2014 – Jahresrückblick mit Emil und Ida

Januar, seit nunmehr zwei Monaten leben wir in unserer neuen Wohnung. Alles erscheint einem so großzügig und rein. Die Wände so leer, alles wartet noch darauf von uns mit Leben erfüllt zu werden. Vorne und hinten dieses winzige, paradiesische Stück Garten. Verwildert und brachliegend seid Jahren. Vor Emils Fenster, der ominöse, bewucherte 1,5 Meter hohe Hügel unter dem sich der Eingang zum Bunker befindet. Ein Bunker im Garten, der ohnehin grade mal so groß erscheint wie ein mittelgroßes Wohnzimmer? Als Störfaktor akzeptieren oder als besonderes Stück Geschichte in unser Gartenkonzept integrieren? Erst mal müssen wir auf den Frühling warten und auf den Moment, wo wir das gute Stück freilegen können. Was dann wird, wird sich zeigen. IMG_0670 Februar, Zeit all das zu tun was uns inspiriert. Emil malt. Mit dem ganzen Körper und aller Hingabe. Er ist voller Konzentration und während des Malens kaum ansprechbar. Die Malphasen in seinem Leben tauchen nahezu aus dem Nichts auf und verschwinden nach einigen Wochen wieder. Seine hochmotivierte Patentante – ihres Zeichens Professorin für Medien und Design – steckt ihre volle Bewunderung und Interpretationsgabe in seine Werke. Es ist nicht wichtig was Emil malt. Wichtig ist, dass er sich in seinem Schaffen ernst genommen fühlt. IMG_1786 März, ich stecke mit der Recherche Arbeit bereits mitten in der Planung für mein neues Projekt. Eine Reise wird uns im Sommer bis an die russische Grenze führen, dem Fluchtweg Tausender Ostpreussen folgend, die sich im Winter 1944 und 1945 auf die beschwerliche Reise gemacht haben. Ich arbeite mit einem Museum zusammen, treffe Zeitzeugen und lasse mir ihre ganz eigene Geschichte erzählen. Ich bin gerührt, berührt und dankbar – ganze Leben breiten sich vor mir aus. Mir wird immer wieder bewusst, was wir mit unserem eigenen Leben in den Händen halten und welche Chancen wir haben, etwas Gutes daraus zu machen. März, die Projektplanung macht eine Pause und wir reisen mit den Kindern nach Rom. Es wird die erste von drei Reisen in diesem Jahr sein, die Emil und Ida sehr eng zusammen führt. Ida beginnt mit den ersten Krabbelversuchen und wird von Tag zu Tag von Emil immer mehr und mit sehr viele Geduld und Verständnis als seine auserkorene Schwester und Freundin betrachtet. „Ich liebe dich und ich liebe Papi, “ sagt er eines Tages. „Aber die Ida liebe ich am meisten.“ Die Reise mit den Kindern ist durchaus entspannt. Das Alter nahezu perfekt. Emil liebt Rom, wissbegierig und aufgeregt erkundet er die Stadt mit den Augen eines Kindes. Ida staunt vom Buggy aus. Noch haben wir nicht das Problem, ständig hinter zwei Kindern herrennen zu müssen. IMG_4103 April, wir erobern uns langsam die Zeit an der Elbe zurück. Strand, Wasser, Zeit. Kein auf die Uhr gucken, keine Begrenzungen. Ida erkundet den Elbstrand zum ersten mal bewusst. Sie liebt das Wasser. Wir verbringen viel Zeit hier, sammeln unsere Gedanken. Paul arbeitet viel und wir verlegen unseren Alltag nach draussen. Wenn wir nicht an der Elbe sind, fahren wir zu Oma und Opa aufs Land. Die Kinder sollen so viel wie möglich Zeit ohne Vorgaben, Richtlinien, Konventionen und Kurse verbringen. Sie sollen vor allen Dingen leben und spielen. IMG_8472 Mai, Emils Trotzphase erreicht ihren Höhepunkt. Wir können uns nur sagen: besser jetzt als auf der Reise nach Russland. Es tut mir leid, dass er mit all seiner Wut in seinem Körper feststeckt, tobt und körperlich explodiert, aber er bringt mich auch an meine Grenzen. Ida ist noch so hilflos, kann noch nicht alleine laufen oder sonst etwas, ist auf mich angewiesen und ich bin oft völlig fertig. Emil zerrt an meinen Nerven und das in allen Facetten und mit allen vorhandenen Kräften. Die Kinderärztin sagt, er sei sehr weit für sein Alter, evtl. würden wir ihn mit vielem überfordern. Wir verlangen oft Verständnis, Rücksicht, rationales Verhalten. Aber er ist grade drei geworden. Das dürfen wir nicht vergessen. Ab jetzt findet unser Leben im Garten statt. Zum ersten mal erarbeiten wir uns ein kleines Paradies aus Blumen, Gemüse, Erdbeeren und Apfelbäumen. Es erfüllt uns mit unschätzbarem Glück. IMG_0873 IMG_0941 Den Bunker haben wir freigelegt und er hat sich als historische Komponente sehr in der Individualität unseres Gartens hervorgetan.

