Der Anfang sucht uns und nicht wir ihn

Wir sitzen im Flur und starren auf die Waschmaschine im Wirtschaftsraum. Sie dreht sich träge.

„Sie wird nicht warm,“ sagt Emil. Seine Hand fasst zum dreissigsten Mal an das Plastikfenster der Maschine. Die digital Anzeige zeigt, dass die Maschine seit genau 2 Minuten läuft. Ida gähnt. „Das dauert einen Moment,“ sage ich. Emil fasst noch mal gegen die Scheibe. „Ich glaube sie ist kaputt,“ konstatiert er. Frustriert lässt er sich vor der Maschine nieder. Es ist 17:00 Uhr. Ungefähr. Draussen wird es dunkel. Drinnen ist es erstaunlich still. Die Maschine dreht und dreht. Wasser läuft ein, sorgt einen Moment für Begeisterung. Dann starren wir wieder. Gott ist das angenehm still.

Man muss ja auch für Ruhe Momente sorgen, sage ich mir. Jetzt ist so einer, Ida kuschelt sich auf meinen Schoss. Wir kommen direkt von einem Kindergartenfest – anschließend an 6 Stunden Kindergarten.

Im Garten liegen noch die Äste eines grade beschnittenen Baumes. Und zwar BEVOR er die Blätter verliert. Dann spart man sich das harken. Die Äste liegen da aber schon seit einer Woche. Wenn wir sie endlich anheben und zur Mülltonne tragen lassen sie höchstwahrscheinlich alle Blätter direkt fallen. Warum schafft man es, so vieles anzufangen und so wenig zu Ende zu bringen?

Unser Garten hat die Größe eines passablen Zimmers. Ein Apfelbaum, Bohnen, Kürbisse, eine Kirsche, Salatmix, imposante Hortensienbüsche. Ein Großstadtparadies auf kleinstem Raum. Das kleine Paradies gehört uns erst seit einem Jahr. Jede geerntete Tomate verursacht Glücksschreie. Kann ich meinen Kindern die Natur nahe bringen auf diesem winzigen Fleckchen das wir Garten nennen? Ihnen das Landleben verwehren weil ich ein Großstadtmensch bin?

Wieviele Lebensfragen habe ich mir gestellt, seitdem Emil und Ida auf der Welt sind?

Ida und Emil sind ein und drei Jahre alt. Großer Bruder, kleine Schwester – zwei Jahre Altersunterschied. Emil und Ida lieben sich. Sie wachsen in einer Großstadt auf, sie kennen Möwen und Schiffe, die Gefahren des Straßenverkehrs, sie haben arbeitende Eltern und sind mit unter einem Jahr zur Tagesmutter gekommen. Emil und Ida sind der Anfang. Sie haben alles bisher da gewesene für uns verändert.

Emil und Ida sind etwas ganz besonderes.

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