auf dem furchtbar empfindlichen Holzboden im Flur. Geölt, nicht versiegelt, hochgelobt von unserem Architekten und Null kindertauglich!

9:30 Uhr: Ich habe Pferd gespielt, eine Maschine Wäsche gewaschen, die Kissen zurück in die einzelnen Zimmer geräumt, das Bett gemacht, Frühstück auf- und abgedeckt. Die Kinder haben Lego ausgekippt, einen ganz bestimmten Aufkleber gesucht und dafür zwei Kisten auf den Boden geleert (den besagten Aufkleber aber tatsächlich gefunden). Ida hat ihre Zahnpasta auf dem Spiegel verteilt, während ich Emils Zähne putze. Außerdem ein Glas Wasser ausgekippt und das Katzenfutter nicht in sondern neben das Schälchen gekippt. Ich höre hundert mal „Mama, du musst….“.

Ich lese meine Mails und beginne dann unsere Sachen zu packen. Wir sind zu einem Fotoprojekt verabredet mit zwei weiteren Kindern. Draußen schneit es immer noch. Emil zieht unglaublich kooperativ das zurecht gelegte Outfit an, Ida reißt hundert mal den Pullover wieder vom Kopf. In eine Tasche stopfe ich weitere Outfits, Essen, trinken, die Kamera Ausrüstung. Ida nölt im Auto. Ich muss Eis kratzen und finde den Kratzer nicht.

10:30 Uhr: Samt allem Gepäck, Buggy und Kameraausrüstung machen wir uns auf den Weg zum Tropenschauhaus in Planten un Blomen. Es schneit immer noch. Emil sagt er friert. Er tut mir leid, er ist so kooperativ heute, aber der Schnee setzt sich in alle Ritzen. Der Schal wird feucht, Ida hat eiskalte Hände, schreit und zetert aber so bald sie Handschuhe nur sieht.

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11:15: Uhr: Ein Anruf klärt leider auf, dass ich im Vorgespräch Tropenschauhaus sagte, was in Wirklichkeit aber „Botanischer Garten“ heißt und die Mutter der anderen Kinder so oder so „Tropenaquarium“ verstanden hatte. Da wartete sie nämlich bereits seit 15 Minuten auf uns. Ich ziehe beide Kinder wieder an. Emil sagt, er hat Hunger und er geht nicht zurück zum Auto. Es ist ihm zu kalt. Ida meckert. Es schneit immer noch. Der Weg kommt mir endlos vor. Emil läuft in Zeitlupe. Ständig bleibt er stehen und sagt, er friert und er hat Hunger. Ich werde ungeduldig. Die Kameratasche rutscht mir ständig von der Schulter.

11:45 Uhr: Abstecher zum Bäcker, immerhin hört das Gemecker auf, Ida schläft im Auto ein. Im Tropenaquarium sind Buggys verboten. Wie soll ich die da durch tragen und parallel fotografieren? Wir fahren an der Wohnung vorbei, es gibt keinen Parkplatz, die Kinder müssen im Halteverbot warten. Ich renne rein, hole die Manduca. Um Punkt zwölf erreichen wir das Tropenaquarium. Die anderen beiden Kinder sind schon einmal ganz durchgegangen. Mama-K. zeigt sich tiefenentspannt: Kein Problem, sie gehen auch gerne noch mal mit durch. Ein Kind hat sie auf dem Rücken, eines ungeduldig zappelnd an der Hand. Fünf Minuten in der Manduca und Ida ist wieder wach und hat so ganz und gar kein Interesse daran getragen zu werden. Wir müssen im Gedränge auf einen freien Spinnt warten. Ich kann unmöglich das Fotoequipment und die ganzen Winterjacken und Ida tragen.

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13:00 Uhr: Wir sitzen vor einem riesigen Aquarium und versuchen die beruhigende Wirkung von Fischen auf uns wirken zu lassen. Emil sagt alle 30 Sekunden, dass er Hunger hat. Aber nicht auf ein Brötchen. Er hat Hunger auf Gummibärchen. Das Baby von Mama-K. hat definitiv überhaupt keine Lust mehr auf diesen Ausflug.Sie versucht ihm im Gedränge ein Gläschen zu geben, die Konzentration lässt aber zu wünschen übrig. Emil und Foto-Model-Nummer-zwei streiten sich in einer Tour. Für Fotos sowieso ein denkbar ungünstiger Ort. Dunkelheit und Gedränge. Wir geben auf. Ich schleppe Ida und die Foto-Ausrüstung bis zum Ausgang.

13:30 Uhr: Emil geht schon wieder in Zeitlupe. Mir fällt schon wieder die Kameratasche von der Schulter. Ida haut mir ständig auf dem verschneiten Parkplatz ab.