Juni, das Projekt nimmt sehr viel zeit in Anspruch. Ida kommt in die Kita Eingewöhnung und es gibt Wochenlang Streit deswegen mit dem Amt. Als freiberufliche Künstlerin ist es nahezu unmöglich so etwas durchzusetzen. Projekte, die in der Vorbereitung sind, werden selten als Arbeit anerkannt. Am Ende tragen wir die Kosten erst einmal selber – bekommen sie aber Monate später von einer außerordentlich bemühten Mitarbeiterin zurück erstattet. Nach einer durchgearbeiteten Nacht bauen Paul und Emil nahezu aus dem Nichts eine traumhafte Terrasse auf den Mauern unseres Bunkers. Ab jetzt ist das Paradies perfekt und die Zeit des Im-Garten-Einschlafens hält Einzug. Wir fahren ein paar tage in den Harz und Ende des Monats verlassen wir Hamburg mit einem bis unter die Decke vollgestopften Auto und zwei Kleinkindern auf eine ungewisse Reise. IMG_3807 Juli, unsere Reise führt uns mehr als 3000 km durch Polen, an der Küste entlang bis an die russische Grenze. Nur Emil und ich wagen uns eines regnerischen Tages bis ins russische Sperrgebiet vor. Die Arbeit am Projekt läuft schwer an, die Kinder nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Die Sprachbarriere tut ihr übriges dazu. Für die Familie eine Reise, die uns sehr eng zusammen bringt. Nicht eine Nacht schlafen wir im selben Ort. Jeden Abend Taschen aus dem Auto, Reisebetten aufstellen, Windeln und Fläschchen suchen, nach etwas essbarem Ausschau halten. Ich schreibe viel, brauche Zeit für mich, Paul kümmert sich rührend. Wir versuchen aus der reise ein riesiges Abenteuer zu machen – meistens gelingt es uns. bei aller Anstrengung merken wir: auch unter extremen Bedingungen reagieren wir erstaunlich fröhlich, gelassen und verliebt. IMG_0707 IMG_2880IMG_3044 August, die Kinder gehen wieder in den Kindergarten aber mir fehlt die Kraft mich mit der Reise zu beschäftigen. All die Notizen und Tausende von Fotos liegen erst einmal in Kisten und Kästen und warten darauf, dass ich einen neuen Zugang dazu bekomme. Zum Glück hab ich auch sonst genug zu tun. Kümmere mich um eine neue Ausstellung und fotografiere viel. Die Arbeit macht mich ausgeglichen und erfüllt mich. Ich habe schier unbegrenzte Kraft und Energie. Nach dem Kindergarten treffen wir viele Freunde – der Sommer führt alle zusammen. Wir verbringen immer noch viel Zeit an der Elbe. Viele unserer Freunde arbeiten im Kulturschaffenden Bereich – wir versuchen auch mit den Kindern vieles mitzumachen, Ausstellungen, Veranstaltungen und Märkte zu besuchen. Ich fahre ein paar Tage alleine mit den Kindern zu Freunden in deren Ferienhaus nach Mecklenburg. Das Haus ist groß, außer uns und den Besitzern treffen noch mehr Leute ein. Es wird eine sehr inspirierende Zeit voller spannender Menschen. Da Ida nur vier Tage die Woche in die Kita geht, versuche ich Emil auch öfter Zuhause zu behalten. Das Duo Emil und