13:50 Uhr: Wir sind Zuhause. Ich versuche alles gleichzeitig aber strukturiert aus dem Auto zu bekommen. Erst die beiden Taschen umhängen, dann den Wohnungsschlüssel schon mal bereit halten, dann Ida auf den Arm, dann Emils Tür auf. Oh, der hat seine Jacke ausgezogen. „Zieh ich nicht mehr an,“ sagt er. „Die ist nass vom Schnee“. Letzte Tasche aus dem Kofferraum holen, aufpassen das einem nicht schon wieder die Kamera Tasche von der Schulter rutscht. Emil steht vor dem Auto und sagt Hundert mal, wie sehr er friert. ich finde den Autoschlüssel nicht. Tasche eins fällt in den Schnee, Tasche zwei. Ich kann den Schlüssel nicht finden. Ich setze Ida ab, die Kameratasche rutscht von der Schulter. Emil zittert theatralisch. Im Auto ist der Schlüssel auch nicht. Ida rennt zur Strasse. Ich hinterher. Alle Taschen wieder hoch, Kinder in die Wohnung bringen und zurück zum Parkplatz. Der Schlüssel liegt vor der Fahrertür im Schnee.

14:20 Uhr: Ich koche ein Essen, die Kinder rühren nichts an. „Ich hab überhaupt keinen Hunger!“ nölt Emil. Das hörte sich aber vorhin noch ganz anders an. Ich beantworte ganz schnell ein paar Mails. Zwei neue Aufträge kommen rein, ich versuche mir zu merken, wirklich ganz schnell und bald mit Terminvorschlägen zu antworten. Mein Kopf ist bereits voller Ideen aber ich habe keine ruhige Minute sie zu Papier zu bringen. Die Kinder kippen im Wohnzimmer zwei Spielzeug Kisten aus und hüpfen auf dem Fatboy. Ich räume im Kinderzimmer wenigstens das Lego weg, schmeiße die Wäsche in den Trockner, mache das Katzenklo sauber. Sortiere mit Idas Hilfe ein paar Kleidungsstücke aus die ihr nicht mehr passen. Emil meckert, warum er keinen Hello Kitty Pullover hat.

15:30 Uhr: Wir backen ein Brot. Es lässt sich nicht vermeiden, dass beide Kinder mit kneten wollen. Der Teig setzt sich überall fest und trocknet dort gemächlich, während ich versuche die Kinderfinger wieder zu säubern.

16:00 Uhr: Während ich die harten Teigreste wegschrubbe spielt Emil im Flur Fußball. Ich höre Hundert mal: Aber du sollst mitspielen, Mama!! Er schießt aus Frust eine Kerze vom Klavier. Ida versucht etwas mit der Klebe zu kleben. Ich räume die Kisten im Wohnzimmer wieder zusammen. Werde ein paar mal angerufen – das meiste geht zum Glück nicht um die Arbeit.

16:30 Uhr: Die Kinder baden. Toter Punkt in meinem Tagesablauf, ich sitze vor der Badewanne und lese. Egal ob alles nicht mehr geht, lesen geht immer. Die Kinder kreischen, spritzen und lachen. Ich nehme sie kaum wahr. Die Halbe Stunde gehört mir.

17:30 Uhr: Haare waschen, abtrocknen, anziehen. Das Bad sieht aus wie ein Schlachtfeld. Die Kinder verlangen nach Essen. Die Küche sieht auch noch aus wie ein Schlachtfeld. Während ich Brote schmiere, wische ich Arbeitsflächen ab, weiche die Pfanne vom Vortag ein, will etwas in den Geschirrspüler stellen, aber der ist sauber. Während ich ihn leer räume, räumt Ida hinter meinem Rücken parallel fein säuberlich alle sauberen Kinderteller aus ihrem Schrank wieder in den Geschirrspüler.

18:00 Uhr: Noch mal Wäsche in den Trockner, Ida ist tot müde und läuft meckernd durch alle Zimmer.Emil fängt an zu puzzeln und kippt alle Teile aus. Paul kommt nach Hause. Emil will einen Schneemann bauen, unbedingt und jetzt sofort. Paul bringt Ida ins Bett und ich baue mit Emil in der Dunkelheit einen Schneemann auf dem Parkplatz gegenüber.

19:00 Uhr: Wir kommen wieder rein und Emil wirft seine Jacke, die nassen Stiefel, Schal und Mütze irgendwohin. ich sehe mich um denke: Eigentlich ist es egal, denn es liegt ja sowieso überall irgendwas herum. Als Paul fragt, was ich denn den ganzen Tag so gemacht hätte, sage ich: Aufräumen. Und komme mir dabei ziemlich doof vor. Es sieht genauso aus wie am morgen. Oder ein klitzekleines bisschen schlimmer…

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