Ida wächst immer mehr zusammen. Wenn keine anderen Kinder da sind, spielen sie lange und ausgiebig miteinander. Emil nimmt immer Rücksicht. Nie ist er genervt, wenn sie seine Sachen kaputt macht oder Spiele nicht versteht. Immer bietet er ihr Alternativen und hilft ihr. IMG_6561 September, wir genießen den letzten Monat komplett im Garten. Wir ernten das restliche Gemüse und erstellen im Kopf Pläne fürs nächste Jahr. Viel mehr pflanzen. Ich träume von zwei Hühnern, aber es heißt, sie ziehen Ratten an. Keine Option, auch wenn unsere Katze wahrscheinlich heroisch gegenan kämpfen wird. Emil und Ida bezaubern auch ihr Umfeld. Die rührende Art mit der Emil sich um sie kümmert wird häufig thematisiert. IMG_0236IMG_0366IMG_9469 Oktober, das Projekt liegt immer noch lahm. Mir fehlt nach der anstrengenden Reise jede Kraft mich damit auseinander zu setzen. ich halte einen Vortrag, aber dann lasse ich es wieder ruhen. Für ein Fotoprojekt fahre ich nach Belgien und danach für ein paar Tage nach Hannover. Ich vermisse Paul und die Kinder, aber ein paar Nächte ganz alleine im Hotel sind auch nicht zu verachten. Ich fahre noch mal alleine mit den Kindern in den Harz und besuche meinen Bruder und seine Familie. Paul ist wieder in der Chirurgie und die Kinder sehen ihn kaum noch. November, die letzte Reise des Jahres, wir fliegen nach Venedig. Während meines Studiums habe ich dort gelebt und bin nie zurückgekommen. „Erst, wenn ich eines Tages Kinder habe,“ hab ich mir immer gesagt. Für Emil wird es ein großes Abenteuer. Er liebt es Städte zu erkunden und Venedig mit all den Brücken, Booten und Geschichten fasziniert ihn sehr. Jetzt wo auch Ida laufen kann wird es für Paul und mich anstrengend. Wir haben kaum Zeit für uns. Im Gegensatz zu Rom ein doch eher anstrengender Städtetrip. Für Emil und Ida, die letzte und intensivste Reise in diesem Jahr. Die beiden – unzertrennlich. und das alleine macht uns glücklich.IMG_8168 Dezember, das zweite Weihnachtsfest in unserer Wohnung. Emil macht eine schwierige zeit im Kindergarten durch. Jeden Morgen ein Kampf mit Tränen. Wir wissen nicht, woran es liegt und hoffen, dass es eine Phase ist, die vorüber geht. Ich lasse ihn viel Zuhause, wenn ich nicht arbeiten muss. Er platzt fast vor Liebe, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft. Wir fahren ein letztes mal in diesem Jahr in den Harz mit der ganzen Familie. Meine Eltern, meine Brüder, alle fünf Enkelkinder – davon das älteste grade mal vier. Ein buntes Treiben, dass sich über die Weihnachtsfeiertage wiederholen wird. Am Ende des Jahres resümiert Paul: Mensch, ein Jahr ohne neue Wohnung, ohne neue Jobs und ohne neues Kind. Und es war trotzdem toll! Recht hat er. Goodbye 2014. Wir freuen uns auf 2015 mit neuen Jobs und allem Anderen was uns erwartet. IMG_0319

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